kurz angerissen*
Obwohl alle drei Verfilmungen des Romans von Richard Matheson in gewisser Weise ein Abziehbild der Zeit sind, in der sie gedreht wurden: Zumindest die ersten beiden Adaptionen haben trotz ihrer Statik etwas Progressives an sich, etwas, bei dem man von einer Weiterentwicklung für die populäre Mischform aus SciFi und Horror sprechen kann, die später auch Ikonen wie "Alien" hervorbrachte. Die Hauptrolle erscheint mit Vincent Price, dem Gesicht des eher klassisch-theatralischen Horrorfilms, somit eher fehlbesetzt. Einen unscheinbareren Akteur, der hauptsächlich von der Kraft der Bewegung getrieben wird, hätte man sich vielleicht eher vorstellen können. Immerhin wird in "The Last Man On Earth" das Verhältnis von Mensch und Monster völlig auf den Kopf gestellt, eine Rezeptur, mit der George A. Romero schließlich den Siegeszug des Zombiefilms antrat und die Ära der einsamen Kreaturen im Schatten der Gesellschaft beendete.
Aber womöglich könnte es auch gerade deswegen kaum eine sinnvollere Besetzung geben als Price. Immerhin spielt er den "letzten wahren Menschen der Erde". Wo Hestons Streifgang durch verlassene Landschaften bereits die Akzeptanz der Popkultur auf seiner Seite hatte und die Gesellschaft von Artverwandten wie "Soylent Green" oder "Planet der Affen" genoss (beide ebenfalls mit Heston), da ist "The Last Man On Earth" trotz seiner Zugeständnisse ans altmodische Kino (neben Price selbst beispielsweise auch die langsamen Zombie-Vampire anstatt der agilen Kletterer aus dem Roman) von einem Wechsel der Paradigmen beseelt, auch wenn dieser hauptsächlich von der Vorlage auszugehen scheint und weniger von der Eigendynamik ihrer Verfilmung. So ist es in erster Linie das reine Szenario, das fasziniert. Filmisch überzeugen voll und ganz allenfalls die menschenleeren, von zugestellten Räumen bis hin zu weitläufigen Panoramen reichenden Setpieces, deren grob ausgestochenes Schwarzweiß wie von einer alten Zeitung oder einem Comicheft die Abstinenz des Lebens noch einmal bekräftigt. Regie und Dialoge hingegen deuten auf Verbesserungspotenzial, wobei letztere auch mit auf eine schlechte Synchronisation zurückzuführen sind, die selbst im englischen Originalton eher schlecht als recht in der Postproduktion nachgetragen wurde.
Das nagt unnötig an dem Klassiker-Status, den sich "The Last Man On Earth" eigentlich spielend hätte erarbeiten können. So muss mancher Cineast trotz des beunruhigenden, damals sicherlich ungewohnten Szenarios nun vielleicht ein wenig Überzeugungsarbeit leisten, um zu zeigen, dass das Prädikat womöglich sogar verdient sein könnte.
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