Bryan Cranston spielt Dalton Trumbo, den berühmten US-amerikanischen Drehbuchautor, der sich als einer der Hollywood Ten 1947 weigerte nach einer Vorladung durch das Komitee für unamerikanische Umtriebe vor dem Ausschuss des Repräsentantenhauses auszusagen. Dafür wurde Trumbo, der während des Zweiten Weltkriegs der Kommunistischen Partei beigetreten war, zu einer mehrmonatigen Haftstrafe verurteilt, woraufhin er sich auf der Schwarzen Liste wiederfand. Damit konnte er für keines der großen Studios arbeiten - zumindest nicht offiziell und unter seinem richtigen Namen. Doch der Schwarzmarkt mit Drehbüchern, die es nach dem Willen der Kommunistenjäger niemals hätte geben dürfen, florierte, sodass Trumbo weiter schreiben konnte. Er sahnte sogar, mit Unterstützung seiner Familie, unter falschem Namen zwei Oscars ab.
Zwar hatte „Austin Powers“- und „Meine Braut, ihr Vater und ich“-Regisseur Jay Roach, der auch zuletzt gute („Die Qual der Wahl“) und weniger gute („Dinner für Spinner“) Komödien inszeniert hatte, durchaus den einen oder anderen Ausflug ins ernste Metier gewagt, dies jedoch mit den beiden eher weniger beachteten Filmen „Recount“ und „Game Change“. Dennoch hatte Roach gezeigt, dass er nicht vor kontroversen und komplexen Thematiken zurückschreckt. Das Biopic „Trumbo“ bildet da keine Ausnahme: es geht um eines der unrühmlichsten Kapitel der amerikanischen Geschichte, um eine Zeit, in der Meinungsfreiheit und Demokratie von Innen bedroht wurden, aber nicht von den eher harmlosen US-Kommunisten, sondern von ihren Häschern, die eine Hexenjagd auf ebendiese veranstalteten. Es geht auch um einen widersprüchlichen und streitbaren, sturen wie genialen Charakter, eine interessante Begebenheit voller Geschichte.
Und letztendlich ist Roach, der das Thema durchaus seriös angeht, ein ordentlicher Film gelungen, der mit seiner authentischen Ausstattung und der realistischen Beschreibung der politischen Gesamtsituation durchaus den Geist der 50er atmet. Die paranoide Hatz auf eine Handvoll ungefährlicher Hobby-Kommunisten, das schon dem Namen nach lachhafte “Komitee für unamerikanische Umtriebe“, das rückgratlose Studiosystem Hollywoods, das sich keine Skandale leisten wollte und sich von Patrioten wie John Wayne oder der spitzzüngigen Hedda Hopper vor sich hertreiben ließ, all das wird am konkreten Beispiel von Dalton Trumbo gelungen aufgegriffen und verarbeitet. Und mit einer insgesamt gelungenen Mischung aus Tragik und Komik sowie einem einigermaßen hoch gehaltenen Erzähltempo unterhält „Trumbo“ dann auch ordentlich. Für Filmfreunde dürften darüber hinaus die Bezüge zu zeitgenössischen Filmen, Autoren, Regisseuren, Darstellern und Hollywood-Funktionären recht interessant sein.
Dennoch muss sich Roach vorwerfen lassen, die wahre Begebenheit nicht voll ausgespielt zu haben, weil ihm erzählerisch so manches misslingt. Das Biopic wird chronologisch erzählt und thematisiert im Wesentlichen einen Zeitraum von knapp 15 Jahren. Das ist bei Genrefilmen zwar durchaus legitim, zumal Zeitsprünge und mehrere Zeitebenen noch kein Garant für ein gelungenes Biopic sind, doch Roach verpasst es, bei seiner zweistündigen Erzählung Höhepunkte zu setzen. Die Chronologie der Ereignisse schlängelt sich so etwas monoton an der Biographie des Protagonisten entlang, wobei den weniger wichtigen Aspekten (wie dem Gefängnisaufenthalt) ähnlich viel Aufmerksamkeit zuteilwird, wie den wirklich wichtigen (wie dem Kampf gegen die Schwarze Liste). Dabei wird der innere Widerspruch Trumbos, der, wie so viele prominente Kommunisten, zwar Marxismus predigte, seinen Reichtum aber durchaus zu schätzen wusste, zwar gelungen thematisiert, allerdings wird seinem Privatleben eindeutig zu viel Laufzeit zugestanden, ohne, dass es wirklich interessant würde.
An Bryan Cranston, gibt es dagegen überhaupt nichts auszusetzen. Der Trumbo im Film, der ein regelrechtes Vertriebsnetz für schwarze Drehbücher aufbaut, sich in seinen illegalen Geschäften förmlich verliert und dabei seine Familie terrorisiert, hat ohnehin viel mit Cranstons „Breaking Bad“-Alter Ego Walter White gemein. Und Cranston brilliert auch hier wahlweise als freundlicher Familienvater, aber auch als lauter Choleriker, der in seinen vielen Streitgesprächen nicht immer das beste, jedoch stets das lauteste Argument vorbringt. Cranston ist jederzeit präsent, spielt seine Kollegen jedoch nicht unter den Tisch, weil auch der restliche Cast auf ganzer Linie zu überzeugen weiß. Da wäre die herrlich spitzzüngige Helen Mirren, die als Hedda Hopper eine boshafte Giftspritze abgibt, eine ebenso überzeugende, eher im Hintergrund agierende Diane Lane und ein toll besetzter John Goodman, dessen wohl dosierte Auftritte zu den komödiantischen Highlights des Films gehören.
Fazit:
„Trumbo“ gewährt einen interessanten Einblick in das unrühmlichste Kapitel Hollywoods, in eine Zeit, in der die Kommunistenhatz paranoide Ausmaße annahm und die Meinungsfreiheit in den Staaten ernsthaft bedrohte. Mit einem weitgehend zügigen Erzähltempo und einem grandios aufspielenden Bryan Cranston ist Jay Roach ein sehenswertes Biopic gelungen, wenngleich ihm erzählerisch nicht alles glückt. Vor allem was die Schwerpunktsetzung angeht, ist „Trumbo“ durchaus ausbaufähig und auch das weniger interessante Privatleben des Drehbuchautors nimmt deutlich zu viel Raum ein.
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