Was macht ein Natural Born Arschlochkind, das verrückt wie eine Scheißhausratte ist? Richtig, es veranstaltet entweder ein Blutbad des Schreckens oder gleich ein ganzes Höllenmassaker! Der Irrsinn beginnt bereits in jungen Jahren. Mit seinem Papa (Rob Max) arbeitet der kleine Matthew (J.M. Jones) gerade auf dem Feld, als er aus einer Laune heraus das abgestellte Arbeitsgerät (eine häßliche Kombination aus Traktor, Schubraupe und Mähdrescher) besteigt und damit über seinen Daddy hinwegbrettert. Leider funktioniert die Bremse nicht, und so muß Klein-Matthew abspringen. Dabei schafft er das Kunststück, obwohl er seitlich wegspringt, mit seinem linken Arm unter die schweren Ketten des Gefährts zu gelangen. Tschüß Arm, es war schön mit dir, kann man da nur sagen. Immerhin bekommt er anschließend einen niedlichen Haken als Handersatz. Ein paar Jahre später wird Matthew (Fred Holbert) wieder auf die Menschheit losgelassen. Und macht da weiter, wo er aufgehört hat. Let the Gemetzel begin!
Was für eine unfaßbare, wahnwitzige Psychopathen-Sause! Scream Bloody Murder ist ein herrlich plumpes Exploitationmovie, welches auf verstörend-delirierende Weise sowohl unfreiwillig komisch als auch unangenehm effektiv ist. Da kann es durchaus passieren, daß einem plötzlich das Grinsen im Gesicht einfriert, wenn der auf seine Mutter Daisy fixierte, von grausigen, visuell eindrucksvoll gestalteten Halluzinationen (grelle Farbtönung, Bildverzerrung) gepeinigte Irre seinem blutigen Handwerk nachgeht. Nach dem Paukenschlag-Prolog verlieren Regisseur Marc B. Ray und sein Co-Drehbuchautor Larry Alexander auch keine Zeit und präsentieren sogleich den Star des Filmes: Matthew-Darsteller Fred Holbert. Holbert wurde zweifellos für diese eine Rolle geboren; weder davor noch danach war er jemals wieder vor der Kamera zu sehen. Aber seine geniale Darbietung, sein gruseliges Aussehen sowie seine unheimliche Ausstrahlung prägen Scream Bloody Murder so, wie der unvergessene Peter Bark Andrea Bianchis Zombie-Heuler Le notti del terrore (Die Rückkehr der Zombies) geprägt hat. Fred Holbert ist Matthew. Es ist einfach nicht vorstellbar, daß irgendjemand anders diese Rolle gespielt hätte. Seine harten, grimmigen Gesichtszüge, irgendwo zwischen Rattenfratze und Totenkopf. Sein kalter, durchdringender, manchmal auch gehetzter Blick, aus dem Wahnsinn und Sadismus förmlich sprühen. Und natürlich seine abartigen Handlungen, die vor Brutalität und Kaltschnäuzigkeit strotzen und nur dem kranken Gehirn eines völlig Gestörten entspringen können. Ja, das ist schon eine absolut sehenswerte Tour de Force-Performance, die Holbert hier abzieht, und ganz klar die Krönung dieses schundigen Machwerks.
Um sein Blutbad des Schreckens nicht in Monotonie zu ertränken, geht Matthew abwechslungsreich vor. Mal schwingt er die Axt, mal zückt er ein Messer. Mal knackt er einen Schädel mit einem Stein, mal zieht er einen Scheitel mit einer Marmorskulptur (der Unglückliche in dieser Szene ist übrigens The Tall Man himself, Angus Scrimm!). Einmal ersäuft er sein Opfer in einem Fluß, ein andermal erstickt er es mit einem Polster. Und der praktische Haken, den er anstelle des Arms spazieren führt, kommt selbstverständlich ebenfalls zum Einsatz. Die diversen Morde sind meist so hektisch geschnitten, daß man eigentlich nicht viel sieht, aber sie erreichen dennoch eine Intensität, die verblüfft. Neben dem krassen Finale sticht diesbezüglich vor allem das Niedermetzeln einer schwarzen Haushälterin hervor, die er mit den Worten "I'm sorry, lady. I need the house!" eifrig zu Tode hackt. Und warum braucht er die Villa? Um anzugeben natürlich, um Eindruck zu schinden, um das Herz seiner Angebeteten, der malenden Hure Vera (Leigh Mitchell), zu erobern. Daß Vera, die in einer schönen Szene eine Telefonwählscheibe mit der Zunge bedient, mit seinen unorthodoxen Handlungen nicht glücklich ist und seine "Liebesbeweise" nicht zu schätzen weiß, liegt auf der Hand, woraufhin sich der frustrierte Matthew zur Bemerkung hinreißen läßt: "See what I do for you? I get groceries and clothes and art stuff and kill people. And do you appreciate it? No." Tja, Undank ist der Welten Lohn, das muß auch Matthew in diesem kleinen, dreckigen aber für Genrefans mordsmäßig lohnenden Psychopathen-Schocker zur Kenntnis nehmen.