Die goldenen Zeiten von "Harry und Sally" und der klassischen romantischen Komödie sind längst vorbei, die meisten Streifen der letzten Jahre floppten an den Kinokassen, zumal solche Angelegenheiten in Zeiten von 3D und möglichst vielen Schauwerten kaum für die große Leinwand taugen. Was nicht heißt, dass nur noch triefender Nischenkitsch dabei herauskommen muss, wie der Brite Ben Palmer mit "Es ist kompliziert..!" veranschaulicht.
Nancy (Lake Bell) ist eine frustrierte Singlefrau Mitte Dreißig und hat die Nase voll von oberflächlichen Männerbekanntschaften. Auf dem Weg zum 40. Hochzeitstag ihrer Eltern begegnet sie auf dem Bahnhof zufällig Jack (Simon Pegg), welcher sie für sein Blind Date hält. Kurzerhand schlüpft Nancy in diese Rolle und die beiden ziehen feucht fröhlich durch Londons Nachtleben. Bis Nancys Lüge auffliegt...
Die Erzählung folgt prinzipiell sämtlichen Mustern des Genres und bleibt bis zuletzt relativ überraschungsarm. Das beinhaltet die üblichen Verläufe einer Verwechslungskomödie, kleine Sidekicks wie ehemalige Schulfreunde oder die Ex mit dem Neuen und umfasst die gängige emotionale Achterbahnfahrt zwischen Neugier, sich aufbauende Nähe, die beidseitige Wut und die finale, erneute Annäherung mit wahrscheinlichem Happy End.
Allerdings ist der Stoff nicht ausschließlich auf das weibliche Klientel zugeschnitten, obgleich Nancy den typischen Großstadtstoffel mit allerlei Fettnäpfchen im Gepäck verkörpert. Auch Jack hat trotz des immensen Redebedarfs einige eklatante Macken und geniert sich nicht, rein intuitiv zu agieren und dabei auch mal intime Momente unterhalb der Gürtellinie vom Stapel zu lassen. Dadurch wird der Kitschfaktor über weite Teile klein gehalten und auch wenn die vielen Dialoge ohne Punkt und Komma auf Dauer ein wenig anstrengen, so entsteht doch zuweilen ein gelungener Wortwitz mit einigen schwarzhumorigen Einlagen.
Sympathisch ist bei alledem das starke Gespann im Zentrum, welches nicht mal eben aus dem Katalog für Partneragenturen entnommen wurde. Zwei sehr durchschnittliche Erscheinungen mit Ecken und Kanten, die mit einer Menge Selbstironie durchs Leben gehen, bereiten schlichtweg Freude, wobei Bell und Pegg großartig miteinander harmonieren und dabei stets am Rande des Overactings, jedoch mit beachtlicher Präsenz performen.
Angenehm leichtfüßig und mit viel Schwung geht die Chose vonstatten und verbreitet dabei gute Laune, nur gegen Finale gesellt sich schließlich doch ein wenig Schmalz hinzu.
Dennoch ist es der typisch britische Charme mit dem speziellen Humor, der diese Rom-Com von zahlreichen amerikanischen Pendants unterscheidet, einschließlich einiger Momente, die in ihrer Doppeldeutigkeit fast schon obszön anmuten.
Natürlich nicht sonderlich anspruchsvoll, jedoch kurzweilig, schräg und charmant genug, um auch Filmfreunden außerhalb des Genres nahe gelegt zu werden.
7 von 10