Hallow be their name
„Unsere Bäume bekommen sie nur über unsere Leichen!“
2015 debütierte der Brite und erklärte Fan des Horrorkinos der ‘70er und ‘80er Corin Hardy („The Nun“) mit seinem in den irischen Wäldern gedrehten und in irisch-britisch-US-amerikanischer Koproduktion entstandenen Horrorfilm „The Hallow“, mit dem er im unübersichtlichen Markt zeitgenössischer Low-Budget-Genreproduktionen einen Insider-Tipp landete.
„Wenn Sie bei denen eindringen, dringen die bei Ihnen ein!“
Der Londoner Umweltwissenschaftler Adam Hitchens (Joseph Mawle, „We Want Sex“) zieht zusammen mit seiner Frau Clare (Bojana Novakovic, „Drag Me to Hell“) und dem neugeborenen Sohn Finn (Wren Hardy) für einige Wochen in ein irisches Waldgebiet, um seinem Forschungsauftrag nachzukommen, den Baumbestand auf Schädlingsbefall zu untersuchen. Der Wald soll verkauft werden, womit der Besitzer des Gebiets, der alte Colm Donnelly (Michael McElhatton, „Game of Thrones“), dessen Tochter dort einst spurlos verschwand, hadert und auch nicht will, dass Adam den Wald betritt. Als man ihnen das Fenster zum Babyzimmer einwirft, verdächtigen Adam und Clare aus diesem Grunde Colm. Die zu Rate gezogene Polizei erklärt der Familie daraufhin, dass der Wald für die Einheimischen von mythologischer Bedeutung sei, und Calm bringt Clare ein altes Sagenbuch vorbei. Tatsächlich entdeckt Adam einen aggressiven parasitären Pilz, der in Fauna und Flora wütet – und muss später anerkennen, dass der Wald noch ganz andere Lebewesen beherbergt, die seiner kleinen Familie im Dunkeln immer näher kommen…
„The Hallow – es gibt sie!“
Hardy setzt lange Zeit auf eine unheilschwangere Atmosphäre, für die er das Forstambiente und die beunruhigende Entdeckung toter Tiere und schließlich des Parasiten ausgiebig auskostet. Nach den Anfeindungen durch die Anwohner häufen sich schließlich die unerklärlichen, bedrohlichen Phänomene: Adams Auto spielt plötzlich verrückt, der Motor wird vom Pilz überwuchert. Während seines Reparaturversuchs wird Adam im Kofferraum eingeschlossen und irgendetwas versucht, ins Auto einzudringen. Als er sich und seinen Sohn befreit, ist jedoch nichts mehr zu sehen. Als die Familie in ihrem Haus terrorisiert wird, kristallisiert sich schließlich heraus, dass nicht Colm dahintersteckt, sondern es „Hallows“ genannte Kreaturen auf sie abgesehen haben. Vor diesen verbarrikadiert man sich; dennoch gelingt es ihnen, Sohn Finn zu holen und gegen einen Wechselbalg auszutauschen. Dies erkennt der vom Pilz infizierte Adam und will entsprechende Gegenmaßnahmen einleiten, doch mit seiner Frau geht die Mutterliebe durch. Adam mutiert derweil immer mehr.
„Sie hätten nie herkommen sollen!“
Neben irischen Sagen und Mythen ließ sich Hardy offensichtlich von „Tanz der Teufel“ und Carpenters „Das Ding aus einer anderen Welt“ inspirieren, ohne zu kopieren. Garniert mit etwas Öko-Horror avanciert „The Hallow“ zu einem durchweg gelungenen Creature Feature mit vornehmlich handgefertigten Kreatureneffekten, dem zudem eine ordentliche Prise Kapitalismuskritik innewohnt. Hardy versteht es für ein Regiedebüt ungewöhnlich gut, die Spannungsschraube anzuziehen und immer wieder etwas zu lockern, wodurch sein Film an Dynamik gewinnt. Ein paar mehr Hintergrundinformationen zur verhandelten Mythologie wären wünschenswert gewesen, dennoch wirkt „The Hallow“ im Gegensatz zu vielen Konkurrenzprodukten nicht unrund oder gar unfertig. Sicher, die erzählte Geschichte ist nicht sonderlich originell, wurde dafür aber liebevoll und mit viel Verve umgesetzt. Vor dem Hintergrund des irischen Lokalkolorits und der konsequenten Betonung dessen düsterer Seite ergibt sich ein stimmiger Genrebeitrag, der Horrorfreundinnen und -freunden der alten Schule guten Gewissens ans Herz gelegt werden kann.
Trivium: Im Auto hört Adam „I’m A Mess“ der Bostoner Punkband The Outlets.