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Es gibt gute Gründe, sich Trailer entweder gar nicht oder allenfalls im Nachhinein anzuschauen, denn in vielen Fällen werden wichtige Bestandteile der Handlung vorweggenommen, was natürlich Spannung raubt. Auch bei dem Streifen von Regisseurin Karyn Kusama sollte inhaltlich nicht vorweg gegriffen werden, was sich in den letzten zwanzig Minuten ereignen könnte.

Will (Logan Marshall-Green) und seine Freundin Kira folgen der Einladung zur Diner-Party seiner Ex Eden nur widerwillig, da vor zwei Jahren ihr gemeinsamer Sohn verunglückte und seither Funkstille herrschte. Recht früh bemerkt Will, dass mit den Gastgebern etwas nicht stimmen könnte, - oder bildet er sich das merkwürdige Verhalten einiger Anwesender nur ein?...

Bis auf Szenen der Hinreise, bei der ein Kojote angefahren wird und rasch getötet werden muss, findet das Geschehen ausschließlich im Haus in den Hollywood-Hills mit gefälligem Ausblick auf das nächtliche LA statt. Nahezu kammerspielartig fühlt sich die Handlung kaum wie ein Thriller oder gar Horrorfilm an. Eher wie ein Familiendrama mit nicht verarbeiteten Konflikten, Problemen und Traumata, wobei nur häppchenweise illustriert wird, was seinerzeit mit dem gemeinsamen Sohn geschah.

Der Zuschauer nimmt indes die Sichtweise von Will ein, der jede Geste, jeden Blick auf die Goldwaage zu legen scheint. Eden und ihr beinahe eingefroren wirkendes Dauerlächeln, ein ominöser Gast, der in keiner Verbindung mit den übrigen Freunden steht, eine junge Dame mit heimlichen Grimassen vorm Spiegel, sehr teurer Rotwein, ein merkwürdiges Gesellschaftsspiel und ein dubioser Fund im Schlafzimmer heizen die Stimmung an. Objektiv passiert lange Zeit nicht viel, allerdings steigert sich das beklemmende Gefühl, dieses Unbehagen stets ein wenig mehr. Zwischen Paranoia und Vorahnungen, Einbildung und Vermutungen ahnt man früh, dass diese Party nicht friedlich enden dürfte.

Das Spiel mit Licht und Schatten kommt dabei ebenso effektiv wie das Einbinden einiger Metaphern, wobei Kamera und Schnitt sehr souverän arbeiten und der zurückhaltende Score sehr treffend die ungewöhnliche Atmosphäre unterstreicht.
Darstellerisch ist Marshall-Green mit Abstand am besten, jedoch auch andere vermögen mit bodenständigem Spiel und kleinen Nuancen zu überzeugen.

In gewisser Hinsicht ist der Verlauf im letzten Drittel zwar erahnbar, da einige ziemlich eindeutige Hinweise gestreut werden, doch was nachhaltig wirkt, sind die letzten Einstellungen, mit denen man wahrlich nicht rechnen konnte und die noch einen kleinen Hieb in die Magengegend versetzen. Ein wahrlich doppelter Boden.

Man muss es auch mal ruhig mögen, um diesem Werk etwas abgewinnen zu können, denn rund 70 Minuten ist nur eine unterschwellige Bedrohung spürbar und es werden subtile Momente des Unbehagens eingestreut. Danach wendet sich das Blatt und obgleich ein paar irrationale Vorgehensweisen auszumachen sind, wird die Geduld des Betrachters belohnt.
Ein ungewöhnliches Kammerspiel in überzeugender Optik, zumeist soliden darstellerischen Leistungen und dichter Atmosphäre. Durchaus empfehlenswert.
7 von 10

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