Review

Falls Einer aus dem westlichen Publikum sich nach 15min immer noch von dem Film allein gelassen fühlt und überhaupt nicht durchschaut, was ihm nun gerade aufgetischt wurde, so kann er sich beruhigen. Ihm gehts bestimmt nicht als Einzigem so; auch sein kaukasischer Nachbar neben ihm, der sich einen tabellarischem Lebenslauf mitgeschrieben hat, wird kaum viel weiter durchgeblickt haben.
Wong Jings Kung Fu Cult Master beruht nämlich auf der sehr populären Louis Cha Novelle „The Heavenly Sword and the Dragon Saber„ [ "Yi Tian Tu Long Ji", 1961 ], die zuerst als Serie in der Zeitschrift Ming Pao erschien und nach The Legend of the Condor Heroes und The Return of the Condor Heroes den Abschluss der Condor Trilogie darstellt.
Regisseur und Autor Wong konnte sich deswegen auch erlauben, für den einheimischen Betrachter nur eine Art Zusammenfassung als Einleitung zu präsentieren, da dort die Thematik hinreichend bekannt ist und die zahlreichen Personen und ihre Scharmützel so etwas darstellen wie bei uns Wolf und Igel.
Man kennt das Buch und seine Geschichte und ist mit dem Gebiet vertraut; für den Unkundigen kommt es aber wahrscheinlich so vor, als würde er erstmal einige Prequels im Zeitraffer sehen. Und das stimmt ja auch sogar; sind doch seit 1978 eine Menge Kino- und Fernsehadaptionen entstanden und haben sich auch verbreiteter Beliebtheit erfolgt.

Zwar ändert Wong einige Details und soll sogar eine Satire im Auge gehabt haben, bleibt aber in den Grundzügen treu. Eigentlich geht es wie so oft darum, die Herrschaft in der Martial Arts Welt zu erlangen; dafür muss man zwei mächtige Waffen erobern.
Chang Mo Kei [ Jet Li ] musste als zehnjähriges Kind mitansehen, wie seine Eltern in diesem ständigen Kampf in den Selbstmord getrieben wurden; er selber wurde schwer verwundet und ist so des Kung Fu unmächtig.
Von Chang San Fung [ Sammo Hung ] bei den Wu Tangs aufgezogen, gerät er in Abwesenheit seines Patenonkels in Bredouille mit dem eifersüchtigen Sung Ching Su [ Ngai Sing ] und muss mit der ihm helfenden Siu Chiu [ Chingmy Yau ] fliehen. Dabei erlernt er durch den „Great Solar Stance“ Wunderkräfte und kann sich zum ersten Mal in seinem Leben verteidigen und selber mitmischen.

So weit, so gut.
Wenn man also sich anhand etwas Nachlesens und einiger Notizen beholfen hat, ist es gar nicht so schwer, die fundamentale Ausgangsebene für die Fortführung der Handlung aufgewiesen zu bekommen. Der Einstieg verwirrt da mehr als das er einen helfend an die Hand nimmt; man startet mit permanenten Massenszenen, gross angelegten Schlachten, viel name – dropping, viel verschiedene Bezeichnungen für die gleiche Sache. Auch zwischendurch kann es passieren, dass hier und da mal Einiges undurchsichtig erscheinen sollte; zumindest hilft die aufgefahrene Schauspielerschar, sich einfach ganz banal anhand der Gesichter zu orientieren.
Die Erzählung selber ist so schwer nicht und beinhaltet auch nicht wirklich viel Tiefe; nachdem man durchschaut hat, wer warum gegen wen erscheint die gesamte Angelegenheit gerade hierbei wahrscheinlich auch recht banal und nicht gerade niveauvoll.

Wong macht natürlich eine Extravaganz daraus; zu einen muss er einfach Popanz abziehen, um sein dünnes Skript zu überdecken und zum anderen gab es parallel mit diversen anderen Louis Cha – Stoffen massig Konkurrenz auf der Leinwand.
Ab Juni 1992 erschienen binnen weniger Monate die renomeeträchtigen Swordsman 2 [ R: Tony Ching Siu – tung ], The East is Red [ R: Tony Ching Siu – tung, Raymond Lee ], The Dragon Chronicles: The Maidens of Heavenly Mountain [ aka Semi-Gods and Semi-Devils; R: Andy Chin ], The Sword of Many Loves [ R: Poon Man Kit ], Ashes of Time [ R: Wong Kar Wai ], The Eagle Shooting Heroes [ R: Jeffrey Lau ] & The Sword Stained With Royal Blood [ R: Brandy Yuen ]; allesamt grosszügig budgetierte Ausstattungswerke mit Riesenaufwand und Starbesetzung.
Meistens hatten diese sogar mit den gleichen Problemen der Unübersichtlichkeit und dem Kommen und Gehen von Charakteren zu kämpfen; die Mattscheibe ist mit ihrer Mehrverfügbarkeit von Laufzeit wesentlich besser geeignet als die stark begrenzte Kinospanne.
Aber nur dort kann man in der vollen Wirkung ein wahres Effektfeuerwerk abbrennen; also wird sich oft darauf konzentriert und sich im visuellen Wirbelwind ergangen.

Dabei macht der Film sicherlich nicht die schlechteste Figur; zumindest wenn man sich mit derlei Zauberkraft und dem vollkommenen Verlassen von Sinn und Verstand anfreunden kann. Im Sinne von Grösser, Bunter, Lauter ! wird sich abwechselnd in weiten Wüstenebenen, märchenhaften Sets und Grabkammer duelliert als gäbe es kein Morgen mehr; auf jede Dialogszene folgt mindestens eine ausschweifende Demonstration der Wireworktechnik. Bereits von Beginn weg wird unter Anleitung von Action Choreograph Sammo Hung mit mehrfachen Drehungen durch die Luft herangerauscht, Druckwellen und Blitze mit der Hand verschleudert, Leuchtschwerter gezogen und in der Schwerelosigkeit gekreuzt. In einem mittigen Kleinkrieg wird sogar aus der Erde heraus angegriffen, Minenfelder und Gräben gelegt, Speerhagel katapultiert und angespitze Baumstämme geworfen. Die Trickmaschine funktioniert dabei augenscheinlich recht gut; allerdings sind die Schnitte auch schnell und die Szenen bis zum Zerbersten voll, so dass man gar nicht auf Details achten kann und sich einfach der Grenzenlosigkeit hingeben muss. Richtiges Martial Arts ist nicht einmal in Ansätzen vorhanden; Manchem wird dabei sicherlich stinken, warum man dann ausgerechnet Leute wie Jet Li, Ngai Sing und Sammo Hung besetzen muss.

Li ist sowieso nur wegen der Berühmtheit und seiner Präsenz als Kassenmagnet an Bord und könnte abseits seiner sicherlich unstrittigen Führungsrolle auch von jedem Anderen gespielt werden. In den etlichen sonstigen Versionen der Geschichte sind auch mit Adam Cheng, Derek Yee, Tony Leung Chiu Wai, Lawrence Ng, Steven Ma und Alec Su zumeist Darsteller aufgenannt, die eh keine Ahnung von Wushu haben und noch nicht einmal überzeugend spielen könnten, sie würden sich darin auskennen.
Mimische Reife ist hierbei auch nicht gefragt; die meisten Wortwechsel sind recht steif arrangiert und haben vor allem im Intonierten einen auf Dauer hölzernen Klang, halt überformell. Jedesmal Ansprachen, obwohl nichts Relevantes ausgesagt wird.
Das ewige Hin und Her und der sich beizeiten wiederholende und dadurch ermüdende Luxus der Inszenierung, ohne wirklich etwas zu bereichern oder gar zu ergeben, verleihen dem Film auch schnell einen Eindruck von Überfluss – Spektakel.
Im Sinne von grammatikalischem und rhetorischem Pleonasmus; also ständig nur kleine, synonyme Variationen von Demselben, ohne etwas Zusätzliches beisteuern zu können. In der Wichtigtuerei durch die aufgefahrene Fülle von optischen Eindrücken. Und auch in der Bedeutung einer fruchtlosen und damit letztlich unnützen filmischen Bearbeitung.
Die wenigen Witze, mit denen das Werk bestückt ist, drehen sich zumeist um Erektionen und Vergewaltigungen; dass bessert den Gesamteindruck nicht gerade wesentlich auf.

Das gesättigte Publikum hat es ähnlich gesehen und dem Film mit einem Einspiel von HK$ 10.5 Millionen einen verhältnismässigen Flop beschert; die zwei geplanten Fortsetzungen fielen deswegen auch ins Wasser. Das man infolgedessen hier vor einem abrupten Ende steht, fällt im schmächtigen Durcheinander eh nicht grossartig auf.

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