In der PräLeone- und Djangozeit bestand der italienisch/spanische Western vor allem aus oftmals erfolglosen Kopien ihrer amerikanischen Brüder. Auch „Für drei Dollar Blei“ entstand in dieser Zeit und reiht sich nahtlos in diese Riege ein:
Die Story ist schon aus vielen Western bekannt. Ein reicher Bürger (hier Morrison) unterdrückt mit Hilfe seiner Mannen die Farmer einer kleinen Stadt. Niemand wagt es sich ihnen in den Weg zu stellen, da auch vor Leichen kein Halt gemacht wird. Die Situation ändert sich erst, als ein Fremder in die Stadt kommt, getrieben von Rachegelüsten an Morrison. Dieser hat nämlich den Vater des Fremden ermorden lassen.
Klingt eigentlich ganz spannend, ist es aber nicht. Am Anfang wird dem Zuschauer erstmal eine Verfolgungsjagd zu Pferd präsentiert, mit der er nichts anfangen kann, da man erst viel später den Grund dafür erfährt. Unterbrochen wird diese von der Einblendung des deutschen Vorspannes, welcher so dilettantisch eingefügt wurde, das es einem schon fast in den Augen schmerzt. Danach wird dem Zuschauer die Ausgangssituation klar gemacht, indem ein bisschen Gewalt gezeigt wird und der Fremde in letzter Sekunde Schlimmeres verhindert. Weiter geht die wilde Hatz und unser netter Fremdre freundet sich auch schwupps mit der Tochter des Erretteten an und versucht eine eigene Existenz aufzubauen. Dies geht natürlich komplett in die Hose, sodass nun der „Zwergenaufstand“ geprobt wird und die Farmer mobilisiert werden. Zwischendrin taucht auch noch ein Sheriff auf, genau, der aus der Verfolgungsjagd am Anfang; der unseren Fremden eigentlich in den Knast schicken will, der Zufall es aber so will, dass er von Morrisons Männern während des Transportes verwundet wird, sodass unser Fremder, den Sheriff bei sich pflegt. Diesem ist es nun auch relativ Schnuppe, dass Herr Fremder noch eine Rechnung offen hat. Natürlich stellt sich noch heraus, dass der Fremde eigentlich gar nicht in den Knast muss, da er unschuldig ist. Wie sollte es auch anders sein bei diesem geleckten Burschen und das Ende muss kommen, wie es kommen muss...
Friede, Freude, Eierkuchen sozusagen. Die Bösen bekommen ordentlich eins auf den Deckel und der Fremde seine Angebetete. Wie schon gesagt ist das alles nichts Neues, sodass man sich hier auf die Durchführung des Stoffes konzentrieren kann. Und da fällt einem vor allem die langsame Inszenierung auf, die dazu führt, dass sich der Film zieht wie ein Kaugummi. Jeder noch so kleine Nebenstrang wird ausgetreten. Hier hätte dem Film eine Straffung sicher gut getan. Auch merkt man dem Film das amerikanische sehr deutlich an: angefangen bei den Sets, herüber zur Kleidung bis zum Aussehen der Leute: nahezu clean. Das Dreckige der späteren Genrevertreter wird hier vermisst. Übertrieben hat man es mal wieder bei den total überspielten Sterbeszenen. Teilweise hat man schon Tränen in den Augen, nicht aus Mitleid, sondern wegen dem ungewollt Komischen der Szenen. Dazu trägt auch die deutsche Synchro bei, in der alle englisch klingenden Namen schön eingedeutscht gesprochen werden. Auch wenn die Inszenierung im Großen und Ganzen eher zum Einschlafen ist, können doch wenigstens einige Passagen überzeugen. So weis besonders das Finale zu gefallen.
Auf der schauspielerischen Seite ist der Film auch keine Offenbarung. Durchgehend mit den B-und C-Stars besetzt, scheinen diese wenig motiviert gewesen zu sein. Oft stapfen sie mit einem Gesichtsausdruck durchs Bild, der während des Filmes höchstens mal um ein oder zwei Andere erweitert wird. Durch den cleenen Look wirken auch die Banditen alle harmlos, meist gut rasiert und nicht wirklich böse dreinblickend. Die Damen wirken hier ebenso recht unbeholfen und können höchstens als Blickfang dienen.
Wenn Story und Schauspiel schon hinken, dann kann ja oft noch die Musik was rausreißen. Nun, hier nicht. Sie wirkt oft gar nicht präsent, agiert mehr im Hintergrund und „düdelt“ vor sich hin. So kommt auch meistens keine wirkliche Atmosphäre auf, was der Spannung im Film nicht gerade gut tut.
Immerhin kann man dem Kameramann keinen Vorwurf machen, er hätte nichts probiert. So hat er hier mit einigen Brennweitenzooms gespielt und auch mal die Kamera auf ein Wägelchen gestellt, um bei Verfolgungsjagden ein Gefühl von Dynamik aufkommen zu lassen. Leider hat der Schnitt ihm hier eine Schippe geschlagen. Die Szenen wirken mehr als unglücklich aneinander gereiht, sodass es einem vorkommt, man hätte die Szene aus einzelnen Takes zusammengesetzt. Vielleicht war es ja auch so? Naja, der Wille war da, die Mittel anscheinend nicht wirklich.
Abschließend kann man sagen, dass der Film kein Totalausfall ist, er aber auch nicht über das untere Mittelmaß herauskommt und auch hartgesottene Western-Fans werden nicht wirklich ihre Freude dran haben.