Review

kurz angerissen*

Stilistisch weiß der experimentierfreudige Robert Zemeckis seine Biografie über den Hochseilartisten Philippe Petit nicht richtig zu fassen. Anstatt eine eigene Handschrift zu bemühen, greift er im Szenenkontext immer wieder zu fremder Signatur; Spielberg'schen Familienkitsch modelliert er, Jeunet'sche Verwandlungen der Realität in Träume, dazu Ocean's-11-Plansequenzen und Spider-Man-Shots. Im eigenen Portfolio greift Zemeckis nach "Forrest Gump", wenn Petit mit französischem Akzent und schluffigem Humor sein Wort direkt an den Zuschauer richtet, wobei die Freiheitsstatue ein ebensolches Handlungssymbol darstellt wie die Bank, auf der Tom Hanks jedem seine Geschichten erzählt, der sie hören will.

Auffallend ist der Lebenshöhepunkt Petits als Post-9-11-Balsam inszeniert. Die im Aufbau begriffenen Zwillingstürme umnebelt der Regisseur mit einer absoluten Ahnungslosigkeit gegenüber den Jahrzehnte später einsetzenden Ereignissen, mit denen man die Gebäude heute verbindet. Der Zerstörung setzt Petits Geschichte einen Kontrapunkt entgegen, der Kreativität und Lebenssinn zelebriert, gleichwohl es sich auch hier um eine illegale, verdeckte Operation handelt, mit der das World Trade Center infiltriert wird.

Um so stärker betont der zeitweise hochintensive Film die beflügelnde Wirkung positiven Denkens; wenigstens, bis der Bezug in ein, zwei Szenen zum Schluss hin allzu plakativ gezogen wird. Gordon-Levitt spielt den Artisten mit hoher Wandlungsfähigkeit, ist jedoch immer ein Stück weit in der Schere des Bemühens gefangen, aus der er sich auch dann nicht befreien kann, wenn seine Figur einen halben Kilometer über der Erde die höchste Genugtuung erlebt.

*weitere Informationen: siehe Profil

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