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Es scheint so als haben die Marvel Studios und Kevin Feige, vielleicht auch ungewollt, tatsächlich den passenden Ersatz für Edgar Wright gefunden. Warum? Weil es Peyton Reed gelungen ist, den Film trotz anscheinend massiger Änderungswunsche durch die Marvel-Oberen, immer noch wie ein Edgar-Wright-Film aussehen zu lassen.

ANT-MAN trieft nämlich "Edgar Wright" aus jeder Pore. Man fragt sich zwar schon, was für ein Film das geworden wäre, hätte Wright ihn auch selbst verfilmen dürfen, aber die jahrelange Vorbereitung und Arbeit an ANT-MAN kann man in jeder Szene spüren. Denn so schrullig und verspielt war ein Marvel-Film seit den GUARDIANS OF THE GALAXY nicht mehr.

Klar wird inhaltich und narrativ nicht die große Originalitätskeule geschwungen. Die allseits bekannte und in Ihren Variablen beliebig aber irgendwie immer gleich bleibende Origin-Story, hier verpackt in Loser-entwickelt-sich-zum-Helden und Schüler-Lehrer-Training-Parts.

Was ANT-MAN jedoch dann wieder anders macht, ist der Wright-typische Bruch der ernsten (und auch aller, allerernsten) Szenen durch ironische und teils schrullige Humoreinlagen. Zwar gehören Humor und Quatsch zum MCU wie Nutella aufs Frühstücksbrot, aber selten sind sie so konträr gegen den Ton der Szene, so liebevoll albern und auch so pointiert eingesetzt wie hier.

Ebenso Wright-typisch und für den ein oder anderen Marvelfan eher ungewohnt ist die Exposition. Überraschend zum einen, dass der Film überhaupt ein solche besitzt und zum anderen, dass sie auch funktioniert. Rudd, Lilly und Douglas ergänzen sich mit all Ihren verschiedenen Eigenschaften und Funktionen als Charaktere in der Geschichte wunderbar. Auch Michael Pena als Filmclown vom Dienst macht seine Sache fehlerfrei. Das klappt alles freilich nur deshalb, weil der Film seine Charaktere trotz der Albernheiten eben doch ernst nimmt.

Ironie, Albernheiten und Schrulligkeit halten machen auch glücklicherweise vor den Actionszenen nicht halt. Diese sind nicht so episch, weit, groß und gewaltig wie in vergleichbaren Marvel- oder auch DC-Pendants. Dass müssen sie aber auch nicht, denn dafür strotzen sie nur so vor Kreativität, visuellen Einfällen und optischen Spielereien. Und auch bei den Actionpieces kommen die Wright-typischen Brüche wieder vor. Wo in anderen Comicverfilmungen tunlichst darauf geachtet wird, die humorigen Einlagen nur nach den Actionklimaxe einzusetzen, scherrt sich ANT-MAN gar nicht darum, sondern scheint es sogar eher bewusst darauf anzulegen mit dem Humor um die Ecke zu kommen, wenn man es eher nicht erwartet. Auch das macht den Film zu einer kleinen Besonderheit im Marvel Cinematic Universe.

So wie GUARDIANS OF THE GALAXY aus der Marvelmasse aufgrund von James Gunns Handschrift hervorstach so tut es ANT-MAN ihm gleich. Wo ANT-MAN draufsteht ist eben Edgar Wright drin.

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