Paul Rudd spielt den Elektrotechniker Scott Lang, der nach einer mehrjährigen Haftstrafe wieder aus dem Gefängnis entlassen wird. Zwar möchte er ungern dahin zurück und den Kontakt zu seiner jungen Tochter nicht gänzlich abreißen lassen, doch er findet aufgrund der Vorstrafe leider keinen Job. Daher beschließt er, zusammen mit seinem ebenfalls vorbestraften Mitbewohner, gespielt von Michael Pena, in das Haus eines alten Mannes einzubrechen, der einen gewaltigen Safe in seinem Keller versteckt. Darin findet er aber weder Geld noch Gold, sondern einen merkwürdigen Anzug, mit dem er sich auf Ameisengröße schrumpfen kann. Er ahnt nicht, dass ein ehemaliger Physiker, gespielt von Michael Douglas, bereits ein Auge auf ihn geworfen und einen Auftrag für den neuen Superhelden, den Ant-Man, hat.
Nachdem einer ganzen Reihe von Marvel-Helden der große Leinwandauftritt vergönnt worden war, wurde nun also auch der Ant-Man mit einem solchen bedacht, was eigentlich überfällig war. Immerhin ist dieser eigentlich einer der Helden der ersten Stunde, ein Gründungsmitglied der Avengers, dessen erste Comics vor über fünf Dekaden erschienen. Vielleicht hatten die Marvel-Macher, die in erster Linie Action und Bombast verkaufen, bisher Bedenken, den kleinen Mann auf die Leinwand zu bringen und dem an Zerstörungsorgien gewöhnten Publikum einen Film zu präsentieren, bei dem nicht einmal eine Kleinstadt in Schutt und Asche gelegt wird. Andererseits war Regisseur Peyton Reed, der zuletzt die Komödie „Der Ja-Sager“ inszeniert hatte, so auch von manchen Zwängen befreit, schließlich brauchte es kein übertriebenes Katastrophenszenario und keine Weltrettung in allerletzter Sekunde. Stattdessen setzt er in erster Linie auf Humor und -was bei Marvel in letzter Zeit etwas auf der Strecke geblieben ist - Kreativität.
Zwar zündet bei „Ant-Man“ nicht jeder Gag und es kommt leider zu dem einen oder anderen fürchterlichen Rohrkrepierer, insgesamt erwischt Reed aber den richtigen Ton. Er nimmt das phasenweise absurde Szenario nicht zu ernst, sodass „Ant-Man“ bei weitem nicht so aufgeblasen daherkommt, wie etwa die „Thor“-Verfilmungen. Das hält Reed jedoch nicht davon ab, den Plot kontinuierlich voranzutreiben und das Geschehen zum Ende hin rasant und spannend zu gestalten, wie es zuletzt etwa bei „Guardians of the Galaxy“ der Fall war. Reed kommt dabei sein spielfreudiger Cast zu Gute, der einen großen Beitrag zum Gelingen des Films leistet. Paul Rudd gibt hierbei einen witzigen, sympathischen Helden, der um keinen Spruch verlegen ist und somit gelungen durch den Film trägt. Bei den Avengers könnte es mit diesem Neuling auf jeden Fall einen frischen Wind geben. Außerdem gibt es einen gut aufgelegten Michael Douglas zu sehen, einen in der Rolle des Fieslings überzeugenden „House of Cards“-Darsteller Corey Stoll sowie solide Auftritte von Evangeline Lilly und Michael Pena, dessen als besonders witzig angelegter Part mitunter auch mal etwas nervt.
Dass der Protagonist seine Größe spontan verändern kann, wird sehr gelungen ausgespielt, indem auch bei der Inszenierung des Öfteren zwischen Mikro- und Makroperspektive gewechselt wird. Wenn der Protagonist zum ersten Mal auf Ameisengröße geschrumpft wird und eine Badewanne plötzlich wie ein gewaltiges, leeres Becken erscheint, macht das visuell durchaus Eindruck, was auch für die übrigen Szenen in der Mikroperspektive gilt. In ähnlicher Weise überzeugen auch die Sequenzen, in denen der Held seine Missionen gemeinsam mit seinen Ameisen angeht, wobei Reed dies stets augenzwinkernd inszeniert und so für das eine oder andere Schmunzeln sorgt. Besonders beim Showdown im Kinderzimmer, der visuell in der Manier klassischer Marvel-Blockbuster zu überzeugen weiß und durchaus den erwarteten Bombast liefert, kommen Kreativität, Witz und das Potential der Grundidee voll zum Tragen, sodass der Abgang kaum besser sein könnte. Was witzige Einfälle angeht, wie etwa der Kampf in einem fallenden Koffer oder der Showdown auf der Spielzeugeisenbahn, liefert „Ant-Man“ jedenfalls einige Argumente für einen weiteren Film mit dem kleinen Helden.
Die Story ist derweil überschaubar und schlägt praktisch überhaupt keinen Haken, den man nicht schon längst hat kommen sehen. Ein kleineres Ärgernis stellen auch die klischeehaft konstruierten Figuren dar. Wir haben es mal wieder mit einem Helden zu tun, dessen Ehe nach der Straftat in die Brüche gegangen ist und der nun um ein besseres Verhältnis zu seiner kleinen Tochter bemüht ist. Die muss er am Ende natürlich vor seinem Widersacher retten. Der wiederum ist ein regelrechtes Abziehbild eines Bösewichts. Im Mittelteil kommt es so leider zu kleineren Längen und dramaturgischen Brüchen, die angesichts der zahlreichen Vorzüge des Films aber definitiv zu verschmerzen sind. Hier sind auch die Anspielungen auf die Avengers, Tony Stark und der Auftritt von Anthony Mackie als Falcon durchaus hilfreich, weil sie dem Unterhaltungswert zuträglich sind. Außerdem findet der neue Held so relativ schnell seinen Platz im Marvel-Universum.
Fazit:
„Ant-Man“ liefert einiges von dem, was viele der letzten Marvel-Filme auszeichnete: Gute Effekte, visuell überzeugendes Bombast-Kino und leider auch eine vorhersehbare Story. Der kleine Held toppt aber die zuletzt erschienenen Comic-Verfilmungen „Avengers: Age of Ultron“ und „Captain America 2“, weil „Ant-Man“ kreativer und witziger ist. Vor allem der Showdown im Kinderzimmer, der herrlich abstrus aber auch visuell sehr überzeugend inszeniert ist, könnte sich seinen Platz in der jüngeren Filmgeschichte sichern.
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