Wenn Miss "Resident Evil" gegen einen ehemaligen 007 antritt, verspricht das schon mal Action auf solidem Niveau, obgleich Regisseur James McTeigue seit seinem Debüt "V wie Vendetta" nicht mehr allzu viel für die Filmwelt beigetragen hat. Dass der 11/9 mal wieder für eine Verschwörungskiste hinhalten muss ist geschenkt, denn diverse Unzulänglichkeiten ergeben sich eher bei einem globalen Katz- und Maus-Spiel mit hastigen Schauplatzwechseln.
Soeben tritt US-Spezialistin Kate (Milla Jovovich) ihren Dienst in der Botschaft in London an, schon hat sie einen vermeintlichen Terroristen im Visier, der in die USA einreisen will. Kurz darauf sterben bei einer Explosion vier ihrer Kollegen, während Kate ins Fadenkreuz der Fahnder gerät. Um den Drahtzieher Nash (Pierce Brosnan) zu stellen, wird sie selbst zur Gejagten...
Nach der Exposition mit einer gewaltigen Explosion dauert es rund zwanzig Minuten bis zur nächsten Detonation, woraufhin das Erzähltempo konstant hoch gehalten wird. Dieses geht zwar zulasten der schwach gezeichneten Figuren, welche im Grunde nur Spielbälle zwischen diversen Fronten markieren, doch die Hatz durch London, insbesondere durch enge Pfade im U-Bahn-System macht durchaus Laune, zumal gleich mehrere Instanzen im Spiel sind und niemand dem anderen vertrauen kann.
Jovovichs Performance erinnert frappierend an ihre Figur aus "Resident Evil", nur mit etwas weniger Körperbetonung und einem latent gehetzt wirkendem Blick. Brosnans Auftritt ist demgegenüber wesentlich cooler, denn der wortkarge Fiesling erscheint allenfalls verärgert, wenn die Gejagte einmal mehr entkommt, wogegen der Einsturz eines Hochhauses infolge eines gezielten Schusses mit sichtlicher Selbstgefälligkeit quittiert wird.
Eine gute Handvoll bekannter Mimen wie Robert Forster, Dylan McDermott, Benno Fürmann und Angela Bassett liefert insgesamt ein ordentliches Niveau ab, wirklich anspruchsvoll ist natürlich keine Rolle.
Vielmehr geht es um das Zusammenspiel aus Überwachungstechnik in Form von Kameras, Peilsendern, GPS, speziellen Chips und die Verbreitung des Terrors mit den nahezu identischen Mitteln. Das Netz der Verteidigung ist wie immer ein wenig durchlässig, doch auch bei den Bombenlegern und Sprengstoffexperten läuft nicht immer alles rund.
Etwaige Wendungen oder gar Twists mit doppeltem Boden sind folgerichtig nicht zu erwarten, der Showdown zum Jahreswechsel in New York hätte indes ein paar Momente mehr vertragen können, da er arg übers Knie gebrochen erscheint.
Ansonsten unterhalten ein paar Schusswechsel, kurze körperliche Auseinandersetzungen und kleine Wettläufe gegen die Zeit ganz gut. Diverse hanebüchene Einlagen und konstruierte Situationen mehren sich zwar, doch die grundsolide Kamera, der mindestens zweckdienliche Score und die sorgfältig ins bulgarische Umfeld eingefügten Schauplätze sorgen für eine ansprechende Optik ohne sonderliche Schnörkel.
Mit überschaubarer Verschwörungstheorie und nachvollziehbarer Technik ausgestatteter Spionage-Thriller, der ein brauchbares Tempo hinlegt und mit einiger Action und ansehnlichen Effekten aufwartet, - in Sachen Anspruch und kritischen Fragen zum globalen Terrorismus hält sich "Survivor" jedoch mehr oder minder dezent zurück.
6 von 10