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John Carpenter sorgte nicht für großen Stress im kleinen China, sondern spaltete mit diesem Film auch Zuschauer und Kritiker.
Im Zentrum des Films steht der Trucker Jack Burton (Kurt Russell), der mit seinem Truck Schweine transportiert und stets einen lockeren Spruch draufhat. Russell ist nicht nur Carpenters Lieblingsschauspieler, den Carpenter daher auch in vielen seiner Filme besetzte, sondern kann sein Image als leicht prolliger Actionstar ähnlich wie Filmen wie „Tango & Cash“ oder „Backdraft“ pflegen, denn auch hier gibt er den zerlumpten, stets lässigen Helden mit Machoallüren.
Doch der große Trouble beginnt als Jack mit seinem Kumpel Wang Chi (Dennis Dun) in Little China unterwegs ist: Zusammen wollen sie Wangs zukünftige Braut zurückholen, doch diese wird vor ihren Augen von den Schergen des fiesen David Lo Pan (James Hong) gekrallt. Die beiden wollen sie befreien, doch Lo Pan ist ein untoter Magier, der mit Hilfe von Wangs Braut wieder ins irdische Leben zurückkehren will…

Carpenters wilder Genremix ist vielleicht etwas überfrachtet und nicht komplett gelungen, doch eines ist er auf jeden Fall: Opulent. Die Sets sind wirklich sehr fantasievoll aufgebaut worden, strotzen geradezu vor farbenfrohen Details und verwursten üppig alles an asiatischer Kultur, was nicht bei drei auf den Bäumen war. Doch trotzdem behält Carpenter ein wenig Düsternis bei, sodass die farbenfrohe Ausstattungsorgie nie kitschig wirkt, sondern eher wie eine etwas buntere Version von Indiana Jones aussieht.
Spielbergs Abenteuersaga unterliegt „Big Trouble in Little China“ jedoch, was vor allem an der nicht allzu spannenden Story liegt. Zwar drückt Carpenter fast pausenlos auf die Tube und gönnt weder Zuschauer noch seinen Figuren eine echte Verschnaufpause, doch so richtig fesselnd wirkt es nie, wenn Jack und seine Sidekicks atemlos von Rettungsaktion zu Rettungsaktion hetzen, aber die einzelnen Aktionen nur aneinandergekleistert wirken. Eine echte Geschlossenheit kann „Big Trouble in Little China“ jedenfalls nicht bieten, stattdessen wirkt die Story eher so als habe man möglichst viele aufsehenerregende Ideen aneinanderpacken wollen.

So kann „Big Trouble in Little China“ in einzelnen Szenen auch wirklich Eindruck schinden, vor allem wenn es um die Effekte geht, denn die sind mal wieder erste Sahne. Mit deutlichen Anleihen beim Easternkino bekommt man hier fliegende und Blitze schleudernde Dämonen, seltsame Monster und schwarze Magie bei der Arbeit geboten – alles schön handgemacht in Szene gesetzt, sodass die Effekte ähnlichen Charme entwickeln wie die von Carpenters „Das Ding aus einer anderen Welt“. Ein weiteres typisches Carpentermerkmal ist der von ihm selbst erstellte Synthesizer-Soundtrack, der zu dem bunten Abenteuerspektakel allerdings weniger passt als zu seinen düsteren Gruselfilmen.
Ebenfalls ganz nett sind die Actionszenen, die Geballer und Kloppereien im Eastern-Stil bieten. Zwar ist die Action jugendfrei geraten und kann den Fan knallharter Erwachsenenfilme nicht ganz vom Hocker hauen, doch schick anzusehen ist sie auf jeden Fall. Dies liegt vor allem an der Riege talentierter Prügelknaben, die Carpenter ins Rennen schickt (darunter auch Kultnebendarsteller Al Leong), denn die Kämpfer zeigen einiges an recht spektakulären Moves. Zwar wirkt Kurt Russell ohne Kampfsporterfahrung dazwischen ein wenig wie ein dummer Bauer, aber das passt zum komödiantischen Ton des Films.

Doch hundertprozentig kann der Humor von „Big Trouble in Little China“ nicht überzeugen. Am meisten können die lässigen Sprüche Jacks punkten, während die Wortgefechte zwischen ihm und der Reporterin Gracie Law (Kim Cattral), die als potentielles Love Interest direkt mit in den Schlamassel gezogen wird, Pep vermissen lassen (wie eigentlich die ganze Lovestory, die scheinbar nur da ist, damit man halt eine Lovestory in dem Film hat). Auch der Slapstick ist eher infantil als wirklich witzig, da mag sich Kurt Russell noch so verbiegen.
Doch wenn er nicht gerade heftig grimassiert, liefert Kurt Russell hier eine ziemlich lässige, selbstironische Performance ab, auch wenn er damit natürlich nicht an seine Leistungen in Filmen wie „The Thing“ herankommt. Kim Cattral hingegen ist blasse Staffage, Dennis Dun ein Sidekick, den man schnell vergisst und lediglich ein paar der Fieslingsdarsteller wie James Hong bleiben dank charismatischen Auftretens noch im Gedächtnis des Zuschauers.

Unterm Strich bleibt ein opulent ausgestatteter Genremix, der jedoch nur wie eine unmotivierte Abfolge möglichst spektakulärer Szenen daherkommt. Das geht leider sehr auf Kosten der Spannung und daran können weder die gelungenen Effekte noch die netten Actioneinlagen wirklich etwas ändern.

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