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Die coolste Reha aller Zeiten 

Paolo Sorrentino ist kein Eintagsfliege - das ist spätestens jetzt nach "Youth" bewiesen. Denn auch wenn man sein wunderschöne Rom-Ode "Il Grande Bellezza" noch Glückstreffer auf den Spuren Fellinis hätte nennen können, zieht er nun nochmals alle Register um sich gleichzeitig aus dem Schatten seines Vorbildes zu lösen & sich fast auf Talent- & Ideen-Augenhöhe zu begeben. Alle Achtung! Auch wenn ich "Ewige Jugend" nicht direkt mit "8 1/2" oder anderen Fellini-Kunstgriffen vergleichen würde, sind Parallelen nicht abzustreiten. Geschichte wiederholt sich halt. Und solch große Inspiration kann & will man als begabter italienischer Regisseur auch nicht verleugnen - warum dann nicht mutig voran schreiten & Vergleiche erstreben.

In "Youth" geht es um eine Art Reha- oder Luxus-Spa, in dem zwei alte Künstler & Freunde einen ausgedehnten Erholungsurlaub miteinander verbringen & dabei nicht nur mit vielen bemerkenswerten anderen Gästen des schweizer Hotels umgehen müssen, sondern auch mit den Schwächen des Alters & des Lebens allgemein kämpfen. An dieser zynischen Mischung aus Komödie & Drama, gibt es weit mehr zu loben als zu kritisieren. Ich würde sogar fast so weit gehen, und mal wieder die Meisterwerk-Karte ziehen, aber irgendwie fehlt da dann doch noch das gewisse Etwas. Vielleicht kommt dies bei weiteren Besuchen in der Klinik. Wenn sich der Film so gut hält wie seine Protagonisten, sind diese unumgänglich.

Die Aufnahmen des Schweizer Erholungs-Szanarios sind große Klasse & über alle Masse erhaben. Egal ob Bergpanorama, Erholungsbecken, nackte Miss Universes oder faltige Nahaufnahmen. Schon allein deswegen kann das Filmteam schonmal den Flug nach L.A. im späten Winter buchen, da man daran bei den Oscars nicht vorbei kommen wird. Auch wenn der Film über 2 Stunden geht & es kaum körperliche Action oder wirkliche Spannung gibt, eher wird geredet, gewitzelt & sinniert, unterhält er ungemein. Durch Schönheit, durch Intelligenz & durch geniale Darsteller. Wie Caine & Keitel die alten Herren (Star-Dirigent & Star-Regisseur) mit Lebenserfahrung & Talent mimen, ist cool & einfach lässig. Wenn ich in dem Alter nur halb so drauf bin wie die zwei, egal ob ihre Charaktere oder in Realität, habe ich es geschafft. Aber auch der Rest, vor allem mal wieder der grossartige Paul Dano, fällt nicht ab & begeistert. Tolles Ensemble mit zwei funkelnden Altsternen. Manchmal wirkt das luxuriöse Hotel samt der Ansammlung an besonderen menschlichen Wesen sogar überhöht & andersweltlich, wie eine Art Traum, Himmel, Hölle oder Limbus.

Bei der Geschichte & den Protagonisten, weiß man, dass es traurig werden kann, genauso erwartet man Lebensweisheiten an den Kopf geknallt zu bekommen, die alles andere als neu sind. Das passiert auch - allerdings meist so locker, leicht & spielerisch, dass man mehr Freude als Gewohntes spürt. Viel eher als darüber zu meckern, wie blöd Altern ist, wird unterstrichen, wie viel wert es ist, das Leben auch wirklich zu leben, Spaß zu haben, zu Lieben, Freunde & Leidenschaften zu haben. Und das manchmal die kleinsten Momente & Personen im Leben, unvergessen & prägend bleiben können. Noch dazu gibt es gewichtige Statements zu alternden Celebrities, der Filmbranche & Sex. Ungeniert, jung geblieben & zeitlos. Urkomische Gastauftritte von Maradona über Jane Fonda bis Hitler inbegriffen. Hinten raus zieht er sich etwas & manch ein Traum bzw. Vision passen nicht in den Stil & die ruhige Art des Films, manchmal scheint er etwas zu voll an Ideen. Das machte meine Gänsehaut bei der letzten Symphonie dann aber wieder wet. Und nicht nur die ist klasse, allgemein ist der Soundtrack absolut toll & am Puls der Zeit wie auch klassisch genug.

Fazit: eine Ode an das Leben, die Lieben & das Leiden von Promis & wichtigen Persönlichkeiten - und auch ganz normalen Menschen ;) Hört sich ausgeleiert an, war aber selten in so feinem Kino verpackt!

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