Die Sache hat einen Haken...
“Scream Bloody Murder”, in Deutschland unter den unpassenden und irreführenden Titeln “Blutbad des Schreckens” und “Das Höllenmassaker” vermarktet, ist ein schmuddeliger, billiger und trashiger US-Horror-/Psycho-Thriller aus dem Jahre 1973 und der letzte von anscheinend nur zwei Filmen des Regisseurs Marc B. Ray.
Irreführend sind die deutschen Titel deshalb, weil Ray keinesfalls einen frühen Splatterstreifen drehte, in dem pausenlos gemetzelt würde. Die Morde sind zwar tatsächlich nicht gerade rar gesät, doch der visuellen Umsetzung mangelt es an rotem Lebenssaft und blutigen Details. Zudem dreht sich der Film hauptsächlich um die angeschlagene Psyche seines Protagonisten, der als Kind mit einem Mähdrescher seinen Vater totfuhr, sich dabei selbst die Hand absäbelte und als junger Erwachsener mit einer Hakenkralle als Handersatz aus der Klinik entlassen wird. Jene Klinik scheint nicht sonderlich empfehlenswert zu sein, denn unser Matthew hat immer noch schwer einen an der Waffel, bringt seine Mutter und seinen Stiefvater um und zieht durch die Lande, bis er auf eine Malerin (sekundär) und Prostituierte (primär) trifft, in die er sich folgenschwer verliebt.
Der Film beschreibt Matthews extrem gestörtes Verhältnis zu menschlichen Bindungen und Sexualität in Verbindung mit einer Art narzisstischen Persönlichkeitsstörung, die ihn keinerlei Mitgefühl empfinden und Zurückweisungen akzeptieren lässt. So nimmt er die Prostituierte als Geisel und versucht, ihre Liebe zu erzwingen, wird aber immer wieder von paranoiden Visionen seiner toten Mutter verfolgt.
Das klingt nach einem guten Stoff für einen passablen Psycho-Slasher und es hätte sicherlich auch einer werden können, wären hier nicht solche Dilettanten am Werk gewesen, die es verhindern, den Film auch nur eine Sekunde lang ernstnehmen zu können. Weder Regisseur noch Schauspieler verstehen es, ihren Charakteren emotionale Tiefe zu verleihen, es bleibt nach dem stimmigen Prolog, der den Mähdrescher-Unfall zeigt, bei einer oberflächlichen Farce, die weder eine bedrohliche Atmosphäre zu entfalten noch interesseweckende Spannung zu erzeugen in der Lage ist. Und als spekulativer Exploiter funktioniert „Blutbad des Schreckens“ wegen eingangs erwähnter Blutarmut schon gar nicht. Über weite Strecken ist das einfach ein Laienschmierentheater, das sich erst im Finale auf seine Vorbilder besinnt und endlich mit Suspense sowie einem metaphorischen, für seine Verhältnisse fast schon künstlerischen Finale punktet, bei dem Matthew von seinen Wahnvorstellungen endgültig übermannt wird. Das erinnert durchaus an spätere Genreperlen wie „Maniac“, wenn auch nur halb oder ein Viertel so intensiv. Und wie man sich den Oberkörper aufschlitzen und sich meterweit über den schleppen kann, ohne dabei zumindest eine blutige Kriechspur zu hinterlassen, bleibt wahlweise das Geheimnis des Regisseurs oder des Niedrigstbudgets.
Fazit: Ganz gewiss kein verkannter Klassiker, eher ein über weite Strecken schluderig inszenierter und somit missglückter Low-Budget-B-Flick, der vielleicht gerne ein fieses Stück Psychoterror gewesen wäre. Prolog und vor allem Finale retten ihm aber die Durchschnittsnote aus Sicht eines Genrefreunds.