Jake Gyllenhaal spielt den Boxweltmeister Billy Hope, der trotz seiner selbstzerstörerischen Taktik im Ring jeden Gegner niederstreckt. Als der aggressive Boxer von einem aufdringlichen Herausforderer provoziert wird, kommt es zum Gerangel, bei dem einer der Beteiligten eine Waffe zieht und versehentlich einen Schuss auslöst. Dadurch stirbt Hopes Ehefrau, gespielt von Rachel McAdams, die ihren Mann mit der jungen Tochter allein zurücklässt. Hope verkraftet den Verlust nicht, worunter schließlich nicht nur die Boxkarriere, sondern auch sein Privatleben leidet. Der Boxverband sperrt ihn, das Jugendamt nimmt ihm die Tochter weg. Ganz unten angekommen, heuert der ehemalige Weltmeister in einem Boxerschuppen als Reinigungskraft an und bittet den Besitzer, gespielt von Forest Whitaker, ihn zu trainieren.
Seit jeher sind die besten und erfolgreichsten Sportfilme Boxer-Dramen, welche nicht selten bei den Oscarverleihungen mit einigen Nominierungen und Preisen bedacht werden. Den Darstellern bieten sie die Gelegenheit, sich dem Publikum als disziplinierte und wandlungsfähige Mimen zu präsentieren, indem sie ihren, nicht selten eigens für den Film antrainierten, Premiumkörper zur Schau stellen, die Box-Sequenzen nach Möglichkeit selbst choreographieren und auch darstellerisch als Stehaufmännchen oder als gefallener bzw. geläuterter Spitzensportler gefallen. So gelang es etwa Robert de Niro („Wie ein wilder Stier“), Hilary Swank („Million Dollar Baby“) oder Sylvester Stallone (natürlich „Rocky“) sich in der Rolle des Boxers unsterblich zu machen und diverse Preise einzuheimsen. Zuletzt sprang für Christian Bale in „The Fighter“ ein Oscar heraus, wenngleich er nur den abgemagerten Bruder des Boxers spielte. Dieser Oscar wird Jake Gyllenhaal trotz seiner beachtlichen Vorstellung in „Southpaw“ wohl verwehrt bleiben, weil der Film als solcher zu konventionell geworden ist.
Dennoch gibt Gyllenhaal alles. In seiner Billy-Hope-Rolle ist vom Jake Gyllenhaal, wie man ihn in „Donnie Darko“ oder „Brokeback Mountain“ erlebt hat, so gut wie nichts mehr zu erkennen. Gyllenhaal, der sonst oft reservierte Charaktere spielt, ist in der Rolle des aggressiven, aufbrausenden Boxers, der seine Wut auch außerhalb des Rings nur schwer unter Kontrolle zu halten vermag, kaum wiederzuerkennen. Er ist präsent - und das nicht nur aufgrund seiner beeindruckenden Physis -, er spielt ausgezeichnet, verleiht der teilweise etwas klischeehaften Figur Profil und scheint im Ring förmlich zu Hause zu sein. Beeindruckend ist aber auch die Leistung des Oscarpreisträgers Forest Whitaker, der als einziger Darsteller gegen Gyllenhaals Präsenz ankommt und eine sehr interessante Figur verkörpert. Außerdem gibt es eine sympathische Rachel McAdams zu sehen und einen überzeugenden Miguel Escobar in der Rolle des Antagonisten. Nur den gerade noch erträglichen Curtis Jackson alias 50 Cent, der das eine oder andere darstellerische Manko meist einfach wegzulächeln versucht, hätte man sich schenken können.
Der Sprung über das Mittelmaß hinaus bleibt dem Film trotz der guten Darsteller aber verwehrt. Das ist der konventionellen Story geschuldet, die zu viele altbekannte Genre-Klischees neu aufwärmt, was sich zum einen in der Charakterkonstruktion niederschlägt, aber auch in der Verarbeitung altbekannter Handlungsbahnen. Das macht den Film kalkulierbar, stellenweise auch uninteressant. Einen Absturz, wie ihn der Weltmeister durchleidet, hat man so oder so ähnlich schon tausend Mal gesehen, ähnliches gilt für das absehbare Comeback. Gerade auch die kriselnde Vater-Tochter-Beziehung, die es unter widrigen Umständen schließlich zu reparieren gilt und der im Film sehr viel Laufzeit eingeräumt wird, ist nur stellenweise emotional packend, weil sie sehr klischeehaft gestrickt ist. Auch der dramaturgische Überbau ist nicht sonderlich einfallsreich, so wird hier, wie bei vielen anderen Genre-Filmen aber auch, wirklich alles auf den finalen Kampf ausgerichtet. Es geht bei diesem nicht nur um den Weltmeistertitel, um das für unmöglich gehaltene Comeback, es geht um Vergeltung für den Tod der Frau, um die Beziehung zur Tochter, die zusieht, als könnte Hope das Verhältnis zu dieser im Ring wieder geraderücken. Es geht um alles in diesem Kampf, der dramaturgisch etwas zu überladen ist.
Für einen unterhaltsamen Kinoabend sorgt Regisseur Antoine Fuqua dennoch. Wenn Fuqua in den letzten Jahren mit Filmen wie „Shooter“, „Olympus Has Fallen“ und „The Equalizer“ eines unter Beweis gestellt hat, dann seine handwerklichen Fähigkeiten. Das Rad haben seine letzten Filme, wie auch „Southpaw“, alle nicht gerade neu erfunden, unterhaltsam waren sie dennoch. So auch „Southpaw“, der gemächlich erzählt ist, ohne dass er auf der Stelle tritt. Fuqua setzt seinen überzeugenden Hauptdarsteller dabei gelungen in Szene, inszeniert die Trainings- und Kampfszenen sehr dynamisch. Lobend wäre auch die gelungene Musikauswahl beim Soundtrack, aber auch der restliche Score von James Horner zu erwähnen. Besonders eindrucksvoll ist natürlich das große Finale inszeniert, das Fuqua zur Freude des Zuschauers lang und breit zelebriert. So offensichtlich der gesamte Film auch auf dieses zugeschneidert wurde, so klar der Ausgang auch ist, es entfaltet eine große Wucht, verhilft dem Film letztendlich aber auch nicht mehr über das Mittelmaß.
Fazit:
„Southpaw“ krankt an seinen klischeehaften Figuren und an seiner simplen Dramaturgie. Alles ist auf das große Finale zugeschnitten, beim entscheidenden Kampf geht es nicht nur um Ruhm und Titel, sondern auch um das Verhältnis des Protagonisten zu seiner Tochter, um Vergeltung für den Tod der Frau. Dennoch ist dem versierten Handwerker Fuqua ein unterhaltsames Boxerdrama gelungen, das mit einem hervorragenden Jake Gyllenhaal und einem sehr sehenswerten Showdown aufwarten kann. Der Sprung über das Mittelmaß hinaus wird dennoch verfehlt.
61 %