Acht Mal eine Länge von 42 Metern zu absolvieren, ist für einen Seiltänzer vielleicht noch nicht die große Nummer. Dieses jedoch ohne Sicherheitsseil und doppelten Boden in 417 Metern Höhe zwischen den Türmen des World Trade Centers zu tun schon. Philippe Petit trat am 7. August 1974 um etwa 7 Uhr morgens an und ab da entführt uns Altmeister Robert Zemeckis in wahrlich Schwindel erregende Höhen.
Nachdem Petit (Joseph Gordon-Levitt) beim Zahnarztbesuch in einer Zeitschrift von der baldigen Fertigstellung des World Trade Centers liest, ist er wie vernarrt in die Idee, die beiden Türme per Drahtseil zu überqueren. Als er die Straßenmusikerin Annie (Charlotte Le Bon) kennen lernt und vom Meister Rudy (Ben Kingsley) die wichtigen Techniken beim Sichern vermittelt bekommt, reift sein Plan...
Die Hauptfigur fungiert zugleich als Erzähler, welcher in luftiger Höhe der Freiheitsstatue von einigen Hintergründen berichtet. Das ist anfangs noch recht charmant, verliert jedoch auf Dauer seinen Reiz und auch die etwas nervige Französisch-Synchro wäre nicht nötig gewesen, um die Nationalität einiger Figuren zu vermitteln. Der Rest ist jedoch, trotz vielleicht etwas zu langen Vorlaufs, ein bunter Reigen, der eine interessante Entwicklung vom Straßenakrobaten hin zum waghalsigen Akt aufzeigt, wobei die Zwischenstation zwischen den Türmen von Notre Dame einen kleinen Vorgeschmack auf das letzte Drittel gibt.
Die Inszenierung ist über jeden Zweifel erhaben, die Ausstattung, ja selbst Kleidung und Frisuren sind bis ins Detail sehr durchdacht, die großartige Kamera und der tolle Schnitt liefern ein paar umwerfende Momente, nur die Story holpert in der ersten Hälfte als reines Drama ein wenig unbeholfen vor sich hin und bindet Figuren ein, die für das Geschehen größtenteils nebensächlich sind, wogegen etwaige Planungen ein wenig zu kurz kommen.
Denn gerade im technischen Bereich ist erstaunlich, auf wie viele Details wie Seilspannung, Winkel, Transport und natürlich der Schmuggel für die illegale Aktion notwendig sind.
Als es schließlich zum Titelgebenden kommt, stockt einem aufgrund der unfassbaren Höhe einige Male der Atem, nicht zuletzt durch die sehr versiert eingesetzte Technik, welche Menschen mit Höhenangst Herzrasen bescheren dürfte. Obgleich der Ausgang weitgehend bekannt ist, ist einerseits ein Mitfiebern gegeben und andererseits wird 9/11 dermaßen konsequent ausradiert, dass es eine Wohltat ist, die Türme in voller Pracht und teils in effektvollem Licht zu betrachten.
Die Mischung aus Adrenalin und endloser Freiheit wird glaubhaft transportiert, wozu Gordon-Levitt mit entsprechender Mimik und vor allem beachtlicher Köperbeherrschung beiträgt. Schließlich lernte er das Seiltanzen vom Meister Petit persönlich und das Training hat sich sichtlich bezahlt gemacht. Auch der Rest vom Cast performt ordentlich, wobei Kingsley ja eigentlich jeden Streifen problemlos aufwertet.
Allein der Seiltanz lohnt sich bereits, - wem die Dramenanteile zu lahm sind, springt zum entsprechenden Kapitel und verpasst nicht wirklich viel. Somit unterhalten die rund 123 Minuten recht ordentlich, mit ein wenig Geduld funktioniert die Vorgeschichte ebenfalls so einigermaßen und bringt zumindest ein paar kleine Auflockerungen und ein wenig Slapstick ins Spiel. Solide performt, sauber inszeniert und gegen Finale mit atemberaubenden Bildern versehen: Je größer die Leinwand umso besser.
7,5 von 10