In zehn Jahren Filmclubhopping kommen einem einige Filme schon mal doppelt unter. "Maniacs - Die Horrorbande" ist mir in zwei verschiedenen Kinos begegnet und hat mich beide Male amüsiert. Nur leider wie mir scheint einige Jahre zu spät.
Der Film um den tödlichsten Monstertrupp seit den Creature Commandos gehört nämlich trotz Indizierung zu jenen Horrorfilmen, deren Altersklasse nicht so ganz klar ist und befindet sich damit in bester Gesellschaft mit den beiden "Troll" - Filmen und "The Gate - Die Unterirdischen": Kinderfilme ab 18 halt. Der Index ist schon längst nicht mehr das, was er mal war.
Der Prolog weiß zu berichten, dass die Maniacs (von Sprecher Leon Rainer Herr denglisch "Many Jecks" betont) den seelischen Abgründen der Sünden verkleben Menschheit entsprangen und nun deren Nachkommen terrorisieren. Nathalie erfährt das an ihrem Geburtstag am eigenen Leibe, als die bei der Spontanparty im Stadtpark mal eben ihre ganze Clique gewaltsam einbüßt. An da ist das It-Girl schulmäßig und sozial allein auf weiter Flur, zumal ihre Schüler ihr eine gewisse Beteiligung an den Morden anmunkeln. Kinder können grausam sein.
Der Flurfunk erregt sofort die Aufmerksamkeit von Nerdgirl und Amateurfilmerin Paula, die den Maniacs nachstellt und sich Nathalie und ihrem neuen Freund Steve im Kampf gegen die Monster anbietet. Und damit nicht genug: Am Abend der Schlacht gilt es für Steve im jährlichen Battle of the Bands mit seiner Schmalzertruppe aus Popkids die Cockrocker von nebenan fertig zu machen! Typischer Schulstress also.
Das bunte Treiben der "Neon Maniacs" (Originaltitel und Name einer geilen, aber leider vergessenen Punkrockband) guckt sich etwa so, als hätte ein Haufen Kinder seine Actionfiguren zu einem genreübergreifenden Konvolut zusammengekippt und würde nun einen ganzen Nachmittag lang eine zünftige Gruselgeschichte durchspielen. Wer schon immer den Kampf Barbies und Kens gegen die Zenobiten bezeugen wollte und bisher den Mangel an Kooperation mangels Clive Barkers und Mattel beklagen musste kommt hier voll auf seine Kosten, denn der Kader der Figurentruppe, die aussieht wie die schwarze Liste der Augsburger Puppenkiste, macht optisch durchaus was her. Und diese Diversität erst: vom goblinoiden Bogenschützen bis zum zombieesken Killersamurai ist der Trupp wirklich kunterbunt und durchgeknallt. Meine Favoriten sind übrigens der Ledergimp mit den elektrischen Händen und der Protozenobite, den Pauls per Dusche ins Jenseits spühlt: einer der schönsten Schmilztode außerhalb von "Street Trash". Und eine Warnung vor dem Los, dass den Wasserallergikern dieser Welt blüht.
Apropos Paula: warum DIE am Ende kein verdientes Hottie als Love interest bekommt ist mir schleierhaft, da sie einen Löwenanteil der Monstervernichtungsarbeit leistet. Aber auch Steve und Nathalie erweisen sich nicht zwangsläufig als untätig, wenn auch das Finale von ihrer Seite mit Petting statt mit Monsterkloppe begangen wird.
Zu der Schüppe Comicaction und der Prise Kölner Karneval gesellt sich übrigens auch der zarte Hauch eines Schußfitzelchens Pubertätsnot a la "Nightmare - Mörderische Träume" bzw. "Der Blob", da es mal wieder unbeaufsichtigte bzw vernachlässigte Teenies sind, die den Karren aus dem Dreck ziehen, aber nicht damit rechnen dürfen, ernst genommen zu werden. Die Moral des Filmes: die Erwachsenenwelt ist scheiße, da ungerecht. Und wenns nicht gerade regnet, so gemahnt Steve am Ende nochmals, habe man besser seine Wasserpistole griffbereit. Und damit verabschiedet sich eine weitere Generation, die unter dem "Peanuts" - Effekt zu leiden hatte in den Abspann. Frohe Restpubertät noch!
Hätte ich die damalige Zeit erlebt hätte ich mir angesichts der Aushangsbilder und des Plakate wahrscheinlich die krassesten aller Rauberpistolen mit meinen Kumpels ausgemalt. Und damit wahrscheinlich das Gezeigte stellenweise überboten: was von außen wie knallharte Terrorkino mit Okkultanstrich anmutet ist in Wahrheit pubertätskompatibler Schmunzelgrusel mit etwas zu hoher Einstufung. Und dennoch, der Puppen Horror hat einen naiv kindlichen Charme, der hochgradig ansteckend ist. Demnach hätte ich den Maniacs ja auch eine längere Halbwertszeit gegönnt, mitsamt Fortsetzungen, Cartoonserie und eigener Spielzeuglinie.
Aber nein: hiernach war Schluss. Was mit den menschlichen Akteuren passierte weiß ich nicht, aber geruchteweise sollen die Mani-Jecken auf Musik ungesattelt und sich in die Rockbands Lordi und G. W. A. R. aufgespalten haben. Außer Britzelbernd, dem Stromgimp: der ging als Serienkiller "Zipperface" ein weiteres Mal unrühmlich in die Filmgeschichte ein. Alles erlogen und aus zehntausend anderen Dingen zusammengewürfelt? Stimmt. Aber hey, bei der Horrorbande hat's ja auch funktioniert. Erstens das uns zweitens sind auchausgewachsene Horrorheads nie zu alt für eine gute alte Räuberpistole. Danke, liebe Maniacs, dass ihr uns daran erinnert habt.