Carpenter seiner Linie untreu. Mal kein Schocker vom Altmeister und die Fans danken es ihm nicht. Der weltweite Erfolg bleibt aus. "Big Trouble In Little China" ein Flop auf ganzer Linie? Nein! Nicht für wahre Fans.
Mit der mystischen Action-Komödie, die an alte Eastern-Streifen angelehnt ist wagt sich John Carpenter 1986 auf neues Terrain.
Mit seinem Film hat Carpenter das Genre des Kung-Fu erstmals in Hollywood in Szene gesetzt.
Von seiner erneuten Zusammenarbeit mit Kurt Russel, der diesmal die Rolle eines Anti-Helden vertrat, erhoffte Carpenter in Sachen Besetzung die optimale Wahl getroffen zu haben.
Wie das Sprichwort sagt, zahlt sich Erfahrung aus, denn auch in "Big Trouble In Little China" glänzt Kurt Russel mit einer tollen schauspielerischen Darbietung.
Russel verkörpert den Antihelden und Obermacho Jack Burton.
Leider wurde seine Rolle im Film nie richtig verstanden.
Die Zuschauer begriffen nicht, warum Russel keine Kämpfe wie Dennis Dun zeigte.
Er spielt eben nur den angeberichen Antihelden, der keinerlei Ahnung vom Kampfsport hat.
Das Publikum lachte letzten Endes nur noch, wenn Jack Burton erneut unter einer Leiche begraben liegt oder sich selbst den KO-Schlag verpasst. Wobei sie nicht über den Humor lachen, sondern weil sie sagen: "Jetzt kämpft der Idiot schon wieder nicht!"
Ich finde es ist prima gelöst, wie Burton vom Kampfeinsatz ferngehalten wird. Burton glänzt hingegen mit einem kühlen Kopf und lässigen Sprüchen.
Auch wenn der Film aus dem Genre rausfällt, das John Carpenter sonst verfilmt, ist der mystische und beängstigende Look der Carpenterfilme vorhanden.
Die Gebäude wirken tödlich, kalt und furchteinflößend. Draußen herrscht Dauergewitter und der wolkenbedeckte Himmel verpasst dem ganzen ein düsteres Erscheinungsbild.
Als Zuschauer ist man innerlich richtig froh, wenn man gegen Ende des Films endlich wieder das Licht erblickt. Sobald Burton das Gebäude Lo Pans verlässt scheint alles wieder normal und vertraut.
Man wird förmlich der mytischen, märchenhaften Welt entrissen.
Und obwohl es den Freunden gelingt zu entkommen kann man nicht von einem Happyend sprechen. Einerseits entschließt sich Burton keine innige Beziehung mit der attraktiven Rechtsanwältin einzugehen und zum anderen erscheint das Monster Lo Pans auf Burtons Truck, wenn dieser wieder auf Achse ist. Und wie ist das Wetter? Genau es regnet wieder. Wenn man sich etwas zurückbesinnt erinnert man sich, dass am Anfang des Films von Burtons Verschwinden und des Zerfalls der Stadt die Rede ist. Zwei weitere Gründe warum aufmerksame Fans von einem happyendfreiem Schluss spricht.
Der Streifen erreicht zwar nicht die Qualität eines anderen Carpenter, wie z. B. "Halloween" oder "The Thing", aber man kann die Filme auch nicht vergleichen. Denn worin liegt der Qualitätsunterschied zwischen einem Horrorschocker und einem Unterhaltungsmovie?
Filme wie "The Thing" sollen fesseln, Filme wie "Big Trouble In Little China" sollen unterhalten. Niemand lästert über "From Dusk Till Dawn" oder "Braindead", die genau dem selben Zweck dienen.