Der Name Larry Fessenden dürfte wohl nur wenigen eingefleischten Horrorfans ein Begriff sein. Doch sollte er zumindest genannt werden, wenn es um B-Horrorfilme geht. Immerhin sind durch ihn schon viele namhafte Regisseure in den Filmolymp aufgestiegen und dürfen nun bei High-Budget-Produktionen mitwirken. Unter ihnen ist auch Ti West, welcher seine Wurzeln ebenfalls im B-Horror-Genre und damit bei Larry Fessenden hat. Mit ihm produzierte er vor über zehn Jahren den Horrorfilm „The Roost“. Nachdem West mit „Trigger Man“ noch einmal das Genre wechselte (welcher aber ebenfalls von Fessenden produziert wurde), konnte er mit den Filmen „The House of the Devil“ (sein Durchbruch), „Cabin Fever 2“ und „The Innkeepers“ einige nachhaltige Duftmarken im Horrorgenre setzen. Unter Fans war er zu diesem Zeitpunkt schon lange kein Geheimtipp mehr. Dass West nicht vergessen hat, wo er herkommt, beweist er auch mit seiner neuesten, bisher größten Produktion aus dem Hause Blumhouse.
„In a Valley of Violence“ ist in vielerlei Hinsicht ein ungewöhnlicher Film in Wests Karriere als Filmemacher. Zum einen ist es seine größte Produktion bis dato, und zum anderen ist es ein Western. Und ein sehr klassischer dazu. Dass die Mischung Western und Horror nicht mehr allzu abwegig ist, haben Filme wie „Bone Tomahawk“ längst bewiesen. Und auch wenn Wests Genre-Beitrag keinerlei Horrorelemente enthält, so lässt sich die unverwechselbare Handschrift des Regisseurs immer wiedererkennen.
Die Geschichte um Paul (Ethan Hawke), der im Amerika der 1890er Jahre gemeinsam mit seinem Hund durchs Land zieht, passt auf einen Bierdeckel. In klassischer Manier trifft er auf ein kleines Kaff mitten im Nirgendwo, aus dem er natürlich umgehend vom hiesigen Marshal (mit Holzbein: John Travolta) vertrieben wird. Unglückliche Umstände führen jedoch dazu, dass sein Aufenthalt in der Stadt länger dauert als gewollt. So nimmt die blutige Geschichte ihren Lauf.
Wie bereits typisch für Wests Filme, ist die Geschichte so simpel gehalten wie möglich. Vielmehr lässt er die Charaktere die Szenen gestalten, sodass auch dieser Film von vielen recht dialoglastigen Szenen gekennzeichnet ist. Dabei verzichtet West auch nicht auf eine gute Portion Ironie und Humor, die stets die Szenerie beherrschen und vor allem im letzten Akt die Oberhand gewinnen. Wenn sich Paul minutenlang mit seinem Hund unterhält und dieser ihn auch aus schwierigen Situationen befreit, erinnert dies unweigerlich an Comicfiguren wie Lucky Luke (aber keine Angst, davon gibt es nicht allzu viele Szenen).
Wenn der Ton im nächsten Moment plötzlich rauer wird und Blut und Gewalt die Szenerie bestimmen, dann lässt sich in solchen Momenten am ehesten die Herkunft Wests aus dem Horrorfach erkennen. So wirkt „In a Valley of Violence“ in seinen besten Momenten herrlich ungeschliffen und fühlt sich - trotz der Hollywood-Besetzung - auch wenig wie ein Hollywoodfilm an.
Vor allem Post-Western-Elemente, wie sie ein „Erbarmungslos“ zelebrierte, nutzt West immer wieder für humorvolle Spitzen. Gerade der Showdown kommt antiklimatisch und dadurch ungemein witzig rüber und führt alle Erwartungshaltungen völlig ad absurdum, nur um diesen durch einen zu erwartenden, dann aber umso erlösenderen, Schlussgag beim finalen Duell die Krone aufzusetzen.
Ethan Hawke spielt dabei völlig adäquat auf und mimt den rauen, aber auch unberechenbaren Einzelgänger souverän. John Travolta schafft ebenfalls den Spagat zwischen seinem ersten, fast comichaft überspitzten Auftritt, hin zu einer unterhaltsamen, aber nie albernen Darbietung, die man durchaus mal gesehen haben sollte.
Und um die Brücke hin zu seinen Wurzeln zu schlagen, hat Ti West eine Rolle auch mit seinem Mentor Larry Fessenden besetzt, der mit gewohnter Hingabe den Western-Trunkenbold mimt.
Der Film bietet somit all das, was einen Western ausmacht. Doch weder ist der Film eine Parodie, noch ein waschechter Post-Western; auch kann West in keiner Weise für sich behaupten, mit diesem Film eine Großtat vollbracht zu haben. Dennoch ist „In a Valley of Violence“ ein so unterhaltsamer wie optisch und akustisch äußerst ansprechender Film geworden, der gerade durch seinen Regisseur ein paar sehr interessante Ansätze zu bieten hat, die gerne von Western- als auch von Ti West-Fans erkundet werden dürfen.