kurz angerissen*
Der Sprung von „Phantom Protokoll“ zu „Rogue Nation“ ist stilistisch der kleinste in der gesamten Serie, obwohl Christopher McQuarrie auf allzu verspielte und bunte Momente verzichtet, die Brad Birds durchaus hochgelobten Vorgänger zu halben Komödie machte. Ganz frei davon ist natürlich auch der fünfte Einsatz Ethan Hunts nicht: dessen Wiedersehen mit seinem alten Kumpel Luther (Ving Rhames) spielt auf vortreffliche Weise mit Situationskomik und bedient alte Abenteurerklischees, was auch deswegen so gut funktioniert, weil Tom Cruise trotz des langsam sichtbaren Alters immer noch so unverschämt agil daherkommt.
Das Drehbuch ist diesmal sehr bond-ish strukturiert, insofern unterschiedliche Schauplätze besucht und groß angelegte Actionsequenzen darin geboten werden, die den eigentlichen Gegenwert fürs Eintrittsgeld bieten. Es gibt nicht allzu viele von ihnen, doch punkten sie mit ausgefeilter Umsetzung und konzeptioneller Abwechslung. Von der Stealth-Action bis zur Motorradverfolgungsjagd wird die ganze Palette abgedeckt, und zwar auf höchstem produktionstechnischen Niveau.
Dazwischen sorgt ein langsam größer werdendes Ensemble um Simon Pegg, Jeremy Renner, Alec Baldwin und eben Ving Rhames für Handlungsturbulenzen; Rebecca Ferguson funktioniert derweil sehr gut als agiles, toughes, aber nicht allzu überhebliches Hunt-Girl.
Man ist zwar irgendwo geneigt, in dieser nunmehr fünften unmöglichen Mission Routine auszumachen, da sich diese typisch beiläufigen, reaktionären Überraschungsmomente im Plot um Gesichtsmasken, explodierende Nachrichten & Co. trotz der unterschiedlichen Ansätze der Regisseure überlaufen haben, doch „Rogue Nation“ legt auch viel in die Waagschale, um das Drehbuch gelingen zu lassen, das den Agenten immer wieder in Zwickmühlen befördert, die nur sehr schwierig aufzulösen sind. So muss das.
Man sollte allerdings nochmal überlegen, ob man wirklich am Plan festhalten will, einen sechsten Teil wieder mit demselben Regisseur zu realisieren. So souverän McQuarrie seine Aufgabe gelöst hat, die Serie würde einen ihrer größten Reize verlieren.
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