Deutschland 1989, die Mauer fällt und die neuen Bundesbürger stürmen in Scharen gen Westen. Darunter auch die junge Klara, nachdem sie ihren asozialen Mann erstochen hat. Kaum bei ihrem Freund drüben angekommen, entpuppt sich der goldene Westen als blutrünstiger Staat, aus dem nicht alle Ostler wieder heraus kommen. Die Werbezeile "Sie kamen als Freunde und wurden zu Wurst" gibt den Inhalt dieser Satire von enfant terrible Schlingensief recht passend wieder. In Anlehnung an das "Texas Chainsaw Massacre" entstand ein ultratrashiger Streifen, der gespickt ist mit Zitaten aus den Medien und der Geschichte. Mit einfachsten Mitteln, wie ein Dogmafilm, kommt diese schwarze Komödie oft ohne Stativ aus, die Kamera und der Schnitt sind ebenso unorthodox. Damit zeigt Schlingensief nicht nur inhaltlich sondern auch formal ein kaputtes Chaos, in dem die Darsteller meist overactend und schreiend ihren Vorteil suchend, ihr Leben retten oder auch nicht. Die Blutigkeit, mit der die vielen amateurhaften Splattereffekte gezeigt werden, verwundert, aufgrund der dilettantischen Umsetzung entsteht jedoch selten der Eindruck, durch harte Bilder schockieren zu wollen. Eher als bitterböse Satire wirkt diese kleine Kratzbürste auf Zelluloid auf den überraschten Zuschauer, der permanent mit den schrägen Figuren in einer bizarren Story konfrontiert wird. Selbst eine Dramaturgie mit entspannten Teilen gibt es nicht, über eine Stunde wird der verstörte Betrachter mit durchgeknallten Charakteren vollgedröhnt. So erinnern nur noch grob die Figuren des toten Opas und des familienführenden Schlachters sowie dessen wahnsinnige Söhne an die furchteinflössende Vorlage von Tobe Hooper, im Vordergrund steht mal wieder für den umstrittenen Künstler die Demontage eines politischen Themas aus seiner Heimat, in diesem Fall die Wiedervereinigung als Bestandteil seiner Deutschland-Trilogie. Die verbohrten Ossigrenzer, die noch immer die Grenze hüten, bekommen ebenso ihr Fett weg, wie die ausbeuterischen Wessis, die sich schließlich selbst zu Grunde richten. Wo der Spassgehalt aufhört und die politische Kritik anfängt ist nur schwer auszumachen, eines steht jedenfalls fest: Der wunderbare Satz "In einer Zeit, wo alles wurscht ist, ist es egal, ob es gut oder ob es schlecht ist" gibt nur zu gut die Intention wieder, die dieser amüsante Film perfektioniert. Einerseits ist der trashige Stil konsequent durchgehalten, andererseits auch etwas ermüdend. Da ist man eigentlich über die kurze Laufzeit ganz froh, denn zum entspannt zurücklehnen ist dieser Trashoverkill nichts, will es auch nicht sein. Etwas Understatement und kruden Humor sollte man mitbringen, dann allerdings erlebt der Filmfreund, der sich auch vor grotesken Werken mit irritierender und teils provozierender Umsetzung nicht scheut, einiges geboten. Die üblichen Verdächtigen, die hier einen Amateursplatterfilm mit schlichter Story wie von Timo Rose oder Andreas Schnaas vermuten, sollten diesen Film ganz schnell vergessen.
Fazit: Greller Splattertrash, böse Satire und durchgeknallte Komödie gleichermassen. Mainstreamglotzer werden geschockt sein, und das nicht von den häufig blutigen Sets. 6/10 Punkten