„Eines Tages endest du allein und einsam!“
Per Zeitmaschine unverhofft zurück in die 1980er – diese Prämisse der US-Komödie „Hot Tub – Der Whirlpool... ist 'ne verdammte Zeitmaschine!“ greift auch diese französische 80s-Rollback-Komödie des Regisseurs Dominique Farrugia („Duo Infernale – Zwei Profis ohne Plan“) aus dem Jahre 2015 auf, die in Frankreich erfolgreich im Kino lief, es hierzulande aber lediglich zur Heimkino-Veröffentlichung brachte.
„Scheiße, haben wir einen gesoffen!“
Die beiden Mitvierziger Patrice (Kad Merad, „Willkommen bei den Sch'tis“) und Eric (Franck Dubosc, „Boule & Bill – Zwei Freunde Schnief und Schnuff“) sind beste Freunde, beneiden sich aber gegenseitig um ihr jeweiliges Leben. Patrice führt ein absolut solides Dasein als Gynäkologe, ist verheiratet und hat ein Kind – befindet sich aber inmitten einer Midlife-Krise. Eric hingegen ist ein ungebundener Casanova, der ein Sushi-Restaurant betreibt – und Steuerschulden angehäuft hat. Als sie betrunken in eine Zeitmaschine stolpern, erwachen sie verkatert und nackt im Jahre 1986 – ohne dies zunächst zu ahnen. Nun sind beide wieder 17 Jahre jung, stehen kurz vor ihrer Abiturprüfung und leben noch bei ihren Eltern. Patrices Frau ist noch nicht mit ihm liiert und lediglich eine Mitschülerin. Ist das nicht die Chance, die Weichen neu zu stellen und kurzerhand die späteren Leben miteinander zu tauschen…?
„Irgendwas ist hier nicht normal...“
Das Sujet ist so weit bekannt: Zurück in die Vergangenheit, um alles anders und besser zu machen; und der Film war am Puls der Zeit, erschien er doch auf dem Höhepunkt des ‘80er-Retro-Filmtrends. Bereits in der Gegenwart wird’s amüsant und popkulturell referenziell: Es wird suggeriert, dass beide viel herumgehurt hätten, bis sich herausstellt, dass Patrice Gynäkologe ist. Mit Eric unterhält er sich über das Synthie-Pop-Projekt Desireless, das in den 1980ern mit „Voyage, voyage“ einen Megahit landete, der zum Evergreen avancierte. Im Jahre 1986 angekommen, sehen die beiden im Spiegelbild und für alle anderen jung aus, nur fürs Filmpublikum nicht, woraus sich ein großer Teil des Humors speist. Zudem laufen sie in ‘80er-Jugendklamotten rum, was als witziger Kontrast fungiert. „In Between Days“ von The Cure erklingt als Teil des Soundtracks, „Top Gun“ soll in der nächsten Woche ins Kino kommen, Frankreich steht im Halbfinale der Fußball-WM in Mexico und die Bilder der Stadt sind im Stile des „Take On Me“-Videoclips der Norweger a-ha verfremdet. Auch das alte Kinderzimmer steckt voller Popkultur, vieles davon spezifisch französisch: Comic-Antiheld Gaston, Zeitschriften, ein Filmfoto aus „Betty Blue – 37,2 Grad am Morgen“.
„Wir leben in den ‘80ern und das inspiriert mich!“
Die Begegnungen mit den Eltern weisen dann eher eine melancholische Note auf, bis Patrice und Eric schnell in ihre jugendlichen Verhaltensweisen zurückfallen und wie Teenager mit ihnen streiten, während die Alten ständig Ohrfeigen verteilen. Patrice und Eric versuchen an Geld zu kommen, indem sie Drehbücher später erfolgreicher Filme – z.B. „Willkommen bei den Sch‘tis“, in dem Patrice-Darsteller Merad die Hauptrolle spielte – verkaufen und ebensolche Popsongs vorsingen. Sie kommen nicht in die Clubs, also verschlägt es sie in die Rollschuhdisco. Patrice begegnet David Guetta als noch unbekanntem DJ und Eric trifft den jungen Zidane, den er ermutigt, weiter Fußball zu spielen. Der Humor inklusive der einen oder anderen Slapstick-Einlage ist überwiegend angenehm und gelungen, dabei weniger krawallig als im eingangs erwähnten „Hot Tub“.
Nach der starken ersten Hälfte gerät Farrugias Film jedoch zur relativ konventionellen Romantic Comedy. Zum Problem wird, dass sich Patrices Frau in Eric verliebt, womit Patrice dann doch gar nicht mehr so einverstanden ist und sich daran erinnert, weshalb er sie einst ehelichte. Zuweilen wird’s etwas rührselig und am Ende fügt sich doch vieles wieder so, wie es einst gekommen war – nur wesentlich besser, lebenswerter, aber auch vernünftiger. Ein bisschen was bleibt offen. Die promonogame und -familiäre Aussage des Films mag mancher als arg konservativ betrachten, ist meines Erachtens aber nichts per se Schlechtes und macht den Film eben zu einer Art Feelgood-Komödie – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Etwas mehr ‘80er-Musik im Soundtrack wäre aber nett gewesen – und dass „Voyage, voyage“ mehrmals zitiert wird, aber nie ertönt, ist ein mittlerer Skandal!
Im direkten Vergleich mit „Hot Tub“ ist „Bis“ (so der platzsparende Originaltitel) dennoch der bessere Film.