Einer Einladung zu einem Dinner-Abend folgend fahren Will (Logan Marshall-Green) und seine dunkelhäutige Freundin Kira (Emayatzy Corinealdi) mit dem Wagen in einen noblen Vorort, wo sie von den Gastgebern David (Michiel Huisman) und Eden (Tammy Blanchard) sowie einigen anderen Gästen bereits erwartet werden. Der bärtige Will ist sich nicht ganz sicher, was er und seine Begleiterin dort eigentlich sollen, schließlich war er früher mit Eden zusammen und hatte auch einen Sohn mit ihr, der bei einem schrecklichen Zwischenfall ums Leben kam - danach hatte er lange nichts mehr von ihr gehört und daher kam diese - titelgebende - Einladung doch recht überraschend. Ein paar der Anwesenden - wie z.B. ein koreanisches Pärchen - kennt er noch von früher, andere, wie Pruitt (John Carroll Lynch) oder auch Sadie (Lindsay Burdge) hat er noch nie gesehen, und so sitzt er eher zweifelnd und unruhig in der Runde und harrt der Dinge, die da kommen. Die Gastgeber indes bemühen sich nach Kräften, eine gute Stimmung zu erzeugen, bedanken sich überschwenglich für das Erscheinen der Gäste und lassen teuren Wein auffahren. Nur Will bleibt misstrauisch: Was hat es mit dieser merkwürdigen mexikanischen Sekte auf sich, die ihnen die Gastgeber nebenbei per Laptop vorführen, und wieso wird die Haustür verriegelt?
Mit The Invitation - Die Einladung ist Regisseurin Karyn Kusama ein kleiner aber feiner Psycho-Thriller gelungen, der kammerspielartig (fast die gesamte Handlung des Films spielt im Wohn- bzw. Esszimmer der Nobelvilla) ausschließlich von der Interaktion der Dinner-Teilnehmer untereinander getragen wird und dabei langsam einen immer stärker werdenden Spannungsbogen aufzieht, der in einem fulminanten Finale alle bis dato geschickt als bedeutungs- oder zumindest zusammenhanglos erscheinenden Puzzleteilchen zu einem sinnvollen Ende zusammenführt.
Der als Hauptdarsteller Will etwas abgerissen auftretende Logan Marshall-Green ist nicht besonders sympathisch, dennoch nimmt man schnell seine Perspektive ein, denn er scheint der einzige Anwesende in der Runde zu sein, der einen klaren Verstand besitzt und einige logische Fragen stellt, auf die er jedoch keine Antworten erhält - zumindest keine befriedigenden. Mit der Zeit erweist er sich geradezu als Störenfried dieses in Harmonie geplanten Abends, und die teilweise betroffenen Reaktionen der anderen lassen den Zuseher zwischendurch auch daran zweifeln, ob Will nicht doch übertreibt mit seinen geäußerten Verdachtsmomenten - hier liegen die stärksten Momente des Films, dessen Drehbuch fein ausgeklügelte Handlungen und Dialoge auftischt, die einen ständig zwischen reinen Zufällen und (begründeter) Paranoia schwanken lassen.
Gut gewählt sind auch die anderen Gäste, die keineswegs nur als Statisten auftreten, sondern jeder für sich eher ungewöhnliche Rollen einnehmen: Da wären das koreanische Pärchen, wo der Mann viel zu spät erscheint, obwohl er schon einmal vor der Haustür gestanden hatte; der einzeln gekommene Dicke, der von sich sagt, nur des Essens wegen erschienen zu sein; das homosexuelle Pärchen, das sich prächtig unterhält oder auch die empfindsame Claire, die vorzeitig nach Hause möchte. Dazu kommen als spezieller Freund der Gastgeber der massige Pruitt mit seiner Halbglatze, dem der Typus Kinderschänder/Vergewaltiger geradezu auf die Stirn geschrieben zu sein scheint sowie die quirlige Sadie, die ihre nymphomanen Anwandlungen nicht verbergen kann. Ein Sammelsurium eher skurriler Gestalten also, das die auffallend freundlichen Gastgeber Eden und David bei Laune zu halten versuchen, und unter ihnen Will als Fremdkörper, dessen Freundin Kira ihn übrigens keineswegs unterstützt sondern sich nur über ihn wundert, was ihn erst recht als Einzelkämpfer gegen eine Gesellschaft, die die Zeichen nicht sieht (oder nicht sehen will) erscheinen läßt. Diese Konstellation der latenten Spannung untereinander zieht den Zuschauer bis zum Schluß in seinen Bann.
The Invitation, der in der letzten Viertelstunde dann richtig Fahrt aufnimmt, erzeugt durch seine subtilen Andeutungen und die sehr überzeugend auftretenden Darsteller ausreichend Suspense - eventuell hätte sich der Schlußgag auf den allerletzten Filmmetern noch eine längere Hervorhebung verdient, so aber dient er zumindest als Anreiz zum Nachdenken über das zuvor Gesehene. In jedem Fall sehenswert, was aus einem Dinner-Abend unter Freunden werden kann - 8,8 Punkte.