Review

kurz angerissen*

Unerwartet fintenreich zeigt sich die Fortsetzung zum Überraschungserfolg "Sinister" auch ohne einen Ethan Hawke im Cast. Die Autoren C. Robert Cargill und Scott Derrickson waren schon beim Original für das Drehbuch verantwortlich (letzterer sogar für die Regie) und pflegen hier offensichtlich Ambitionen, ihre Stoy nicht nur zu variieren, sondern weiterzuentwickeln. Das führt zu einer Konstellation, die dem österreichischen Horrorthriller "Ich seh ich seh" ähnelt: Ein junges Bruderpaar, das von dunklen Mächten in ein gefährliches Spiel verwickelt wird, bildet das Herz dieser Fortsetzung, die auf der Erwachsenenebene zudem Sorgerechtsprobleme thematisiert und in diesem Spannungsfeld eine Scheidewand zu errichten versucht zwischen dem, was sich zwischen den Brüdern entwickelt und dem, was der alleinerziehenden Mutter widerfährt.

Das Abdrehen der Snuff-Filme-im-Film wurde offenbar mit großer Motivation angegangen; eine beinahe wettbewerbsartige Wirkung üben die durchaus kreativen Kurzfilme aus, die zudem countdownartig auf das Unvermeidliche zusteuern. Wahrlich ungemütliche Foltermethoden tummeln sich in diesen Homevideos, stets mit der körnigen POV-Ästhetik inszeniert, die das Grauen des Ungefilterten vermitteln soll.

Nur ganz so "sinister" mag das alles nicht mehr sein; wie auch, wenn man das Gefühl hat, es habe regelrecht Spaß gemacht, die perfiden Tötungsszenen auf 8mm zu inszenieren. "Sinister" war, obgleich er ein leeres Gefühl im Bauch hinterließ, ungleich düsterer und auch atmosphärisch dichter. Ein mulmiges Grundgefühl herrscht kaum noch und Schreckmomente ergeben sich bloß aus Schattenspielen und der Plötzlichkeit, mit der sich das Böse im Bildschnitt manifestiert, doch so sehr sich Ciarán Foy in seinem zweiten Langspielfilm auch bemüht, die Düsternis des ersten Films kann er mit keinem seiner vielen Buheffekte rekonstruieren. Am allerwenigsten mit dem allerletzten Hallowachgruß der maskierten Verkörperung des Bösen, denn sie gleicht nur noch der Gestik eines verzweifelten Clowns, dem es nicht mehr gelingt, sein Publikum wach zu halten.

Eine überraschend aufwändige Story trifft also auf die üblichen Fisimatenten einer Horrorfilm-Fortsetzung und ergibt in der Summe ein durchschnittliches Gesamtwerk mit einigen lichten Momenten, aber auch viel Schulterzucken.

*weitere Informationen: siehe Profil

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