Ach ja, was waren das noch für Zeiten, als solche liebevollen Märchenfilme im Kino liefen! Damals in den 1950er Jahren, im Deutschland der Nachkriegszeit sehnte man sich nach heiteren Heile-Welt-Filmen, die die Zuschauer aufmuntern sollten. In diese Periode fällt auch "Rübezahl - Herr der Berge", obwohl dieses Märchen mit Heimatfilmelementen nach heutigen filmischen Sehgewohnheiten schlicht als angestaubt bezeichnet werden kann.
Die Handlung dreht sich um Riese Rübezahl, den Herrn der Berge (dargestellt von Franz Essel, "Der Arzt von Stalingrad", 1958), welcher seit 999 Jahren unauffälig im Riesengebirge lebt. Doch als die Menschen, welche zunehmend verrohen und sündig werden, nicht mehr so recht an ihn glauben wollen, tritt er in Erscheinung, beseitigt Ungerechtigkeiten und bestraft Ungläubige...
Dass man bei der Verfilmung eines deutschen Mythos keine filmische Meisterleistung erwarten darf, dürfte Jedem klar sein. Regisseur Erich Kobler inszenierte vorher zahlreiche Märchen (u.a. "Schneewittchen und die sieben Zwerge", 1956), weswegen auch seine Interpretation von "Rübezahl" eine pädagogische Botschaft nicht ausspart. Die Fleißigen und Tüchtigen werden belohnt, Böse, Unartige und Faule bestraft. Doch leider sorgt der allzu biedere und über weite Strecken behäbige Film durch zahlreiche Klamauk-Einlagen (z.B. ein Wirt muss zur Strafe Eier legen) dafür, dass "Rübezahl" weder als Heimatfilm - mit zugegebenermaßen beeindruckenden Naturaufnahmen - noch als Märchen wirklich zu funktionieren weiß. Kinder im zweistelligen Alter dürfte nämlich der krachige Kalauer-Humor schon wieder etwas zu infantil sein.
Auch die Effekte sind - natürlich - mittlerweile stark veraltet, überholt und wirken unfreiwillig komisch. Wenn allein schon am Anfang der Riese Rübezahl durch Miniaturen stapft und zwei Puppen aufhebt, die dann aus Leibeskräften brüllen, dürfte sich auch der ein oder andere Filmhistoriker ein leichtes Schmunzeln nicht verkneifen können. Auch der Groß-Klein-Trick mit 2 Kameras ist heute eher antiquiert. Das wäre aber nicht das Problem, wenn nicht das allzu fröhliche Ende mit dem Fest auf der Alm wäre inklusive Trachten, Tänzen und Leiermann. Bei solch hysterischer, volkstümlicher Fröhlichkeit war es jedenfalls bei mir mit aller pädagogischer Toleranz sowie dem trashigen und liebevollen Charme, welcher bis dahin kontinuierlich aufgebaut wurde, vorbei. Auch die Darstellerleistungen sind mehr schlecht als recht und erinnern in der Eindimensionalität der Figuren an klassisches Schmierentheater.
Fazit: Liebevoller Märchenfilm aus der Nachkriegszeit, welcher sich aber leider durch allzu klamaukige Einlagen und zu viele Heimatfilmelemente selbst konterkarriert. Für Filmhistoriker und Trash-Fans sicherlich ganz lustig, für alle anderen nur ein angestaubter, allzu biederer und behäbiger Heile-Welt-Film mit allzu naiver, lebensbejahender Botschaft.