Maurice, gerade aus dem Knast entlassen, fliegt bei einem neuerlichen Ding auf und kann mit knapper Not entkommen. Sein Verdacht ist klar, sein Kumpel Silien hat ihn verraten. Doch wem kann er wirklich trauen?
Le Doulos war sicher einwichtiger Meilenstein in der Karriere von Jean-Paul Belmondo, der den Silien ausgesprochen cool und abgebrüht spielt. Allerdings war es Serge Reggiani, der für seine Darbietung als Maurice mit einem Preis als bester Darsteller ausgezeichnet wurde. Zurecht.
Melvilles Film geht schon nah an Perfektion heran. Das Ensemble ist großartig aufgelegt, vereinzelte Blicke reichen bereits, um ohne Worte viel zu sagen. Handwerklich ist das auch hervorragend inszeniert. Lediglich die im Studio vor einer Leinwand abgefilmten Autofahrten wirken arg künstlich, aber das hat man seinerzeit ja gern gemacht.
Mit seinen teils ausgesprochen düsteren Bildern schafft Melville eine intensive Atmosphäre, die einen schon von Beginn an gefangen nimmt und nicht mehr loslässt. Da schadet es nichtmal, dass der Film zwischendurch einige Male etwas übertrieben langsam, um nicht zu sagen träge ist, denn obwohl ich behaupte, der Film hätte bequem 10 Minuten gestrafft werden können, war er zu keinem Zeitpunkt langweilig. Cast und Atmo sei Danke.
Die Story ist einfach großartig, trotzdem sie sich ein bisschen zu langsam entfaltet. Die Dialoge sind geschliffen und es bereitet Freude, dem Treiben der Protagonisten bis zum bitteren Ende zu folgen. Der Fokus liegt auf inneren Konflikten, Moral, Loyalität und Verrat. Melville zeigt uns hier mehr als deutlich, dass sich Verbrechen nicht lohnen, denn in diesem Milieu hat man keine Freunde, kann niemandem vertrauen und doch sind Kriminelle auch nur Menschen, die sich danach sehnen, jemandem zu trauen, einen Freund zu haben, nicht allein und einsam zu sein. Doch in diesem Milieu gibt es keine Gewinner, keine Freundschaft, zu groß ist die Angst vor Verrat, zu leicht geht ein Mord von der Hand.
Ein großartiger Noir von einem großartigen Regisseur, mehr als reine Unterhaltung. Ein Gangster-Krimi aus der Neo Noir Ära mit ästhetischem Anspruch, spannend, tragisch, meisterlich, nur ein bisschen zu lang. Großes Kino auf jeden Fall und immer noch sehr sehenswert.