Als ich in dieses filmische Ungetüm mit 18 Jahren (bei einer Wiederaufführung) hineingeriet, war das ein aufreibendes, sehr beunruhigendes, aber faszinierendes "Erweckungserlebnis". Regan stand noch Wochen darauf neben meinem Bett und grinste mich an. Der schiere Terror.
Der wirkliche Horror lag und liegt aber nicht in Regans Fratze, sondern in der eigentlichen Gestaltlosigkeit des scheinbar übermächtigen Bösen (die sich spät im Film materialisierende Statue Pazuzus zählt nicht).
Der Film nimmt paranormale Phänomene - nein, sogar auch Religion! - ernst, die Dualität von Gut und Böse ist bei Regisseur Friedkin (und bei Autor William Peter Blatty ohnehin) nicht nur ein philosophischer Begriff, sondern biblische Tatsache.
Das teilt sich in der Inszenierung mit und hebt "The Exorcist" - zusammen mit den starken Dialogen, den Schauspielerleistungen, der manchmal hundsgemeinen Kameraführung, der zermürbenden, tiefenpsychologisch wirksamen Tonspur und Oldfields Musik - hoch über eigentlich alle anderen Filme des Genres, von vier oder fünf Produktionen (vor allem des deutschen Expressionismus) mal abgesehen.
Ein religionskritischer, religiöser Film, in seiner tabulosen, zuweilen obszönen Inszenierung aber nichts für religiöse Kleingeister. Friedkin serviert dem Zuschauer die irrationalen Ängste, die in einer durchrationalisierten Welt, die von sich behauptet, für alles eine Erklärung zu haben, beinahe erfolgreich verdrängt werden ( - genug Blabla, das steht ja in jeder zweiten Filmkritik zum Thema).
Die ikonographische Figur des Filme ist sicherlich Regan (Linda Blair/ Eileen Dietz), das ikonographische Bild jenes von Pater Merrin (Max von Sydow), wie er zum gleißenden Licht aus Regans Zimmerfenster hinaufblickt (das Böse ist in "The Exorcist" so stark, dass es strahlt).
Die stärkste, raffinierteste Figur des Filmes, dessen Ängste und Unsicherheit sich auf den Zuschauer übertragen, ist aber fraglos Pater Karras (Jason Anthony Miller), der dreifach Geschlagene: vom Glauben abfallend, süchtig, schuldbeladen (ob des Todes seiner Mutter) - und dennoch willens zu handeln.
Aber auch die anderen Protagonisten haben Tiefe. Um diese auszuloten, nimmt sich der Film sehr viel Zeit - und ist damit etwas völlig anderes, als die hektischen, oberflächlichen Horrorproduktionen dieser Tage.
Für mich der beste Horrorfilm.