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Tom Cruise spielt erneut den IMF-Agenten Ethan Hunt, der einer Geheimorganisation, dem Syndikat, auf der Spur ist. Diese rekrutiert ihre Mitglieder aus den Reihen verschiedener Geheimdienste und ist für Anschläge und Auftragsmorde verantwortlich. Da die IMF jedoch aufgelöst und Hunt von der eigenen Regierung gesucht wird, muss er seine Jagd auf das Syndikat im Verborgenen weiterführen. Dabei wird er weiterhin von seinen ehemaligen Teammitgliedern unterstützt und trifft auf die undurchsichtige Ilsa, gespielt von Rebecca Ferguson, die ihn aus den Händen des Syndikats befreit.

Mit dem „Jack Reacher“-Macher Christopher McQuarrie versucht sich nun schon der fünfte Regisseur an der „Mission Impossible“-Franchise, die nach Brian de Palmas Auftakt zunächst etwas ins Stocken kam, bis Brad Bird mit dem vierten Teil wieder einen sehr gelungenen Agentenfilm abliefern konnte. Der erneute Regiewechsel ist dennoch nachvollziehbar, weil McQuarrie, der bereits bei „Jack Reacher“ mit Tom Cruise zusammengearbeitet hat, vor allem als Drehbuchautor jene Fähigkeiten unter Beweis gestellt hatte, die er für diese Aufgabe benötigte. Vor allem mit „Die üblichen Verdächtigen“ hatte er gezeigt, dass er das Verwirrspiel mit falschen Identitäten, Tricks, Finten und Lügen perfekt beherrscht, wie es ja insbesondere den ersten Teil der Reihe ausgezeichnet hatte. Als Autor von „Edge of Tomorrow“ hat er darüber hinaus bereits seinen Einfallsreichtum unter Beweis stellen können.

„Rogue Nation“ überzeugt schließlich auch besonders durch die an den ersten Teil der Reihe erinnernde Figurenkonstellation, bei der lange im Unklaren bleibt, wer welches Spiel spielt. Ethan Hunt ist hier erneut weitgehend auf sich gestellt, weil die IMF in die CIA integriert wird und der Leiter des letzteren Geheimdienstes ihn suchen lässt. Dabei weiß Hunt auch diesmal nicht, wem er vertrauen kann, wobei besonders die von Rebecca Ferguson verkörperte Agentin schwer durchschaubar ist. McQuarrie macht sie zu einem wesentlichen Dreh- und Angelpunkt des Films, für den sich auch Produzent und Hauptdarsteller Tom Cruise in Figur von Ethan Hunt immer wieder zurücknimmt. Lange ist unklar, in welcher Beziehung sie zum Syndikat und zum britischen MI6 steht, sie ist aber Hunts einzige Chance, das Syndikat zu zerschlagen. Sie wird von einer überzeugenden Rebecca Ferguson verkörpert, die neben Physis auch Köpfchen zeigt und definitiv den interessantesten weiblichen Part in der Geschichte der Reihe abgibt.

Der Rest der Story setzt sich aus gewohnten Elementen zusammen, was jedoch nicht heißen soll, dass sie schlecht wäre. Die Grundidee mit der außer Kontrolle geratenen Agentenorganisation ist jedenfalls nicht schlecht, aber auch die Verwicklungen zwischen den Geheimdiensten MI6, CIA und IMF bieten ein gelungenes Grundgerüst für einen teils cleveren Agententhriller. Hinzu kommen der obligatorische Einbruch in ein eigentlich nicht zu überlistendes Sicherheitssystem, einer der guten alten Masken-Twists, der den Zuschauern im vorherigen Film noch vorenthalten wurde sowie zahlreiche nett anzusehende Schauplätze auf fast allen Kontinenten. Im Mittelteil sind es vielleicht ein paar Twists zu viel, sodass sich zwischenzeitlich kleinere Erschöpfungserscheinungen einstellen können, insgesamt kann hier jedoch allenfalls auf hohem Niveau gemeckert werden. Schade ist aber, dass der Bösewicht, wie auch bei den vorherigen Teilen, sehr blass bleibt.

Unterhaltsam ist das Ganze ebenfalls, was unter anderem dem augenzwinkernden Humor geschuldet ist. Die Macher nehmen die Klischees der Reihe, die sie bewusst verarbeiten, immer wieder auf die Schippe und auch die Darsteller steuern ihren Beitrag zum Kurzweil bei. Sogar ein Gag über die Körpergröße von Tom Cruise wurde vom gut aufgelegten Hollywood-Star offensichtlich genehmigt. Hier wäre außerdem besonders Simon Pegg zu nennen, dessen Verpflichtung ein echter Glücksfall für die Reihe war. Ohne übertriebene Grimassen zu ziehen oder dem Film die Ernsthaftigkeit zu nehmen, lockert er das Geschehen doch immer wieder auf und sorgt mit seiner sympathischen, witzigen Art für einige amüsante Momente. Spielfreude kann man aber auch den übrigen Darstellern attestieren, wobei sich auch Neuzugang Alec Baldwin gelungen einbringt. Er spielt mit Charisma und Witz den machtbewussten Anzugträger, wie er ihn auch in „30 Rock“ verkörpert und wird wohl auch weiterhin Bestandteil der Franchise bleiben.

Und dann wären da natürlich noch die Action-Sequenzen, die sehr ansehnlich inszeniert und über den gesamten Film hinweg auch ordentlich dosiert sind. Hier kann sich der Adrenalin-Junkie Cruise, der diesmal jeden Stunt selbst durchgeführt haben soll, voll und ganz austoben, woran nicht nur der Hollywood-Star, sondern auch der Zuschauer seinen Spaß haben dürfte. Vor allem bei der Wahl der Settings der Action-Szenen zeigt McQuarrie dabei ein gutes Händchen. Besonders die Schusswechsel und Nahkampfszenen in der Wiener Oper, die fast tanzartig choreografiert und von Operngesängen unterlegt sind, dürften dabei nachhaltig im Gedächtnis bleiben. Das Motorradrennen zeichnet sich dagegen insbesondere durch geballte Dynamik und waghalsige Stunts aus, die Unterwasser-Sequenzen beim Einbruch in einen Sicherheitsbereich durch eine gespannte Atmosphäre. Etwas enttäuschend ist aber, dass das Finale schließlich nicht noch einmal eine Schippe draufzulegen vermag, sondern im Gegenteil vergleichsweise fade geworden ist.

Fazit:
Der neue Bond dürfte es im Herbst schwer haben, das Prädikat als bester Agentenfilm des Jahres zu erhalten. Denn „Mission: Impossible - Rogue Nation“ weist nur sehr wenige Schwachpunkte auf, sodass er die Qualität des ersten Films der Reihe von 1996 erreicht. McQuarries Werk überzeugt mit einer ausgeklügelten Story, bei der lange nicht klar ist, wem Hunt eigentlich trauen kann, womit er besonders an die Qualitäten des ersten Teils von Brian de Palma anknüpft. Außerdem werden gute Action, etwas Humor sowie Kurzweil und somit insgesamt ein sehr gelungener Kinoabend geboten.

77 %

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