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"Ich bin Dracula.. das Original aus den Universal Studios!" - Killer Barbys vs. Dracula

Wo Altmeister Jess Franco sich mit Filmen wie "Oase der Zombies", "Eine Jungfrau in den Krallen von Zombies", "Faceless" und "Greta" in die Herzen der Sexploitation- und Exploitation-Fans gedreht hatte, muss man jetzt leider sagen, dass "Der Meister des Bizarren" mit "Killer Barbys vs. Dracula" den absoluten Tiefpunkt seiner Kariere hinlegt und es tut allein schon weh, Jess Francos Namen in dieser Produktion zu lesen. Auch wenn die meisten "normalen" Kritiker nichts mit ihn anfangen konnten, kamen auch sie kaum drum herum seinen alten Filme einen gewissen Charme zuzusprechen. So konnte man Flicks wie "Oase der Zombies" dank eines hohen Trashfaktors noch Einiges abgewinnen und selbst der recht blutleere "Mondo Cannibale 4" zeugte von Momenten, die zu gefallen wussten. Über seine absoluten Klassiker wie "Der Hexentöter von Blackmoor", "Necronomicon - Geträumte Sünde" oder "Vamypros Lesbos" müssen wir erst gar nicht sprechen, denn dies sind allesamt Meisterwerke seines filmischen Schaffens, welches sich mittlerweile über 150 Werke erstreckt.
Man bemerkte es aber schon bei Filmen wie "Lust for Frankenstein", der noch seine schönen Momente hatte, dass Franco einen Weg einschlug, den viele Fans nicht mitgehen werden. Ausgestattet mit einer digitalen Kamera produzierte er seit Jahren einen "Film" nach dem Anderen und sieht in der Digitaltechnik den Vorteil, sein gefilmtes Material leichter bearbeiten zu können. Recht hat er, aber leider ging diese technische Erleuchtung zu Lasten seines filmischen Talents, wenn man heute überhaupt noch davon sprechen darf. Immer noch auf Sex setzend, schmeißt er hier mit Geschichten um sich, bei denen wahrscheinlich kein einziges Wort auch nur einmal ein Blatt Papier gesehen hat. Franco schreckt vor nichts zurück, nicht einmal davor seine Frau Lina Romay in "Lust for Frankenstein" nackt und noch dazu mit dreckigen Socken vor die Kamera zu stellen. Das man hier nicht mehr von der Freude an der Lust sprechen konnte, muss man glaube ich nicht weiter drauf eingehen. Wo aber der oben genannte Film und z.B. "Vampire Sex" noch Momente hatten, denen eingefleischte Fans etwas abgewinnen konnten, ist "Killer Barbys vs. Dracula" nicht einmal ansatzweise gelungen und verschreckte sogar die härtesten Franco-Fans.
Was genau uns Franco mit dem Film sagen will, habe ich auch nach dem dritten Mal ansehen nicht so ganz verstanden. "Killer Barbys vs. Dracula" ist in keiner der 85 Minuten spannend oder gar gruselig. Erotik ist gleich null und selbst der Gorefaktor sucht sich seine Reserven zusammen um diesen Film zu ertragen. Wenn man hier von Trash sprechen darf, ist der Film Trash hoch 30 und das nicht im positiven Sinne. Sämtliche Akteure agieren absolut überspitzt und nerven mit er Zeit gewaltig. Wo zu Beginn Silvia Superstar von der Band Killer Barbys als positiver Aspekt im Film gesehen werden darf, nervt selbst das Auftreten der scharfen Spanierin nach einer Weile gewaltig und das ständige Wiederholen desselben Songs wird irgendwann unerträglich.
Unerträglich auch der Cameo von Katja Bienert („Schulmädchen-Report 13: Vergiss beim Sex die Liebe nicht“, “Schulmädchen vom Treffpunkt Zoo“), die hier eine Reporterin spielt und allein schon wegen ihrer grauenhaften Synchronisation nach kürzester Zeit anödet, aber dazu später mehr. Wo ihr Auftritt in der deutsch/italienischen Independent-Produktion “Dämonenbrut“ noch zu überzeugen wusste und man das Duo Bienert/Franco schon lange wieder gemeinsam in einer Produktion sehen wollte, ist ihre Rolle nur noch peinlich und findet ihren traurigen Höhepunkt in einem Dialog, der dümmer hätte nicht sein könnten: “Sind sie der echte Dracula?“, „Ja“, „Und wie alt sind sie?“, „Ungefähr 300“, „Hatten sie schon mal Probleme mit Aids?“Muhahaha, dass der Skinhead..äh, der Graf Dracula... das nicht witzig findet ist klar und so gibt es dann auch ein schnelles Ableben. Bon appetit!

Der vergeht einem allerdings sehr schnell, wenn man Francos Frau Lina Romay sieht, die „Gott sei Dank!“ angezogen bleibt. Als Genossin Irina, Leiterin des Tourismusbüros von Transylvanien bringt sie mit ihrem russischen Dialekt absolute Hektik mit ins Spiel und sollte eigentlich komisch wirken, aber irgendwann wünscht man sich doch, dass sie die Klappe hält und sich lieber auszieht, dann hätte man wenigstens einen Grund den Fernseher direkt auszuschalten. Dracula, gespielt von Enrique Sarasola, ist auch nur eine Lachnummer und man stelle sich vor, da liegt der glatzköpfige Graf in einem Sarg mit Aussicht, den Pflock noch im Herzen und wird durch den Killer Barbys-Song “Wake Up“ zu neuem Leben erweckt. Da liegt er doch tatsächlich im Sarg und fängt an zu zappeln und mit dem Kopf zu nicken. Zugegeben, da musste ich schon lachen, denn blöder geht es nun gar nicht mehr. Aber zumindest hat der Graf Musikgeschmack. Die Auftritte von Bela B. Felsenheimer und Dan van Husen, sowie dem Produzenten Carsten Frank sind zwar nett, können den Film jedoch auch nicht mehr retten.

Ich muss es jetzt einfach loswerden: der Film ist blöd, vielleicht sogar so blöd, dass man ihn sich sogar mit Freunden noch einmal anschauen könnte um gemeinsam zu leiden. Auch wenn man Trash liebt und ich liebe Trashfilme, nimmt sich der Film im ganzen noch viel zu ernst und wenn man die gute Musik weglässt, die dem Film und den ganzen Albernheiten noch etwas Unterhaltungswert geben, würde nichts bleiben, was bei über 80 Minuten zu ertragen wäre. Slapstick ist gut, doch dann bitte auch professionell und mit Niveau, das sollte man auch bei solch einer Produktion erwarten dürfen...

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