Wenn dein Film „We are still here“ heißt, sollte man nicht das zentrale Mysterium behandeln, ob oder ob nicht Geister einer längst verstorbenen Familie in einem Haus umgeht, wenn die nächstbeste Variante (der Geist des verunglückten Sohnes) nur im Singular vorkommt.
Das ist dann nicht der erste und nicht der letzte Patzer, der „Haus des Grauens“ (sehr einfallsreich, lieber Verleih!) im weiteren Verlauf unterläuft. Das Beinahe-Debüt des sonstigen Autoren und Produzenten Ted Geohegan kam bei den zahlreichen Genrefans ausgesprochen gut an und wurde als geschickte Fulci-Hommage gehuldigt, was sicherlich auch an seiner Tendenz liegt, den Geisterfilm nach der Hälfte in eine deftige Splatterei kippen zu lassen, die sich sehen lassen kann.
Aber mit Fulci und seinem „Haus an der Friedhofsmauer“ hat der Film eigentlich nur den Keller und das darin befindliche Böse gemeinsam, weder kriegt TG die nötige fremdartige Atmosphäre noch den bizarren Stil Fulcis hin – wer die Hommageankündigung nicht vorab gelesen hat, der wird vermutlich eher sagen, ihm wurde ein flottes Zitate-Potpourri serviert, bei dem sich „The Changeling“, „The Fog“, „House on Haunted Hill“ (thematisch), der Running Gag aus „Lights Out“(short film) und moderne Spukhausfilme ein Stelldichein geben.
Gestartet wird erst einmal ganz langsam mit dem Einzug der schon älteren Protagonisten (Barbara Crampton sieht aber immer noch unheimlich gut aus…) in ihr neues Haus im verschneiten Nirgendwo Neu Englands, welches natürlich eine Vorgeschichte hat, die sich gewaschen hat.
Diese wird vom – deutlich sichtbar – vorgeblich freundlichen Nachbarn dann binnen fünf Minuten nach Antrittsbesuch ausgeplaudert (etwa: Bestatterfamilie hat im 19.Jahrhundert Leichen verkauft und wurde aus der Stadt gejagt) und kann relativ schnelle schon nicht mehr stimmen.
Was allerdings jetzt wirklich vorgeht im Dagmar-Haus, wird eher nach und nach und nebenbei wahrgenommen (d.h. es wird nicht richtig erklärt), während die Suppe schon die Treppe runter spritzt.
Bis es allerdings so weit ist, gibt es erstmal atmosphärischen Stoff rund um Silhouetten, die man nur im Dunkeln sieht, fallende Bilder und andere Einrichtungsgegenstände, Hitze im Keller und eine sinistre Nische in der Wand.
Irgendwann holt man sich dann den Hobby-Hippie-Mediums-Schamanen ins Haus (ein befreundetes Pärchen), welches nicht nur für überflüssigen Humor sorgt, sondern auch den Weg für eine Runde Exorcist-Spaß frei macht.
Und dann, praktisch aus heiterem Himmel, fliegt der Dung in den Ventilator und die knusprig schwarz gebratenen Rachegeister mit den brandgefährlichen Händen latschen los und meucheln sich durch den Cast, erst durch die Nebenfiguren, dann durch die Stadtbevölkerung.
Wieso, weshalb, warum, das bleibt bis zum Schluss ziemlich nebulös.
Warum etwa unser Käuferpärchen nicht auf die Schnelle ex geht, bleibt ebenso ungeklärt wie der unmäßige Rachedurst der Geister und ihre nebulöse Taktung (alle dreißig Jahre oder so) und wieso die Stadt davon weiß und damit lebt. Monte Markham gibt einen sehr schönen Finsterling ab, warum er aber zwischendurch eine Kellnerin killt, ist nicht ermittelbar.
Die Hitze im Keller ist ebenso rätselhaft wie die mysteriöse Nische und der Quark rund um das Böse von unter dem Haus (irgendwas aus der Hölle?).
Das alles darf man sich mit Gewalt nicht fragen, denn sonst macht der Film nicht mehr den lockeren Spaß, den er machen soll, wobei die Hommage an die „Geister“ aus Carpenters „The Fog“ mal wirklich gelungen ist.
Wenn dann mal richtig mit Blut und Gekröse um sich geworfen wird, ist alles übrige sowieso schon egal und die FX sind nun wirklich spaßig geworden, wie ich im übrigen den ganzen Film auch nicht verurteilen möchte (er macht sichtlich Spaß), er aber nicht ausgereift genug ist, um ein Genre als Hommage oder Verbeugung generell an sich zu reißen.
Vor, nach oder während des Abendessens funktioniert er aber hervorragend als Sättigungsbeilage mit einigen memorablen Momenten (auch Argento kriegt ein Dankeschön ab) und lecker Suppe. (6,5/10)