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Der Endzeitfilm war schon eh und je Spielwiese für etwas ausgefallenere Filme, doch „Six-String Samurai“ ist selbst für diese Kategorie reichlich exotisch.
Wir schreiben ein alternatives 1997, denn 1957 entwickelten sich die Dinge nicht ganz so gut, Völkerverständigung wie zur Kuba-Krise gab es nicht, stattdessen wurde der Kalte Krieg schnell ganz heiß und die Raketen flogen. Hauptstadt der USA ist Las Vegas, mittlerweile Lost Vegas getauft, der King war für die letzten 40 Jahre Elvis, doch der hat gerade permanent das Gebäude verlassen und der Thron ist vakant. All das erklären die ersten Texttafeln des Films und da ist bald klar, dass man sich hier noch auf einiges gefasst machen kann.
Der Held heißt Buddy (Jeffrey Falcon), sieht aus wie Buddy Holly und ist stets mit seiner Klampfe auf dem Rücken unterwegs. Sein Erzfeind ist Death (Stephane Gauger), von dem einige glauben er sei tatsächlich der Tod, und der mit seiner Band stark an Guns’n’Roses erinnert. Buddy will der neue King werden, Death ebenso, das trichtern einem bereits die ersten Filmminuten ein.

Zwischendrin sammelt Buddy noch ein Kind auf, das er vor Killern rettet, während für die Mutter jede Hilfe zu spät kommt. Gemeinsam macht man sich auf nach Lost Vegas und duelliert sich mit diversen Leuten, die ebenso gerne King werden wollen wie Buddy…
„Six-String Samurai“ ist eine Hommage an all die Filme, die erst in Grindhouses und Bahnhofskinos liefen, später primär die Videoregale anvisierten: Italowestern, Samuraifilme, Endzeitstreifen, Martial Arts Kracher. Überall stecken die Anspielungen, von der durchgeknallten Kannibalenfamilie über die klischeehafte Russentruppe bis hin zum Westernlook diverser Szenen: Ein El Dorado für den Fan des B-Films (und all jener Werke, die fälschlicherweise in diese Ecke abgeschoben worden), mit viel Liebe zum Detail gemacht und zusätzlich gespickt mit Zitaten aus der Musikwelt (siehe oben). Dabei fällt auf, wie viel Regisseur Lance Mungia aus dem quasi nicht-existenten Budget herausgeholt hat, denn an sich hetzt man seine Darsteller hier nur durch ein paar Wüstenlandstriche und drapiert hier und da mal eine Requisite, das ist selbst für B-Verhältnisse recht kostengünstig.
Buddy steht für den klassischen Rock’n’Roll, Death für den Heavy Metal, deshalb geht ein Gitarren- dem Schwertduell voraus, denn der Six-String Samurai Buddy kann mit der Klampfe ebenso gut umgehen wie mit dem Katana. Seine Gegner sind mal musikalisch inspirierte Killer, mal ein Kämpfertrio im Bowling-Outfit, mal in Schutzanzüge gehüllte Übelwichte. Auf die Moppe gibt es dabei immer wieder, deutlich inspiriert vom Actionkino Hongkongs, nur leider sind diverse Fights recht schnell vorbei.

Bei allem Elan der Macher muss man allerdings festhalten, dass „Six-String Samurai“ dann jedoch der Drive zu wirklich Herausragendem fehlt. Es handelt sich im Grunde um eine Aneinanderreihung von Kämpfen, das hat bei „Okami“ ja auch funktioniert, doch der war insgesamt fesselnder und zackiger in Szene gesetzt, während „Six-String Samurai“ dessen Faszination leider etwas abgeht, so liebevoll Lance Mungia seinen Mix aus „Mad Max“, „Yojimbo“ und „Straßen in Flammen“ auch ins rechte Licht rückt.
Jeffrey Falcon strengte sich für diesen Film richtig an (Autor, Produzent, Stuntman, Produktions- und Kostümdesigner) – und der Dank war der, dass er seither keinen Film mehr drehen durfte. Zur Top-Riege der B-Darsteller mag er dann auch nicht gehören, doch seine Darbietung ist ganz ordentlich – im Gegensatz zu seinem dauernd schreienden, irgendwann nervenden Kinder-Sidekick Justin McGuire. Der ist der einzige, der sonst noch wirklich Screentime bekommt, der Rest darf schnell wieder abtreten.

Was bleibt, ist ein ideenreicher, liebevoll inszenierter B-Film mit nettem Gehaue und zahlreichen Anspielungen, nur ohne den rechten Drive oder eine nennenswerte Geschichte. Kann man als B-Fan durchaus würdigen, muss man aber nicht.

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