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"Ich bin der erste Mensch, der ganz allein auf einem Planeten ist."

Bei einer Marsmission muss das Team von Kommandantin Melissa Lewis (Jessica Chastain) den Planeten unverhofft durch einen Sturm verlassen. Dabei wird Mark Watney (Matt Damon) von einem Trümmerteil erfasst und als Totgeglaubter zurück gelassen. Watney trägt jedoch nur eine Verletzung davon. Als Gestrandeter auf dem Mars versucht Watney fortan zu überleben. Er teilt die vorhandene Nahrung ein und beginnt Kartoffeln mit zurückgebliebenen Gerätschaften und Chemikalien anzubauen. Als auch eine Kommunikation zur NASA auf der Erde zustande kommt, versucht der Direktor der NASA Teddy Sanders (Jeff Daniels) und Vincent Kapoor (Chiwetel Ejiofor) eine Rettungsmission zu organisieren. Die Zeit wird knapp, denn allzu lange reichen die Vorräte von Watney selbst mit Anbau nicht aus.

Science-Fiction Filme erleben in den letzten Jahren einen dritten Frühling. Nicht nur, dass sie wieder häufiger vertreten sind sondern auch deren Qualität ist gehoben. Preisgekrönte Beispiele bilden der Überlebenstrip "Gravity" und der anspruchsvolle und tiefsinnige Film "Interstellar".
Regisseur Ridley Scott hat in den letzten Jahren einstecken müssen. "Exodus: Götter und Könige", "Robin Hood" und auch das "Alien"-Reboot "Prometheus - Dunkle Zeichen" hatten viel Kritik einstecken müssen. Dabei hat Scott einst das Science-Fiction-Genre durch "Blade Runner" und weiteren Vertretern revolutioniert. Zwar kommt "Der Marsianer - Rettet Mark Watney" nicht an Scott's besten Werke heran, ist jedoch besser als viele seiner Filme in den letzten Jahren.

Sicherlich bietet die Handlung wenig Originalität. Häufig wirkt "Der Marsianer" wie eine Mischung aus "Cast Away - Verschollen" und "Apollo 13", jedoch mit einer heitereren Stimmung. Auch der Wurf mitten in die Geschichte hinein, wirkt zunächst etwas brachial. Nach einer außergewöhnlichen, einstimmenden Hälfte, zieht der Science-Fiction Film aber auch seine Spannungskurve an.

Trotz der trostlosen Ausgangssituation ist die Stimmung nur selten deprimierend. Der Grund ist der überaus optimistische und sympathische Protagonist. Stets mit einem lockeren Spruch kommentiert er seine Erlebnisse, Hoffnungen und Ideen. Die Selbstgespräche driften dabei auch mal in weniger verständliche naturwissenschaftliche Themen ab.
Die Bindung zur Hauptfigur findet schnell statt. Durch den Fokus auf diese kommen sämtliche anderen Charaktere etwas kurz. Dadurch entstehen schnell die üblichen Stereotypen.

Die Authentizität leidet etwas unter der manchmal schon albernen Stimmung. Nicht nur durch die Monologe sondern auch manch nicht nachvollziehbarer Handlung der Charaktere und der gewöhnungsbedürftigen Musikauswahl. Dabei passt insbesonders der zum Abspann laufende Song "I Will Survive" von Gloria Gaynor auch thematisch sehr gut.
Zumindest verhindert der Fokus auf die Kommunikation zwischen Watney und der NASA tränengeschwängerte Emotionen seitens der Familie. Die übliche Glorifizierung amerikanischer Botschaften über Kameradschaft, Verantwortungsgefühl und selbst internationalem Zusammenhalt, sind aber auch hier nicht wegzudenken.

Die Kamera fängt einige beeindruckende Bilder ein. Die Landschaften auf dem Mars sind von epischer, wunderschöner Größe. Die Effekte betten sich organisch zu den echten Kulissen ein.

Mit einem facettenreichen Schauspiel dominiert Matt Damon ("Elysium", "True Grit", "Good Will Hunting") in "Der Marsianer". Den Film über weite Teile allein zu tragen, gelingt ihm mühelos. Jessica Chastain ("Zero Dark Thirty"), Michael Peña ("Million Dollar Baby", "Ant-Man"), Sean Bean ("Silent Hill"-Reihe, "Game of Thrones"), Jeff Daniels ("Speed", "Die Chaoscamper") sowie Chiwetel Ejiofor ("12 Years a Slave", "2012") präsentieren sich alle solide, trotz der Einschränkungen durch das Drehbuch.

An den unerwarteten Trotz des Protagonisten muss man sich sicher zunächst gewöhnen. Ist dies geschehen, unterhält "Der Marsianer - Rettet Mark Watney" jedoch sehr gut. Die erste Hälfte ist zwar noch von Trägheit durchwachsen, sobald sich die Unglücksfälle aber häufen steigt die Spannungskurve. Und das trotz vorhersehbarem Ende. Die Besetzung ist gut, die Bilder vermitteln ein episches Abbild des roten Planeten. Zwar mag die Musikauswahl nicht wirklich passen, eingängig ist sie dennoch. Sehr knappe ...

9 / 10

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