Die „Mission: Impossible“-Franchise ist einerseits ein Ruhekissen für Tom Cruise, kann er sich mit neuen Folgen doch meist als Kassengarant beweisen, wenn seine Reputation eventuell gerade schwächelt, andrerseits ein Spielplatz für Regisseure unterschiedlichster Couleur, die jeder Folgen ihren eigenen Stempel aufdrücken.
Eine Konstante sind dagegen die wahnwitzigen Actionsequenzen, in denen der Hauptdarsteller und Produzent tatsächlich selbst den Kopf hinhält, etwa beim Opener, in dem IMF-Agent Ethan Hunt (Tom Cruise) sich an ein startendes Flugzeug hängt um dessen gefährliche Fracht aus den Klauen von Schurken zu befreien. Die nächste akrobatische Übung lässt nicht lange auf sich warten, wenn Hunt von dem mysteriösen Solomon Lane (Sean Harris) bei einer Missionsbesprechung überrascht und gefangengenommen wird, sich aber durch das Erklimmen des Marterpfahls, an den man ihn gefesselt hat, befreien kann, mit Hilfe der mysteriösen Ilsa Faust (Rebecca Ferguson). Und das sind nur die Dinge, mit denen Tom Cruise Versicherungen in den ersten Minuten des Films in Schwitzen bringt, von mangelndem Engagement kann auch bei dieser kommerziell sicheren Franchise nicht die Rede sein.
Lane und Faust gehören zum Syndikat, einer weltweit operierenden Terrororganisation, deren Existenz allerdings nicht bewiesen ist. Da der amtierende CIA-Chef Alan Hunley (Alec Baldwin) auf die Auflösung der Impossible Mission Force pocht, was in Anbetracht von Kollateralschäden wie der im Vorgänger verursachten Kreml-Sprengung durchaus nachvollziehbar erscheint, schenkt man weder Ethan noch seinen Kollegen Benji Dunn (Simon Pegg) und William Brandt (Jeremy Renner) Glauben. Hunt taucht unter, die anderen werden in den Dienst des CIA gestellt, womit Hunt zum „Rogue Agent“ wird, analog zu der titelgebenden „Rogue Nation“, die das Syndikat aufbauen will.
Doch Hunt forscht im Geheimen nach und kommt dem Syndikat auf die Spur, auch wenn ihm Hunleys Männer auf den Fersen sind. Als das Syndikat einen Anschlag auf den österreichischen Kanzler plant, ist Hunt zur Stelle um Lane ausfindig zu machen – und trifft erneut auf Ilsa, bei der er sich nicht sicher sein kann, ob sie zum Syndikat gehört oder es tatsächlich wunderwandert…
Folge fünf der erfolgreichen Agentenactionreihe ist gewissermaßen ein typischer „Mission: Impossible“-Film, mit allen Stärken und Schwächen, die ein derartiges Hunt-Abenteuer mit sich bringt. So ist auch „Mission: Impossible – Rogue Nation“ deutlicher um die Set Pieces gestrickt als manche Konkurrenz, was sich gerade an der Hintergrundgeschichte gut ablesen lässt, gerade wenn die Herkunft des Syndikats in drei und seine Motive in einem Nebensatz abgehandelt werden. Stattdessen tritt Tom-Cruise-Kumpel und Regisseur Christopher McQuarrie hier ordentlich aufs Gas um zu übertünchen, dass es hier primär um Einbrüche, Verwirrspiele und Konfrontationen geht, die sich in schneller Folge abwechseln, etwa wenn ein typischer „Mission: Impossible“-Einbruchscoup rasch in eine Verfolgungsjagd mit diversen Teilnehmern und gelegentlichen Fahrzeugwechseln mündet.
Besagte Hatz gehört neben der famosen Opernsequenz, in der sich Hunt und multiple Attentäter belauern, zu den großen Schauwerthighlights des Films. Während die Episode um das Opernattentat geschickt die Spannung in die Höhe treibt, gibt es bei der Verfolgungsjagd genügend Blechschäden und Stunts, kinetisch abgefilmt, um das Adrenalin des Zuschauers in die Höhe zu treiben. Während Opening, Einbruchssequenz und Verfolgungsjagd das sequeltypische „Höher, schneller, weiter“-Prinzip regiert, da merkt man den rohen Nahkämpfen und Schießereien des etwas geerdeteren Stil des „Jack Reacher“-Regisseurs an: Schnell und effektiv beharken sich die Kontrahenten, was McQuarrie mit einigen netten Einfällen umsetzt (der Finisher beim Bone Doctor genannten Handlanger macht was her), auch wenn sein „Jack Reacher“ insgesamt noch etwas runder und besser als die aktuelle „Mission: Impossible“-Folge ist. Dabei werden einige der fordernden Konfrontationen von Faust und nicht von Hunt bestritten, ein kleiner Tribut an das fortschreitende Alter des Helden und seines Darstellers.
So leistet sich „Mission: Impossible 5“ auch ein paar Meta-Kommentare, etwa wenn Hunt tatsächlich mal eine der Aufgaben nicht überlebt, in dem Sinne, dass er kurze Zeit klinisch tot ist. Dass die Wiederbelebung Ehrensache ist, ist natürlich klar, denn schließlich soll es ja weitergehen mit den unmöglichen Missionen, die dem Gesetz der Serie nach immer härter und unmöglicher werden. Da helfen die erwähnten ironischen Brüche, etwa in der Form des Sidekicks Benji, der mehr ins Geschehen einbezogen wird, neben komödiantischen Momenten auch für einige emotionale Szenen verantwortlich ist, oder Szenen wie jene, in welcher der geschwächte Hunt beim actionfilmtypischen Über-die-Motorhaube-Springen komplett versagt. Trotz aller Episodenhaftigkeit: Inzwischen hat die Reihe ihren Tritt gefunden, auch wenn „Rogue Nation“ die Einzelfilme nicht so verzahnt wie der direkte Vorgänger. Kontinuität bleibt aber, nicht zuletzt durch das Herrenteam aus Hunt, Dunn, Brandt und Hacker Luther Stickell (Ving Rhames), der erneut mit von der Partie ist. Hunley bietet sich als weitere Ergänzung an, während man auf Fausts Rückkehr nicht unbedingt bauen sollte: Analog zu James Bond hatte ja auch Hunt bisher in jedem Film eine neue Partnerin.
Rebecca Ferguson geht in der Rolle als erfrischend starke und toughe Frau vollends auf, darf als große Entdeckung des Films gewertet werden und überzeugt als Amazone abseits gängiger Klischees von Vermännlichung oder Abrutschen ins Comedyhafte. Tom Cruise spielt seine gewohnte Heldennummer mit Selbstironie mit lockerer Souveränität, so wie auch seine drei bekannten Support-Player Simon Pegg, Jeremy Renner und Ving Rhames auf bewährte Weise punkten können. Sean Harris als Oberschurke hat Charisma, muss aber mit seiner etwas distanziert wirkenden und nicht immer vollends im Film ankommenden Rolle kämpfen, während Alec Baldwin und Simon McBurney als Geheimdienstbürokraten mehr als brauchbaren Support abliefern.
Bei allem Tempo, bei aller Selbstironie und bei allen schicken Schauwerten muss man dennoch mit dem einen oder anderen Pferdefuß klarkommen. Neben der etwas episodenhaften Geschichte und dem enttäuschend schnell abgehandelten Background einer so übermächtigen Organisation wie dem Syndikat ist es vor allem die Einbruchssequenz, die in diesem Film als Schwäche angesehen werden muss: Sie ist weniger nachvollziehbar gestaltet als ihre Pendants aus anderen „Mission: Impossible“-Filmen und der Überblick des Zuschauers in die Details des Plans (die teilweise einfach nur mit den überragenden Hackerfähigkeiten der Beteiligten begründet werden) ist geringer, wodurch er mehr außen vor bleibt, was schade ist, denn McQuarrie tut sein Möglichstes um rein handwerklich immer noch ein gerüttelt Maß an Spannung und Action aus der Szene herauszupressen.
Doch trotz einiger Schwächen ist „Mission: Impossible 5“ ein schicker, actionreicher und unterhaltsamer Sommerblockbuster, der genug Tempo, Schauwerte und Charme (gerade durch die Interaktion von Cruise, Ferguson und Pegg) besitzt um als vergnügliches Agentenactionvehikel zu überzeugen, so wie auch die beiden direkten Vorgänger. Auf dem Niveau darf es gerne weitergehen, trotz weiterhin vorhandenen Steigerungspotentials.