Review

„Zeki auf großer Fahrt"

Ein donnerndes Hohelied auf den hierzulande gern so gescholtenen Pauker war „Fack ju Göhte" zwar nicht. Aber trotz der eindeutigen Fokussierung auf derbe Späße und einem völlig überzeichneten Schulalltag, wehte schon deutlich mehr als nur ein Hauch von Sympathie für den Lehrberuf durch Deutschlands erfolgreichsten Kinofilm anno 2013. Und das lag keineswegs ausschließlich an Charmebolzen Elyas M´Barek, der als prolliger Lehrer wider Willen die Massen im Sturm eroberte.
Unter all den lärmigen Gag-Breitseiten und lustvollen humoristischen Tiefschlägen blitzten immer wieder treffsichere Kommentare zu den ganz speziellen Herausforderungen dieses vermeintlich jedermann bestens bekannten Berufsfeldes auf, die mit einer seltenen Kombination aus genauer Beobachtung und tiefem Verständnis aufwarteten.

Im unvermeidlichen Sequel muss man dafür noch ein wenig genauer hinsehen, denn das gängige „Höher-schneller-weiter"-Prinzip bedeutet hier natürlich vor allem „derber-krasser-schriller". Die Grundidee dafür ist treffend gewählt, denn nichts ist in der Pennäler-Rückschau Mythen-umrankter und Anekdoten-geschwängerter als die gemeinsame Klassenfahrt. Beim Lehrpersonal wiederum nimmt dieser Teil des Berufsalltags ebenfalls eine Ausnahmestellung ein und ist bei nicht Wenigen mit enormen Bauchschmerzen im Vorfeld und in der Rückschau mit verklärender Erleichterung bis hin zu Glücksgefühlen nach einigermaßen unfallfrei überstandenem Fronteinsatz verbunden.

In „Fack ju Göhte 2" wird diese Extremsituation nochmals überdreht, indem es Zeki Müller  (Elyas M´Barek) mitsamt seinem Chaotenhaufen 10B nach Thailand verschlägt, um dort das verfeindete Schiller-Gymnasium auszubooten und das eigene Schulimage aufzupolieren. Zekis Rivale um Ministeriumsgelder und Sozialprestige ist ausgerechnet der Ex seiner Flamme Lisi Schnabelstedt (Karoline Herfurth), ein Vorzeigepädagoge mit eigenem Onlinekanal, auf dem er sein Fach Chemie mit einer aufgesetzten Penetranz aus Coolness und Kompetenz anpreist. Dass sich dieser von Beginn an als Schmierlappen angelegte Hauke Wölki (Volker Bruch) auch noch als eiskalter Opportunist mit krimineller Energie entpuppt, ist aufgrund der plakativen Überzeichnung und Opposition zu Zeki Müller eine der nicht wenigen Schwächen, welche die ohnehin schon recht hohe Absurditätslatte locker reißen.   
Daran krankt fast der gesamte Thailandaufenthalt, der es auf nahezu allen relevanten Humorfeldern - Slapstick, Wotzwitz, Situationskomik - zu sehr übertreibt und teilweise jeglichen Realitätsbezug vermissen lässt. Dazu gesellen sich dann auch noch die arg dünn gesponnenen Handlungsfäden um Zekis in Thailand gelandetes Diebesgut sowie eine Gruppe ortsansässiger Waisenkinder.

Das ist schade, denn die treffsicheren Einsprengsel um jugendliches Selbstwertgefühl, pädagogische Prestigegeilheit um jeden Preis und die Besonderheit einer Klassenfahrt sowohl für die Schülergemeinschaft wie auch deren Verhältnis zum Lehrer gehen bei all dem Gag-Getöse beinahe unter. Vor dem Kalauerdauerfeuer muss diesmal auch der Romantikpart kapitulieren, denn Zekis neue Liebe wird durch einen Schülerstreich am Flughafen unsanft ausgebremst, so dass Karoline Herfurth kaum mehr als eine bessere Nebenrolle bleibt. Damit beraubt man sich aber auch der im ersten Teil so trefflich genutzten Möglichkeit an einem einigermaßen realistisch gezeichneten Lehrer bestimmte Eigenheiten und Schwächen aufs Korn zu nehmen bzw. aus Betroffenensicht zu beleuchten.

Am klarsten ist die erneut bissige und pointierte Realsatire dann auch zu Beginn und am Ende des Films, wenn alle Beteiligten sich im und rund um ihr Schulgebäude aufhalten. Insbesondere in Anwesenheit von Direktorin Gerster (Katja Riemann) sprühen die Sarkasmus- und Zynismus-Funken, dass es eine wahre Freude ist. Davon in einem dritten Teil bitte wieder mehr, auch wenn Chantals erneut enorme Kultspruch-Dichte etwas darunter leiden sollte. All die Lehrer in den unzähligen Schulsondervorstellungen dürften aber auch in „Fack ju Göthe 2" mindestens wohlig schmunzelnd zwischen ihren Schülern gesessen haben. Eine Werbung für ihren Berufsstand haben sie vielleicht nicht gesehen, aber ein anerkennendes Schulterklopfen ist ohnehin viel wertvoller.

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