Ein später (und bisweilen kurioser) Nachtrag zum Paranoia-Kino der 50er, so wird die erste Verfilmung von Richard Mathesons gefeiertem Roman "I am legend" zumeist angesehen. In einer Zeit, in der der Horror es schwer hatte, gegen die Ängste des real atomar zu werdenden kalten Krieges noch Bilder der Angst zu liefern und deswegen mehr in die menschliche Seele mit einigen wenigen, aber gut gesetzten Genrebeiträgen, abzielte, während der europäische Kostümhorror und die nicht weniger künstlichen Poe-Adaptionen Roger Cormans den Markt beherrschten.
Dabei entstammt "Last Man on Earth" eben diesem Elternhaus, von Matheson geskriptet, an Hammer verkauft und dann an Cormans AIP weitergegeben, der allerdings den Film in Italien produzieren ließ, aus Kostengründen und vielleicht auch, weil er nicht recht zum sonstigen Programm passen wollte.
Damit verdammte er den Film, zumindest hierzulande, zu einer Art Schattendasein, denn obwohl der Horrorstar Vincent Price es sich nach seinen vielen Poe-Verfilmungen auch hier nicht nehmen ließ, in einer prägnanten und filmfüllenden Rolle sein Charisma glänzen zu lassen, kam der Film nie bis Deutschland, wurde erst spät über das Internet zugänglich gemacht und wurde schließlich von grabungsfreudigen Billigfirmen entdeckt, die ihn nicht eben respektvoll behandelten.
Das ist insofern schade, als daß er, obwohl Matheson mit dem Film unzufrieden war, deutlich näher an die ursprüngliche Vorlage des Autors kam, als alle Neuverfilmungen, speziell die mit Charlton Heston und Will Smith.
Umbenannt von Robert Neville in Robert Morgan portraitiert Price mit selbstzerstörerischer Hingabe den Bakteriologen, der als einziger, wie es scheint, eine gefährliche Bakterienseuche überstanden hat, die jedoch seine Frau und seine Tochter dahingerafft hat, was ihn innerlich selbst zu einem lebenden Toten machte, stets mühsam an der Schwelle zum Wahnsinn stehend.
Seine Tage füllt er mit dem Pfählen der verbliebenen Wesen, die einmal seine Mitmenschen waren, vampirähnliche Geschöpfe, die sich jedoch (obwohl noch artikuliert) eher Untoten gleich bewegen und ihm nach dem Leben trachten. Drei Jahre führt er nun sein einsames Regiment als Vampirkiller, bis sich etwas ändert und er erkennen muß, daß sich die Welt gewandelt hat - die Sichtweise sind nun andere.
Obwohl das Ende gegenüber dem Roman leicht abgeändert wurde, blieb die Struktur von Mathesons Erstlingswerk jedoch gewahrt: die neue Gesellschaft fegt die alte hinweg. Damit schuf Matheson ein Werk, das sowohl für den modernen Vampirroman, als auch für die Untotenthematik durchaus stilbildend waren.
Die Untoten, die leicht unkoordiniert Nacht für Nacht Morgans Haus belagern und angreifen, sind nur einen halben Schritt von den vier Jahre später von George A. Romero ins Feld geschickten Zombies entfernt und gebärden sich auch stets wie das Opfer einer Seuche, weniger wie ein typisches Horrorstilmittel (obwohl der Film wenigstens ein starkes und klassisches Horrorbild erzeugt: die Wiederkehr von Morgans Frau, nachdem er sie auf freiem Feld begraben hatte, vermutlich der gruseligste Moment in diesem Film) - so nähert sich "Last Man on Earth" eher der SF an und konzentriert sich auf das dramaturgische Potential der Hauptfigur.
Wobei anzumerken ist, daß die Horrorikone nicht eben genau der Typ ist, den man in der Rolle erwartet, rein von der Physis paßte Heston sicherlich besser, aber Price nimmt man dem Wissenschaftler eben besser ab. Das ändert jedoch nichts daran, daß die Kombination eines englisch sprechenden Hauptdarstellers und der übrigen agierenden und drehenden Personen, allesamt Italiener, nicht eben sonderlich gut paßt.
Price nähert sich der Rolle mit vorsichtiger Würde und immer tieferer psychischer Abgründigkeit, während die Italiener eher emotional extremer neben ihm herspielen. Allerdings ist sein Verhalten seiner Frau und Kollegen gegenüber überraschend grob und manchmal sogar unverständlich agressiv.
Das wird noch deutlicher durch die Vorgehensweise, den italienischen Film für den US-Markt dann in englisch synchronisieren zu lassen - und das auch noch mit ungemein furchtbaren Stimmen (immerhin gab Price seine Stimme dafür noch einmal her und wirkt besonders im Voiceover gewohnt bestechend). Das ist übrigens noch gar nichts gegen die völlig sachlich und atmosphärefrei vorgetragene nachträgliche deutsche Synchro, die man gar nicht ertragen kann, ohne in einen Lachanfall zu verfallen.
Beeindruckend an "Ultimo Uomo della Terra" sind - wie könnte es anders sein - die Szenen der Verlassenheit und Einsamkeit bei Tage, wenn Morgan durch eine entvölkerte und gut in Szene gesetzte Stadt fährt, die immer noch durch herumliegende Körper gezeichnet ist. In der sonnendurchfluteten Stille ist das vermittelte Gefühl wirklich beklemmend, die Rückblende im zweiten Drittel wirkt fast ein wenig erhebend, bis die nachträgliche Schilderung der epidemischen Katastrophe noch düstere Bilder erzeugt. Das bedrückende Abtransportieren der Infizierten, das Verbrennen der Leichen in einer großen Grube am Stadtrand, der stete und tödliche Wind, der durch die Straßen weht, hier ist "Last Man" wirklich auf dem Höhepunkt und hätte ein gewisses Mehr an Spielzeit und Tiefe wirklich verdient gehabt.
Wenn es dann wieder in die apokalyptische Realzeit geht, folgt ein narrativ schöner Kunstgriff, bei dem Morgan in einem Hund einen Freund gewinnt, den er dann aber als infiziert analysiert, um ihn zu pfählen - und dann bei der Beerdigung auf die Frau zu treffen, was natürlich einen ähnlichen Verlauf zu nehmen droht.
Probleme, für heutige Verhältnisse, hat der Film sicherlich mit dem knappen Budget, das viele Möglichkeit des weltweiten Aufruhrs außer acht lassen mußte und auch das Forschungslabor, in dem Morgan nach einer Lösung sucht, sieht nachträglich ziemlich dürftig aus. Genauso schludrig sein eigenes Haus, daß so schlecht gesichert aussieht, daß es wie ein Wunder erscheint, daß die Vampire es nicht längst in Stücke gehauen haben.
Interessant ist, daß erst kurz vor Schluß praktisch beiläufig eine Erklärung für Morgans Überleben aus dem Hut gezogen wird, aber für das weitere Geschehen kaum noch eine Rolle spielt, weil selbst die Entwicklung von Antikörpern in der Gesellschaft der Überlebenden nur bedingt etwas an den weitere Vorgängen ändern wird.
Optisch überzeugend, für das kleine Budget mehr als akzeptabel umgesetzt und nur mit dramaturgischen Schwächen kämpfend, wäre der Film vermutlich noch besser, wenn er akustisch besser zugänglich wäre, alles in allem aber ein beeindruckender Beitrag in der Gefolgschaft der "The Damned"-Filme, vor dem Hintergrund der Atomparanoia - "Last Man on Earth" ist wahrhaftig das Beispiel für einen Film, der für sich vielleicht unwichtig oder nicht ausreichend geschätzt erscheint, aber genau an einer Wegkreuzung der Genres neue Richtungen vorschlug, ohne dies zu damals zu erahnen. (8/10)