Review

„Du könntest heute Abend mit mir ins Kino gehen!“ – „Ja! Da wäre nur eines: kein Horrorfilm!“

Der in erster Linie als Kameramann tätig gewesene Joseph Mangine lieferte im Jahre 1986 mit „Neon Maniacs“ seine zweite von nur zwei Regiearbeiten (die erste datiert auf 1968) ab, ein exemplarisches Stück US-80s-Horror-Schund aus der dritten Reihe.

Die „Neon Maniacs“, eine zwölfköpfige wortkarge Gruppe von Monstermutanten oder so, mordet sich brutal durch San Francisco. Backfisch Natalie (Leilani Sarelle, „Basic Instinct“) ist die einzige Überlebende des Massakers und niemand will ihr so recht Glauben schenken – außer der jungen Mitschülerin Paula und Natalies neuem Freund Steven (Clyde Hayes, „Freitag der 13. – Das letzte Kapitel“). Beim „Battle of the Bands“ kommt es zum Showdown…

Richtig, das war’s im Prinzip schon, denn viel mehr Handlung hat „Neon Maniacs“ nicht zu bieten und die vorhandene lässt stark zu wünschen übrig. Das schnell dahingeschmiert wirkende Drehbuch gibt sich keinerlei Mühe, die Maniacs mit einer Hintergrundgeschichte, einem Motiv oder sonst irgendetwas zu versehen, was ihnen zu so etwas wie einer eigenen Mythologie verhelfen könnte. So sind sie einfach plötzlich da, niemand weiß, woher sie kommen oder wohin sie gehen, aber meucheln im Prolog gleich ordentlich drauf los. Immerhin stattete man das dreckige Dutzend mit individuellen Masken und Fähigkeiten aus, was an typische 80er-Comic- und/oder Actionfigur-Pop-Kultur erinnert und von einer leider ebenfalls nicht näher erläuterten Neon-Maniacs-Sammelkarten-Szene zu Beginn des Films unterstrichen wird.

Angereichert wird das banale Geschehen mit der obligatorischen Romanze zwischen Natalie und Steven, doch seine Qualitäten hat der trashige Flick selbstverständlich ganz woanders: Einmal mehr ist es die handgemachte Make-up- und Spezialeffektarbeit, die neben der vollen Dosis 80er-Atmosphäre das Interesse des Genrefreunds weckt. Die Masken der Maniacs sind mal weniger, oft aber mehr gelungen, die Metzelszenen fielen mitunter recht brutal aus und ansehnliche Melt-Effekte und Schleimspritzereien sorgen für wohligen Ekel – die Maniacs sind nämlich mit schlichten Wasserpistolen zu bekämpfen, worauf sie dahinzuschmelzen neigen.

Ob das nun eine so gute Idee ist, sei dahingestellt, ebenso wie die mit gleich zwölf mörderischen Freaks verdammt hoch bemessene Anzahl an Antagonisten. Doch obwohl man durch zwölf individuelle Monstren eigentlich genug filmfüllendes Potential haben sollte, geht „Neon Maniacs“ im Mittelteil arg die Luft aus und streckt sich durch seine anscheinend unverzichtbaren Musik- und Tanzeinlagen mühsam auf Spielfilmlänge. Denn was liegt nahe, wenn Monster und Mutanten die Stadt verunsichern? Richtig, man geht zum Singen und Tanzen auf eine Halloween-Party – auf dieser entpuppt sich Steven sodann als Schnulzensänger, dessen Nummern sich mit denen einer Hair-Metal-Band abwechseln! Der ansonsten eingesetzte Synthie-Soundtrack muss dafür innehalten. Ja, das ist das volle 80er-Brett!

Schauspielerisch geht das alles für eine solche Genreproduktion ganz in Ordnung, ins Langzeitgedächtnis spielt sich jedoch höchstens „No Name“ Donna Locke in ihrer anscheinend einzigen Rolle als Paula, weil sie irgendwie reichlich eigenartig aus der unvorteilhaften Wäsche glotzt. Sinn ergibt „Neon Maniacs“ vorne und hinten nicht, was man leicht euphemistisch mit einem „offenen Anfang und offenen Ende“ beschreiben könnte. Wer jedoch in Kindheitstagen vom Videothekenfutter traumatisiert wurde und seitdem süchtig ist nach 80er-Kreaturenspektakeln, wird auch trotz aller Unzulänglichkeiten mit den „Neon Maniacs“ nostalgisch verklärt eine nicht unangenehme Zeit verbringen – auch damit ächzt sich Mangines Film aber lediglich mit Ach und Krach auf eine Durchschnittsposition, die ich mit 4,5/10 beziffere.

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