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In den letzten Jahren ist vermehrt ein wenig Mut zu spüren, dass deutsche Filmemacher und Autoren unbequeme Themen wie Rechtsextremismus angehen und sie zu Komödien verarbeiten, nicht erst seit "Er ist wieder da".
Autor und Regisseur Dietrich Brüggemann versucht es derweil mit einem satirischen Rundumschlag, der leider kaum einen erzählerischen Fokus zulässt.

70 Jahre nach Kriegsende befinden sich in Pritteritz, einem Provinznest in Brandenburg immer noch einige rechte Idioten, die soeben Hakenkreuze sprühen. Sven (Benno Fürmann), ein Nazi-Anführer im Anzug, will demnächst einen kleinen Krieg an der Grenze zu Polen anzetteln, da kommt ihm der Besuch des Autoren und Afrodeutschen Sebastian (Jerry Hoffmann) gerade Recht. Doch als dieser von Svens Gehilfen geprügelt wird, leidet er fortan an Amnesie und plappert den Rechten alles nach. Er wird durch diverse Talkshows geschleift, um rechtes Gedankengut zu verbreiten, was bei vielen gut ankommt. Sven wittert seine Chance, während Sebastians schwangere Freundin mithilfe des ehemaligen Polizisten Sascha (Oliver Bröcker) eine Rettungsaktion startet...

Hier bekommen wirklich alle ihr Fett weg: Journalisten, Politiker, Rechtsorgane, Verfassungsschutz, Antifa, Nazis, Mitläufer und die Bundeswehr. Gleichwohl gibt es einige überspitzte Darstellungen im Medienbereich, wie der ausgiebige Ausschnitt einer Talkrunde mit herrlich überzogenen Klischeefiguren untermauert.
Viele Aspekte sind gut beobachtet und auf den Punkt gebracht, etwa die dunkelhäutige Ex von Sebastian, die weiß, wie sehr Deutsche auf Farbige mit deutschem Dialekt, insbesondere Kölsch abfahren, obgleich die Dame aus Düsseldorf kommt. Auch die privaten Unternehmungen einflussreicher Persönlichkeiten bringen viele Klischees mit, während Bundeswehrmitglieder konzentriert Kriegsspiele zocken und dabei nicht den Diebstahl eines Panzers bemerken.

Die eigentliche Story folgt indes den Mustern vermeintlich frivoler Komödien der Fünfziger, was insgesamt reichlich harmlos daherkommt. Brüggemann versucht am Rande zu viele Themen einzubauen und verzettelt sich einige Male mit dem Timing, wogegen der Showdown mit einiger solide inszenierter Action aufwartet. Handwerklich ist nicht viel anzukreiden, obgleich die Inszenierung einer besseren TV-Produktion gleicht.
Treffend ist allerdings der Score, insbesondere einige Songs mit garstigen Texten, - einem unverblümten Biss, welcher dem eigentlichen Stoff leider oftmals fehlt.

Die guten bis sehr guten darstellerischen Leistungen lassen das Treiben stets lebendig wirken, einige Situationskomik ("Sie sind wohl auf dem rechten Auge blind") trifft wahrlich ins Schwarze und flache Witze über tumbe Nazis zünden häufig (Autobahnfahrt, Selfies vor brennendem Fahrzeug). Daneben gibt es eine ganze Reihe albernen Klamauks, der beinahe ein wenig unbeholfen daherkommt, zumal einige Pointen rein gar nicht zünden. Beinahe so einfältig wie die Amnesie und dessen Auslöschung durch einen simplen Schlag auf den Kopf.

Dennoch vermag das illustre Geschehen über weite Teile zu erheitern, sofern der Anspruch nicht zu hoch angesetzt ist und nicht allzu viel Tiefe erwartet wird. Brüggemann nimmt alles und jeden aufs Korn und auch ein wenig Selbstironie schimmert immer mal wieder durch.
Schmunzler und eine Handvoll treffsicherer Gags sind zumindest auszumachen, - was mehr ist, als manch andere stumpfsinnige Komödie aus Deutschland derzeit zu bieten hat.
6 von 10

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