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Charlton Heston war ebenfalls "der letzte Mann auf Erden". 1971 in "Der Omega Mann", der gemeinhin eher zu Hestons schwächeren Filmen zählt, und das auch zurecht. Was hingegen kaum einer weiß, die Geschichte ist nicht neu, sondern wurde bereits im Jahre 1964 in Italien verfilmt. Beiden Filmen hingegen ist eines Gemeinsam, sie basieren beide auf der literarischen Vorlage "I am Legend" von Richard Matheson. Doch es ist letztlich nur der italienische Vertreter, der dieser Vorlage wirklich gerecht wird, sowohl in ihrer Atmosphäre als auch in der pessimistischen Grundstimmung dieser.

Der Film spielt im Jahre 1968, drei Jahre sind vergangen seit die Menschheit von einer tödlichen Seuche vernichtet wurde. Einzig Robert Morgan scheint überlebt zu haben. Doch es st kein wirkliches Leben das er als "letzter Mann auf der Erde" führt. Sein Tagesablauf sieht immer gleich aus, denn er ist zwar der letzte Mensch, aber keinesfalls allein. Nachts kommen sie, sind Wesen irgendwo zwischen Vampiren (Empfindlichkeit gegen Knoblauch und Spiegel, lassen sich pfählen) und Zombie (Bewegungsabläufe, Sprache). Tagsüber jagt Morgan sie, durchsucht die große Stadt Abschnitt für Abschnitt nach ihnen um sie zu pfählen und in einer riesigen Grube zu verbrennen. Nachts kommen sie, belagern sein Haus und wollen ihn zu einem von ihnen machen.

Regisseur Sidney Salkow hat mit diesem Film einen Vorreiter geschaffen. Ich behaupte jetzt mal das dieser Film von Georg A. Romero bis hin zu Danny Boyle und seinem "28 days later" inspiriert hat. Zu offensichtlich sind die Parallelen und Verweise auf diesen Film. Er dürfte der erste Film sein, der sich dem Thema Zombies (auch wenn hier noch die Vampir Einflüsse dabei sind) so nähert wie es Romero erst 4 Jahre später machen sollte. Dabei sind auch hier die Ähnlichkeiten verblüffend. Die Toten die ziellos und von Instinkten getrieben durch die Nacht wanken, der abgrundtief pessimistische Grundton, das Fehlen eines Happy Ends. Auch wird die Hauptfigur hier keineswegs als Held dargestellt. Vincent Price macht immer wieder die Verzweiflung und den latenten Wahnsinn von Morgan deutlich. Zeigt ihn als Mann, dem alles genommen wurde, der vollkommen allein ist und mit seiner makabren Arbeit mehr oder weniger einfach einen neuen Sinn in seinem Leben geschaffen hat um dieses überhaupt noch lebenswert zu machen. Das er dabei letztlich erkennen muss, dass er das Monster ist, das er der einzige Fremdkörper in einer neuen Gesellschaft ist, wirkt dabei um so zynischer. Er ist es der nicht in der Lage ist sich einer neuen Form der Menschheit anzupassen und sieht somit nur einen Ausweg für sich, den Tod.

Es sind Szenen die sich ins Gehirn einbrenne und einen zugleich fesseln und doch auch abstoßen. Herausragend sicherlich die Szenen an der Grube, in die zunächst noch die verseuchten Toten geworfen werden und als alles Leben vorbei ist und sich die Toten erheben, sind es diese die von Morgan zu Tausenden dort verbrannt werden. So düster und dunkel hat wohl noch kein Film das Ende der Menschheit gezeigt gehabt bis zum Jahr 1964. Auch die leere und verlassene Stadt sorgt (wie auch in "28 days later") für Gänsehaut. Übrigens lassen sich noch weitere Szenen finden, z.B. die Tankwagen Szene, die sich Boyle offensichtlich bei "Last man on Earth" abgeschaut hat.

Gedreht in schwarz/weiß wirken die Bilder umso intensiver. Die Kamera bleibt zmeist relativ statisch, bewegt sich wenig, rückt immer wieder die Hauptfigur ins Bild. Teilweise werden dabei sehr außergewöhnliche Perspektiven ausprobiert und man wird so immer wieder überrascht sein, was man hier an Experimentierfreude eingesetzt hat. Der Score beschränkt sich auf ein Minimum, was insbesondere in der Anfangsphase wenn sich der Film ausschließlich auf Vincent Price konzentriert sehr zur gelungenen Atmosphäre beiträgt. Man sieht dem Film zwar an, das wenig Geld zur Verfügung stand, aber billig wirkt er deshalb nie.

Vincent Price ist zugleich Segen und Fluch für diesen Film. Es ist verständlich das Sidney Salkow einen Schauspieler für die Hauptrolle benötigte, der in der Lage ist einen Film ganz alleine zu tragen, da es gute 60 Minuten dauert bevor es zu Interaktionen mit anderen Figuren kommt. Das Vincent Price über diese Fähigkeit verfügt ist unbestritten, doch ist es gerade die enorme Präsenz von Price die dem Film etwas an Glaubwürdigkeit raubt. Price spielt seine Figur zu selbstsicher zu überzeugt, viel zu selten erkennt man den gebrochenen und einsamen Menschen. Auch die Idee, während der ersten halben Stunde die Gedanken der Figur auszusprechen, also mit der Stimme aus dem Off zu versehen wirkt etwas unpassend, zumal es meist nur offensichtliche Dinge sind die eigentlich keiner Erklärung bedürfen, die Vincent Price hier erzählt. Doch auch diese Kritikpunkte ändern nichst an der Qualität des Films.

"The last man on earth" ist der Film, der als einer der ersten in den 60er Jahren den Schritt hin zum düsteren und pessimistischen Horrorfilm geschafft hat und arf sich somit durchaus als Vorreiter betrachten. Auch was die Kompromisslosigkeit der Geschichte und Figuren angeht wurden hier neue Maßstäbe gesetzt, wobei man keine Gore Orgie erwarten darf, diesen Aspekt brachte dann ja erst Romero 4 Jahre später dazu. "Last man on earth" war Richtungsweisend und wird, wie ich ja beschrieben habe, auch heute noch immer als Inspirationsquelle herangezogen, denn schließlich darf der Film für sich verbuchen, den Zombiefilm wie wir ihn heute kennen maßgeblich auf den Weg gebracht zu haben. Allein schon deshalb sollte man als Fan des Horrorkinos sich dieses leider oft in Vergessenheit geratene Kleinod zumindest einmal ansehen.
Das lohnt sich auch abseits von all diesen filmhistorischen Gründen, denn Sidney Salkow hat einen spannenden, atmosphärischen Film geschaffen, der noch dazu mit einem sehr guten Hauptdarsteller aufwarten kann. Wer braucht da noch Charlton Heston?
8 von 10 Punkten.

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