Einen Rache-Streifen der etwas anderen Art serviert die italienische Indie-Schmiede Necrostorm mit ihrem fast ganz in schwarz-weiß gedrehten Infidus: zwei Männer werden in der Gegenwart gezeigt, zwei Männer, deren traurige Schicksale im Lauf des Films zusammengeführt werden. Mittels farbiger Rückblenden werden die für sie einschneidensten Ereignisse ihres Lebens gezeigt, die ihr jetziges Handeln bestimmen: Da wäre zum einen Massimo, ein trauriger, grauhaariger Mittfünfziger, der seine Frau verloren hat, da sie bei der Produktion eines Snuff-Films ermordet wurde - eines Films also, bei dem live Menschen vor der Kamera ermordet werden. Die Bilder dieses Films, die er kennt, lassen ihn nicht mehr los und er sucht nach dem Auftraggeber dieser Filme. Der andere ist der sehr massige Barabba, ein volltätowierter Ex-Knasti, der nach 7 Jahren Haft gerade entlassen wurde und eigentlich ein neues Leben beginnen wollte - aber seine Erinnerungen an den soeben verbüßten Mord (ebenfalls für einen Snuff-Film, vor laufender Kamera), zu dem ihn der Filmende angestachelt und dann schmählich hängen lassen hatte, lassen ihn auf Rache sinnen: Er spitzt einen Eisenpfeil mit dem Bandschleifer an und geht einfach los, den Kameramann von damals suchen, den er auch alsbald findet...
Infidus ist schon allein aufgrund seiner weitgehenden s/w-Bildführung etwas Besonderes: Ein gnadenloser Rachefeldzug, bei dem niemand etwas gewinnen kann. Triste Bilder römischer Vorstadt-Ghettos in der Sonne und ein schwabbelbäuchiger Killer in einem weißen Fiat Ducato-Transporter, der alle Mitglieder der Snuff-Film-Gang nacheinander aufspürt und kompromisslos niedermacht. Während Massimo den Auftraggeber dieser seit Jahren produzierten Filme in dessen Villa ausfindig macht und diesen über seine Beweggründe sprechen läßt, zieht Barabba in Begleitung einer die Gang kennenden älteren Frau los und richtet ein Blutbad nach dem anderen an: Fast ohne Dialoge wird sofort zugestochen oder geschossen, daß das Blut nur zu spritzt. Das Gang-Mitglied auf dem Autofriedhof wird mit dem Bagger in einem Wrack zerquetscht, andere werden angefahren und erschossen, Augen werden ausgestochen und eine Bauchdecke geöffnet, ein Kopf abgerissen und und und... die Splatter-einlagen sind in der Regel handgemacht und sehen auch durchweg gut aus, gleichwohl man bei einigen schon erkennen kann, daß da getrickst wurde (z.B. beim Aufsägen des Bauches, beim verbrennen mit dem heißen Metallstab oder aber in der Szene mit den Katzen zu Beginn, die Teile einer Schädeldecke fressen, bzw. es so aussehen soll als ob). Anders als in anderen derartigen Streifen aber wird die Rache nicht zelebriert, sondern sie passiert einfach, es gibt kein Anschleichen, keine ausgeklügelte Strategie, sondern einen entschlossenen Barabba, der am hellichten Tag kurzen Prozeß macht.
Man kann das eher einfach gestrickte Drehbuch bemängeln, das mit nur wenigen Dialogen auskommt, man kann die eher eindimensionale Darstellung der meisten Proponenten kritisieren (bei denen es sich angeblich zum Teil um echte Ex-Knackis handelt), man kann den allgegenwärtigen Score aus einem Klavierthema und einigen Industrial-Sounds nervig finden, und auch die häufige Verwendung roter Farbfilter über schwarz-weißem Filmmaterial ist sicher nicht jedermanns Sache, aber die Mischung all dieser Stilmittel ergibt das, was Infidus wohl am Eindringlichsten vermitteln will: eine durchgehend hoffnungslose, pessimistische Grundstimmung, aus der es in keiner Szene ein Entkommen gibt. Nirgendwo ein Lichtblick, nirgendwo auch nur die Spur eines Hoffnungsschimmers auf eine bessere Zukunft, ganz egal was passiert, denn das Geschehene kann man nicht mit noch so viel Blut wieder gut machen. Ein durch und durch unangenehm anzusehender Streifen, der einen von Anfang an auf Distanz zu Akteuren und Geschehen hält - und das muß einem Film erst einmal gelingen.
Einen Punktabzug gibt es für die deutsche Synchro, die für die wenigen Lines viel zu "junge" Stimmen einsetzt, die zu den vom Schicksal gezeichneten bzw. stark unter Druck stehenden Darstellern einfach nicht passen wollen und damit teilweise die gewollte Schärfe herausnehmen - mit (beispielsweise) heiseren, kehligen Synchro-Stimmen hätte man den bösartig-negativen Eindruck des Films noch verstärken können. Für dieses insgesamt hasserfüllte Negativ-Gesamtwerk reicht es dennoch zu 6,51 Punkte.