Als treue Buchverfilmung eine Semi-Null, als eigenständiger Animationsfilm nahe eines Rohdiamants
"Der kleine Prinz" ist ein Animatiomsabenteuer aus Frankreich, welches sich für mich grob in drei Teile und zwei Stile aufteilen lässt. Der erste Teil ist eine emotionale Geschichte über Freundschaft im klassischen computeranimierten Look. Der zweite Teil ist die bekannte Geschichte des kleinen Prinzen in der Wüste und so fort in bezaubernder Stop-Motion-Form. Und der dritte Teil ist ein düsteres, wenig charmantes Abenteuer wieder klassisch aus Pixeln. Part 1 kriegt von mir locker 7,5/10. Part 2 ist das Highlight und bekommt mit 8,5/10 sogar noch etwas mehr. Und Part 3 kann bei mir leider gar nicht landen und sackt nur 4/10 ein. Das ergibt die Gesamtpunktzahl, welche ich mir durchaus etwas höher erwartet hatte. Vielleicht scheiterte das mehrbödige Märchen an diesen Erwartungen, vielleicht an seinen eigenen Ambitionen. Für mich ist das eine Achterbahnfahrt, irgendwo zwischen "Kubo", "Oben" und "Coraline", mit der ich leider nicht durchgehend klar komme...
Keine Frage, die Animationen sind gerade für den europäischen Markt top und die Stop-Motion-Abschnitte sogar purer Augenzucker. Zudem sind alle verfügbaren Synchros auf höchstem Niveau (nicht von den Namen Schweiger und Schweighöfer abschrecken lassen!) und die Parabel ist vollgepackt mit tiefsinnigen, erwachsenen Themen sowie teilweise packenden Emotionen. Nur sind das leider lediglich die Höhen, die zudem noch arg in Kitsch brutzeln. Auf der anderen Seite hat man ein lauwarmes letztes Drittel, dass aus dem Rahmen fällt, überhastet wirkt und wenig bis gar nichts mit der vorangegangen Klasse zu tun hat. Der Ausflug zum erwachsenen Prinzen ließ mich negativ staunen und absolut kalt. Nichts gegen Düsternis in "Kinderfilmen", ganz im Gegenteil. Doch ich kam einfach nicht davon los, dem echten kleinen Prinzen in seiner faszinierenden Stop-Motion-Welt nachzutrauern. "Der kleine Prinz" wirkt höchst zerstückelt und fragmentarisch, unkonzentriert und überambitioniert. Vielleicht sollte ich ihm aber irgendwann in einer besinnlicheren Stimmung nochmal eine Chance geben. Denn brillante und berührende Ansätze muss man nicht lange suchen.
Fazit: "Der kleine Prinz" spielt in keiner Disziplin in der ersten Reihe seines Genres und Fans des Buchs sehen ihn fast als kleine Vergewaltigung der Vorlage - und dennoch kann das metapherschwere Abenteuer in seinen besten Momenten tief berühren. Vielleicht war das Buch eine Nummer zu groß oder der Ansatz ein falscher...