Review

Die schönste Einschlafpille des Jahres 

Nennt mich ungeduldig, nicht gebildet genug, Arthouse-Hater. Mainstreamer, Kostverächter oder Kunstgegner. Nennt mich Von-Eastern-Keine-Ahnung-Haber, ja nennt mich Von-Filmen-Keine-Ahnung-Haber. Das dürft ihr ruhig. Es tut mir ja auch leid, aber ich mochte "The Assassin", überall auf der Welt von Kritikern verehrt, ganz & gar nicht. Zäh, langweilig, anstrengend & viel zu wenig, gar nichtssagend. Vielleicht ist er zu hoch für mich, vielleicht hätte ich noch mehr zusätzlich über ihn lesen sollen, vielleicht helfen weitere Sichtungen zu Hause. Vielleicht hätte ich an diesem Tag auch nichts Anderes tun sollen, weder arbeiten noch einen Film vorher gucken. Trotzdem bleibt neben Unverständnis in allen Sinnen des Wortes, etwas Kopfschmerzen & Ratlosigkeit, vor allem eins nach Sichtung dieses malerischen Beinahe-Standbildes übrig: mir kamen die 105 Minuten mindestens doppelt so lang vor & er hat mich einfach verloren. Nicht ich habe mich in seiner unumstrittenen Schönheit & abstinenten Story verloren, sondern der Film hat mich verloren & nie wieder eingefangen. Keine Verbindung zu den Charaktern, kein Überblick was gerade passiert & warum, einfach weit über meinem Kopf & oft zum Einschlafen. Wach bleiben wollte ich & habe ich auch geschafft, hochspringen & mich strecken jedoch nicht.

Die Geschichte passt auf eine Serviette & ist gleichzeitig politisch höchst kompliziert, zu vollgestopft mit Charaktern & schwer verständlich, sie bewegt sich meines Erachtens auch kaum voran. Wenn dann nur in Zeitlupe. Wunderschöner Zeitlupe, mit einer paar der feinsten Bilder dieses Kinojahres, jedoch leider prätentiös & fast schon selbstherrlich. Es geht um eine perfekt ausgebildete, (doch nicht so) eiskalte Assassine, die von ihrer Nonnenmeisterin den Auftrag erhält, ihren Cousin & einstige Liebe zu töten. Das alles zwischen politischen & familiären Intrigen, schläfrigen Dia- & Monologen & theaterhaften Wutausbrüchen. Mir fällt gerade kein Film ein, der mehr Geduld & Hingabe vom Zuschauer fordert. "Marketa Lazarova" vielleicht noch. Mir war das zu viel & selbst wenn einem schon vorher klar ist, dass man den Film nicht mit z.B. "Tiger & Dragon" vergleichen kann, treibt er sein Kunstwerk-Gehabe einfach zu weit. Ich lese das britische "Sight & Sound"-Magazin unheimlich gerne & schätze deren Meinungen - hier, bei deren "Film des Jahres", kann ich allerdings kaum zustimmen. Trotzdem gönne ich es Leuten, ich beneide sie fast, die diese in sich gekehrte Parabel verstehen & wirken lassen können. Ein mutiger, erbarmungsloser Film zum Aufsaugen - ich bin hier leider absolut wasser- & kunstabweisend. Und dabei mag ich Arthouse & gucke beileibe nicht nur Marvel-Verfilmungen - aber irgendwo ist eine Grenze.

Warum der Film dann bei mir doch noch ein paar Punkte macht & in meinem Gedächtnis bleibt, hat ebenfalls ein paar eindeutige Gründe. Zum zum einen seine erhabene Schönheit, die einem nicht selten den Atem raubt. Ob in Schwarz-Weiß, vernebelt oder mit enormer Detailversessenheit in den Palästen - da muss man den Hut ziehen & das spricht, zusammen mit seiner philosophischen Prämisse, dafür, dass der ehrgeizige Regisseur die lange Produktionszeit genutzt hat. Desweiteren ist der natürliche Klangteppich & der Soundtrack (schon allein der Song auf dem Abspann!) ergreifend, mal fein & mal wuchtig. Und auch an den grandiosen Darstellern, allen voran unsere hübsche, vom Gewissen geplagte Killerin, liegt das Versagen des Filmes nicht. Die wunderschönen Einzelteile ergaben bei mir einfach keine greifbare Summe & so ist es fast schade, dass das ganze Talent, die Kostüme, Details, exzellenten (wenigen) Schwertkämpfe & emotionalen Darsteller, nicht in einem etwas weniger künstlerisch entschleunigten Film zu finden sind.

Fazit: meditatives Wuxia-Gemälde, dass leider inhaltlich extrem zäh & uninteressant bleibt. Nur dem zu empfehlen, der extreme Arthouse-Liebe, Wuxia-Leidenschaft, genügend Schlaf & Geduld in sich vereint. Kritikerliebling bleibt nunmal oft Zuschauerschock - ein Paradebeispiel.

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