"Schach ist nicht das Leben" sinnierten einst "Goethes Erben", doch für Turnierspieler dreht sich oftmals alles um die 32 Spielfiguren, ein endloses Spektrum diverser Strategien und nicht zuletzt die psychologische Herangehensweise. Autorin und Regisseurin Elodie Namer taucht mit ihrem Drama in die Welt der Schachspieler ein, geht dabei jedoch nicht allzu sehr in psychologische Tiefen.
Schachturnier in Budapest: Sieben Tage, sieben Spiele und für den französischen Meister Cal die große Chance aufs Treppchen. Doch ganz unbemerkt mausert sich der neunjährige Wunderknabe Max zu einem ernsthaften Gegner. Cal muss seine bisherigen Taktiken gründlich überdenken...
Eigentlich erscheint es unlogisch, dass Schach als Sport bezeichnet wird, denn bis auf einige Gehirnzellen und ein Arm wird da nicht viel bewegt. Dennoch sind gewisse körperliche Belastungen nachgewiesen und der konzentrierte Spieler sollte besser nicht zuvor eine Flasche Tequila geleert haben, wie etwa Cal vor seiner ersten Partie, was ihn natürlich sogleich als arrogant und überheblich dastehen lässt.
Allerdings nehmen die Spiele relativ wenig Zeit in Anspruch, das Drumherum wirkt demgegenüber oftmals ein wenig überkonstruiert und bindet einige recht oberflächlich gestrickte Nebenhandlungen ein, wie den jungfräulichen Teamkollegen, das Kräftemessen mit Trainer Viktor oder die merkwürdige Beziehung zu Lou, die vor jedem Sex um 50 Euro bestimmte Sachen wettet. Kleine Aufheiterungen wie ein Turmbau mit Hotelinventar sind zwar willkommen, doch zuweilen driftet das Geschehen zu sehr in Klamauk ab, etwa beim Fangspiel quer durch Hotelräume oder bei einer Poolparty.
Ohne Vorkenntnisse des Spiels dürften Laien wenig mit Begriffen wie slawisch, katalanisch, sizilianisch oder Stonewall anfangen können, wobei auch nur minimale Grundkenntnisse vorausgesetzt werden und sich einige Partien von selbst erklären. Natürlich kommt es gegen Showdown zum Duell zwischen Cal und Max, wobei der Ausgang wenig überrascht und die Pointe eher weichgespült erscheint.
Dazwischen sorgen die zumeist authentisch wirkenden Mimen für Abwechslung, da einige Figuren interessante Eigenheiten aufweisen, eine gewisse Chemie zwischen Cal und Lou zu spüren ist und auch der Score weiß verschiedene Stimmungen treffend zu untermalen.
Die Kamera arbeitet sauber und bindet leider viel zu selten die Umgebung außerhalb des Hotels ein, zumal Budapest nicht nur aus triefenden Spelunken besteht.
Die mehrheitlich ruhige Erzählweise lenkt zuweilen etwas vom Wesentlichen ab und auch das Duell zwischen den ungleichen Finalisten hätte einen besser ausgearbeiteten Spannungsbogen verdient gehabt, was die letzte Partie schließlich untermauert.
Dennoch ein unterhaltsamer, fast durchweg kurzweiliger Streifen, dem der deutlichere Fokus aufs Schachspiel wahrscheinlich mehr Suspense verliehen hätte.
6 von 10