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James Ransone spielt erneut den ehemaligen Deputy So & So, der nicht über den gewaltsamen Tod eines befreundeten Autoren und dessen Familie hinwegkommt. Er stellt weitere Nachforschungen über grausam ermordete Familien und verschwundene Kinder an, die dem Dämon Bughuul zum Opfer gefallen sind. Als er eines der Häuser niederbrennen will, in denen das Böse sein Unwesen trieb, muss er feststellen, dass dieses bewohnt ist. Eine Mutter, gespielt von Shannyn Sossamon, die ihren gewalttätigen Ehemann verlassen hat, lebt nun hier mit ihren beiden Söhnen. So & So versucht zu verhindern, dass auch diesmal eines der Kinder unter dem Einfluss des Dämons seine Familie ermordet.

„Sinister“, der bei einem Budget von gerade einmal drei Millionen Dollar knapp 80 Millionen einspielte, konnte vor drei Jahren durchaus als Überraschungserfolg gewertet werden. Angesichts der hohen Qualität des Horrorfilms war dieser finanzielle Erfolg durchaus berechtigt und führte quasi zwangsläufig zum Sequel. Das inszeniert mit Ciaran Foy ein neuer Regisseur, der mit „Citadel - Wo das Böse wohnt“ aber bereits Erfahrungen im Genre sammeln konnte. Das Drehbuch verfassten derweil die Verantwortlichen des Vorgängers, der Autor C. Robert Cargill sowie der Regisseur des ersten Teils Scott Derrickson. Keine leichte Aufgabe, lebte der erste Teil doch vor allem von den Fragen, die er aufwarf und im furiosen Finale auflöste. Vor allem bei Horrorfilmen tun sich die Filmemacher seit jeher schwer, auf gelungene Filme gute Sequels folgen zu lassen. Zuletzt war das etwa bei „Saw“ ersichtlich, der von keinem seiner Nachfolger erreicht wurde, weil nach dem ersten Film klar war, wer warum das Spiel spielt, von den Fortsetzungen von Klassikern wie „Halloween“ oder „Nightmare - Mörderische Träume“ ganz zu schweigen. Und auch „Sinister 2“ erreicht den Vorgänger bei Weitem nicht.

Dabei versuchen die Autoren durchaus, aus dem Schema des ersten Teils auszubrechen, das da wäre: Eine Familie zieht in ein Mordhaus, in dem ein Dämon eines der Kinder auswählt, dem er von anderen Kindern Videos vorführen lässt, in denen diese ihre Familien ermorden. Sobald die Familie umzieht, tötet das Kind Eltern und Geschwister, woraufhin es seinerseits verschwindet und in der Folge zur Entourage des Dämons gehört. Diese Geschichte wird diesmal auch aus der Perspektive des betreffenden Kindes erzählt, während im ersten Film noch allein der damals von Ethan Hawke verkörperte Vater im Mittelpunkt des Geschehens stand. Außerdem ist „Sinister 2“ weniger klaustrophobisch angelegt und auf das Haus beschränkt, wie es noch der Vorgänger war. Zudem kommen diesmal der gewalttätige Ex-Mann, der das Sorgerecht für seine Söhne haben will, sowie der Deputy hinzu, der sich der Gefahr voll bewusst ist und sein Möglichstes versucht, um dem Dämon einen Strich durch die Rechnung zu machen. Dabei wird ein stärkerer Fokus auf die verschwundenen Kinder gelegt, die im Film ebenfalls ihr Unwesen treiben. Doch trotz dieser neuen Einfälle ist „Sinister 2“ ziemlich uninspiriert und fast durchweg vorhersehbar, was gerade bei einem Horrorfilm tödlich ist. Er ist leider nicht viel mehr als ein Abklatsch des Originals, welcher einige Einzelheiten variiert. Außerdem stören die teils miesen Dialoge, die aufgesetzte Liebesgeschichte und die größtenteils klischeehaften Figuren. Diese entwickeln, mit Ausnahme des ehemaligen Deputys, leider fast keinen emotionalen Tiefgang, sodass ihr womöglich grausiges Schicksal, anders als es noch im Vorgänger der Fall war, nur wenig Schweiß auf die Stirn des Zuschauers treibt.

Handwerklich rettet Foy sein Sequel zumindest noch ins Mittelmaß. Die Schockeffekte, teils konventionell und vorhersehbar, teils auch sehr einfallsreich und überraschend, sind wohlwollend aber nicht allzu erschöpfend dosiert und zünden größtenteils. Der Dämon erscheint auch dann immer mal wieder auf die verschiedensten Arten, wenn man es gerade nicht kommen sieht und entfaltet eine bedrohliche Omnipräsenz, die nicht nur auf das Mordhaus beschränkt ist. Überhaupt ist „Sinister 2“ von Anfang an sehr atmosphärisch, was auch dem starken Einstieg mit Mordvideo und Schockeffekt geschuldet ist, vor allem aber dem bedrohlichen Schauplatz und der guten handwerklichen Arbeit des Regisseurs. So bleibt der Zuschauer bei der Stange, obwohl sich der Film zunächst einmal in unglücklichen und verworrenen Bezügen zum Vorgänger sowie Andeutungen auf weitere Morde verstrickt. Auch im Mittelteil ist „Sinister 2“ trotz der einen oder anderen Logiklücke durchaus spannend und atmosphärisch. Das ist etwa auf die durchaus kreativen Snuff-Videos im Found-Footage-Style zurückzuführen, die einem der beiden Jungen vorgeführt werden, aber auch auf die anderen Medien, die der Dämon so hinterlassen hat. Dazu zählen die Schallplatten mit ihrer unheilvollen Musik, aber auch ein norwegischer Funkspruch, der seine Wirkung nicht verfehlt. Zudem leisten die Darsteller, auch die noch sehr jungen, überzeugende Arbeit, wenngleich die Reihe mit Ethan Hawke den größten Namen im ersten Teil verloren hat. Der Showdown, der leider sehr kalkulierbar und ebenso konventionell daherkommt, trübt den sehr soliden Grundeindruck dann aber noch einmal ein wenig, weil er von der Jagd durchs Maisfeld bis zu den obligatorischen Haunted-House-Sequenzen bemüht das Pflichtprogramm des Genres abarbeitet und dann ein sehr abruptes und nicht allzu glücklich gewähltes Ende nimmt.

Fazit:
Wer den gelungenen Vorgänger kennt, wird in „Sinister 2“ gleich ein bekanntes Schema erkennen, wenngleich die Geschichte diesmal aus der Perspektive der vom Dämon beeinflussten Kinder und weniger aus Sicht der Eltern erzählt wird. Trotz dieser und einiger weiterer Story-Schwächen ist „Sinister 2“ aber doch ein durchaus solides Sequel geworden, das mit einer düsteren Atmosphäre und einigen gelungenen Schockmomenten zu punkten vermag. Es hätte schlimmer kommen können.

59 %

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