Nach nur zwei aufsehenerregenden griechischen Spielfilmen (DOGTOOTH, ALPEN) und einem zu vernachlässigenden Frühwerk stand Yorgos Lanthimos die Filmwelt offen. Sein prominent besetztes internationales Debut ist dennoch alles andere als ein zugänglicher Mainstream-Film. Obwohl Elemente von dystopischer Science-Fiction, romantischer Komödie und Gesellschaftssatire erkennbar sind, durchzieht den Film eine Kälte, Grausamkeit und Düsternis, die in der Filmlandschaft selten ist. Man sieht sie höchstens in den Werken Michael Hanekes oder Ulrich Seidls, jedoch nie in solch kunsvoll-visionärer Umsetzung.
Yorgos Lanthimos hat einen Liebesfilm versucht und einen Film über die Liebe gemacht: Stilistisch zwischen Buñuels surrealen Gesellschaftssatiren und filmischen Dystopien wie Truffauts FAHRENHEIT 451 angesiedelt, bietet THE LOBSTER mit seiner bewusst künstlichen Inszenierung, seinem sehr trockenen Humor und tollen Schauspielern (Colin Farrells "Calling Card" fürs Charakterfach) feinsten Arthouse-Spaß sowie eine ebenso spannende wie vielschichtige Auseinandersetzung mit Liebe und Beziehungen.
Die distanziert vorgetragenen, nach amateurhaften Theaterstücken klingenden Dialoge sind auch Jahre später noch gewöhnungsbedürftig, tragen jedoch maßgeblich zur besonderen Atmosphäre des Films bei, ebenso wie die Welt, deren Regeln niemals in Frage gestellt werden und deren Mysterien niemals erklärt werden.
Ein amüsantes, deprimierendes und nicht immer einfach zu ertragendes Meisterwerk.