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kurz angerissen*

Mit Müh und Not gelingt es Paolo Sorrentino, Anker in der Realität zu befestigen, indem er reale Personen wie Diego Maradona (Roly Serrano) oder Paloma Faith (sie selbst) in die Handlung streut. Der Drehort rund um einen Kurort in den Schweizer Alpen nämlich lässt den Ballon des Kunstfilmers in Sphären aufsteigen, die in Wes Andersons entrückten Mikrokosmen bestens aufgehoben wären. Anders gesprochen: Sorrentino bewegt sich auf einem schmalen Grat, ein authentisches Drama in Bildern wie von einem Gemälde aufzubereiten. Nicht uninteressant sind viele der handlungsbestimmenden Unterhaltungen allerdings, die sich meist um Betrachtungen des Vergangenen oder Abschätzungen der Zukunft drehen: Was hat man früher gemacht, wie wurde dies bewertet, welcher Mensch ist man dadurch geworden und wie geht man damit im weiteren Leben um. All diese Fragen werden aus den Augen zweier Künstler und Intellektueller betrachtet, eines Komponisten (Michael Caine) und eines Regisseurs (Harvey Keitel), die mit ihrem fortgeschrittenen Alter ebenso hadern wie mit ihrem Lebenswerk. Die Schweiz mit ihren Bergen, Wiesen und Thermalbädern wird so malerisch dargestellt, dass man sie für einen himmlischen Vorort halten könnte, ein Gleichnis auf das bevorstehende Jenseits.

Unmerklich wird die verkopfte Reflektion von Lebensphilosophien bald auf die Lebenspraxis angewandt. Kunstfertig arrangiert Sorrentino Traumsequenzen im Stil der alten Meister des Autorenfilms, die verschlungene Denkweise ihrer Träumer offenlegend; dann schälen sich die Ursprünge der Träume heraus. Brillant verknüpft der Regisseur das Abseitige mit dem Handfesten, wenn die Tochter des Komponisten (Rachel Weisz) ins Spiel gelangt, wenn der Komponist von einem Abgesandten der Queen wegen eines Jobs drangsaliert wird, wenn wir langsam dahinterkommen, was mit dessen Frau geschehen ist oder wenn der Regisseur bei der Planung seines neuen Films von der eigenen Entdeckung schwer enttäuscht wird. Viele kleine Dinge, die man isoliert betrachtet als prätentiös hätte empfinden können, werden in einen sinnvollen Kontext gesetzt und vervollständigen ein kleines Meisterwerk, das mehr beinhaltet als bloße Altherrenpoesie.

*weitere Informationen: siehe Profil

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