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Jesse Eisenberg spielt einen verpeilten Stoner, der in einem Supermarkt arbeitet, Comics über Weltraumaffen zeichnet und nach eigener Aussage ein typisches Loser-Leben führt. Zufrieden ist er trotzdem, da er mit seiner von Kristen Stewart gespielten Traumfrau zusammenlebt, die er gerne in naher Zukunft heiraten würde. Eines Tages kommt eine Fremde in den Supermarkt, die ihm einen merkwürdigen Code an den Kopf wirft, woraufhin ihn zwei Killer aufsuchen, die er zu seiner eigenen Überraschung in Notwehr töten kann - mit einem Löffel. Was er nicht weiß: Er war einst ein Superagent der CIA, bis sein Programm eingestellt und sein Gedächtnis gelöscht wurde. Und nun versucht der Geheimdienst unter der Leitung eines skrupellosen Karrieristen ihn auszuschalten.

Die Rechnung hätte durchaus aufgehen können. Kifferkomödien a la „Ananas Express“ erfreuen sich beim geneigten, meist jungen Publikum einer gewissen Beliebtheit, was man sicherlich auch von Jesse „Facebook“ Eisenberg und Kristin „Twilight“ Stewart behaupten kann. Ein paar harte Action-Sequenzen schaden natürlich auch nicht, wenn man ein paar Zuschauer mehr in die Lichtspielhäuser locken will, außerdem hat Regisseur Nima Nourizadeh mit „Project X“ seine Teenie-Tauglichkeit bereits hinreichend unter Beweis stellen können. Dann noch ein cooler Filmtitel, ein flotter Trailer, der einen vergnüglichen Kinoabend verspricht und fertig ist der Kassenschlager. Doch bei „American Ultra“ ging die Rechnung eben nicht auf. Der Film spielte in den USA gerade einmal die Hälfte seines nicht allzu üppigen Budgets von 28 Millionen Dollar ein, startete in der ersten Woche nur auf Platz sechs der Kinocharts und ging zwischen „Straight Outta Compton“ und „Mission Impossible“ verdientermaßen im Mittelmaß unter.

Dabei hat „American Ultra“ durchaus auch seine guten Momente. Der eine oder andere Gag ist wirklich gut gelungen, der Film durchaus Kurzweilig, besonders dann, wenn dem verplanten, kiffenden Protagonisten die Situation vollkommen über den Kopf wächst und er sich zu einem unüberlegten Schachzug nach dem anderen hinreißen lässt. Dass er die ironische Bemerkung seines Gegenspielers, der im Scherz seine Kapitulation offeriert, ernst nimmt und während einer Flucht anhält, weil der Verfolger ihn dazu auffordert, sorgt sicherlich für Heiterkeit im Kinosessel. Hinzu kommen ein paar witzige Nebenfiguren und skurrile Einfälle und auch die Action-Szenen können sich sehen lassen, insbesondere das Finale, bei dem der Kiffer ein dutzend Gegner im Supermarkt mit diversen Haushaltsgegenständen zur Strecke bringt. Doch es sind letztendlich nicht genügend gute Momente, als dass man über die zahlreichen Schwächen der Action-Komödie hinwegsehen könnte.

So trifft Nima Nourizadeh leider zu keinem Zeitpunkt die richtige Stimmung. Auf der einen Seite macht er sich über den dümmlichen Kiffer lustig, auf der anderen Seite soll dieser aber als Sympathieträger und Identifikationsfigur funktionieren. Er zeigt überzogene Action-Sequenzen und ein vollkommen übertriebenes Kriegsszenario in einer amerikanischen Kleinstadt, versucht aber gleichzeitig mit einer Love-Story für Emotionen und Dramatik zu sorgen und das meist todernst und ohne jede Eigenironie, die ein Film dieser Art definitiv bitter nötig gehabt hätte. So wirkt vieles unausgegoren, die einzelnen Elemente des Films beißen einander regelrecht. Nourizadeh hätte sich zwischen einer reinen Blödelkomödie a la „21 Jump Street“ oder einer ernsthafteren Action-Komödie wie „Lethal Weapon“ entscheiden sollen.

Während es rein handwerklich, was etwa die Inszenierung der Action-Sequenzen oder die Platzierung der Gags betrifft, wenig auszusetzen gibt, ist in narrativer Hinsicht das Gegenteil der Fall. Vermutlich wäre insbesondere die erste Filmhälfte spannender und interessanter ausgefallen, hätte Nourizadeh nicht durch den im CIA-Hauptquartier spielenden Subplot (und im Trailer) vorweggenommen, warum man seinem Protagonisten eigentlich nach dem Leben trachtet. Ein bisschen mehr „Bourne“ hätte dem Film jedenfalls nicht geschadet. Und auch das Ende ist nicht allzu glücklich konstruiert, wobei man Nourizadeh immerhin zu Gute halten muss, dass er das Erzähltempo so hoch hält, dass meist für soliden Kurzweil gesorgt ist. Darstellerisch gibt es derweil ordentliche Leistungen von Jesse Eisenberg, Topher Grace, John Leguizamo und Connie Britton zu sehen, wobei besonders der markante Walton Goggins als „Laughter“ ein paar coole Auftritte hat. Einen besseren Film hätte auf jeden Fall Kristen Stewart verdient gehabt, die einmal mehr unter Beweis stellt, dass sie zu „Twilight“-Zeiten allzu oft unterschätzt worden ist. Die Darstellerin, die als perspektivlose Kiffer-Freundin hervorragend besetzt ist, zeigt jedenfalls durchweg eine vollkommen authentische und sehenswerte Vorstellung.

Fazit:
Kurzweilig ist „American Ultra“ zwar, ansonsten passt aber nur wenig zusammen. Die überzogene Action-Komödie nimmt sich viel zu ernst, wirkt oft unschlüssig und liefert wenige Argumente gegen das schnelle Vergessen.

52 %

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