Der Klassiker "Der Exorzist" galt bei Erscheinung als Skandalfilm. Sicherlich war das auch ein Grund dafür, dass das im Horrorgenre wegweisende Werk von William Friedkin solch einen Statuts erlangte, denn in vielen Belangen überzeugt "Der Exorzist" keineswegs voll und ganz.
Zu groß sind schon die Schwächen der Suspense in der ersten halben Stunde, in der in einer extendierenden und expliziten Breite über für die eigentliche Thematik sinnloses Zeug erzählt und berichtet wird. Dieser fade, zähe Filmaufbau hat eine schier elegische Langeweile zur Folge. Den unbrauchbaren und völlig uninteressanten Beginn hätte man sich getrost schenken können. Auch negativ auffallend ist die unprofessionelle, kaum akkurate Kameraführung, die immer einen leicht wackeligen, unsicheren Eindruck vermittelt. Eine schauspielerische Offenbarung zeigt sich ebenfalls nicht. So wird zwar viel Zeit in die Charaktere investiert, doch wirklich interessant und auch überzeugend sind die Vorstellungen nicht. Im Gegenteil, die Figur der Mutter (Ellen Burstyn) wirkt stetig unsympathisch, arrogant und wenig mitleidserweckend. Lediglich Max von Sydow vermag es in einer Nebenrolle, dem erfahrenen Lankester Merrin Leben einzuhauchen. Und zu guter Letzt ist da natürlich noch die kleine Linda Blair, die hier gemessen ihres Alters eine hervorragende Darbietung abliefert. Der Rest der Darstellerriege hingegen bleibt zu blass und auch Jason Miller als Pfarrer Damien Karras kann seine Stärken erst gegen Ende zeigen.
Die Gründe, die den "Exorzisten" zum Klassiker machten, lassen sich erst nach der anfänglichen narrativen Viskosität allmählich erkennen. Denn mit immer größer werdender Veränderung der Persönlichkeit des betroffenen Mädchens wird der für diesen Film so charakteristische atmosphärische Horror stärker und stärker. Die Attacken des Dämons werden immer intensiver und haben exzessive Ausraster mit damals skandalauslösenden Beschimpfungen der kleinen Reagan zur Folge. Mit zunehmender Verwandlung der einst zierlichen Zwölfjährigen wird auch die Atmosphäre mehr und mehr bedrohlicher und unheimlicher bis alles in einem finalen Exorzismus endet, in dem ein sehr kühler Raum und unidentifizierbare Geräusche der angespannten Stimmung noch einen drauf setzen können. Durch die für damalige Verhältnisse sehr gute Maskenarbeit bei der Besessenen ist das Mädchen zu einem Monster mutiert und in seiner ursprünglichen Gestalt kaum wiederzuerkennen.
Sieht man einmal von den deutlichen Anlaufschwierigkeiten des Filmes ab, so müsste "Der Exorzist" mit seinem guten, allerdings nicht sonderlich zum Vorschein kommenden Musikthema jedem Horrorkenner ein Begriff sein. Einige legendären Szenen wie das Urinieren vor der Familie oder das wuchtige Übergeben, an dessen Gestank und Ekel sich Pfarrer Damien Karras erfreuen darf, wurden schon in unzähligen Komödien parodiert und werden wohl auch in Zukunft unsterblich bleiben.