Wenn die Gelegenheit kommt, einfach mal einen raren klassischen Western schauen.
So dachte ich mir zumindest, als der nicht eben andauernd ausgestrahlte „Garden of Evil“ mal wieder durchs Programm stromerte.
Schlussendlich aber muss ich konstatieren: schöne Bilder, wenig Substanz!
„Der Garten des Bösen“ ist eins dieser enorm an- und aufgeblasenen Westernepen, die die Wagenburg des Kinos gegen die Attacken der kleinen Fernsehindianer schützen sollte. Cinemascope, glühende Farben, weiten Landschaften, so sollte das Volk von der kleinen schwarz-weißen Kiste wieder ins Kino gelockt werden.
Ein Stück weit funktioniert das sogar: wunderbare Berglandschaften breiten sich vor und hinter den Protagonisten aus, wenn sie im Apachengebiet unterwegs zu einer abgelegenen Mine sind, in der Susan Haywards Mann unter einem Mühlrad halb begraben liegt. Wenn sie durch ein Gebiet kommen, in dem ein Dorf unter Lavamassen begraben wurde und nur der Kirchturm noch heraus ragt, dann zeigt der Film die erhoffte Wirkung.
Weniger einprägsam sind dagegen die wiederkehrenden „Gradwanderungen“, die sie im Gebirge mit ihren Pferden (und bisweilen verfolgt von Indiandern) überstehen müssen. Hier sind die leuchtenden Landschaftshintergründe leider mehr als überdeutlich als gemalt erkennbar und nur für Nostalgiker als charmant einzuordnen.
Wirklich hapern tut es allerdings erst mit dem Plot, dieses Alibi-Westerns, der eigentlich eine Abenteurer-Schatzsucherstory darstellt. Zufällig wegen eines Schiffsschadens in einem mexikanischen Küstenort gestrandet, lassen sich drei (bzw. vier, ein Einheimischer schließt sich an) Abenteurer von Haywards Minenbesitzerin für die Rettung ihres Mannes engagieren, wobei das dort vorhandene Gold natürlich auch nicht ohne Reiz ist. Das einzige Problem: das alles liegt im Apachengebiet und ist brandgefährlich wie unzugänglich.
Das Gold – normalerweise ein unzerstörbarer Troubleshooter – spielt allerdings im weiteren Verlauf kaum noch mehr als eine Nebenrolle, stattdessen will der Plot uns glauben machen, dass jeder der drei (richtig zählen natürlich nur die US-Amerikaner, der Mexikaner spricht ja nicht mal englisch/deutsch) irgendwie auf Hayward fixiert ist und einen gesegneten Helferkomplex entwickelt.
Das funktioniert leider so gar nicht. Dass Hugh Marlowe nach seiner Rettung und medizinischen Behandlung plötzlich seine patente Frau verstößt, ist genauso pathetisch aufgemacht, wie Cameron Mitchell sich von netten, lockeren Burschen auf dem Weg plötzlich in eine rasende Wildsau mit mieser Laune verwandeln darf.
Widmark, der als Spieler hier noch die dankbarste Rolle abbekommen hat (wie so oft!), muss als Trotzköpfchen stetig beweisen wollen, dass er trotz seines Lebenswandels was wert ist (und um ein Ehrenmann zu sein, muss er dann wieder betrügen), während ein schon sehr großväterlich knautschzoniger Gary Cooper (das war zwei Jahre nach „High Noon“, aber er sieht um ein Jahrzehnt älter aus), als verkehrberuhigter Superschütze und Kenner der menschlichen Natur als typischer Publikumsheld leider versagt.
Daneben gibt Hayward trotz guter Arbeit einfach nicht genug Rasse und Konflikt her (oder auch nur Erotik), um die Männer so „drauf“ zu bringen. Und gerade weil die Herren sich so rund um die Frau engagieren, wirkt Haywards Hemdsärmeligkeit noch verstörender.
Die Indianer, die über die ersten zwei Filmdrittel geschickt als unsichtbare Bedrohung mitgeschleppt wurden, tauchen dann erst zum Finale auf, werden aber als gesichtslose Masse zum einzelnen Abschießen präsentiert, die auch nicht besser mit „ihrem“ Areal umgehen können, als die „weißen“ Eindringlinge.
Am Ende und zwischendurch gibt es ein paar philosophisch-moralische Ansätze zum Thema Gier und Verzweiflung, die so gar keine Entsprechung im mäßig entwickelten Goldplot haben, aber danach darf das Paar endlich in den goldenen Sonnenuntergang reiten.
Dass das Kino allein mit Herrmanns Musik und Krasners guter Kamera nicht gerettet werden konnte, beweist „Garden of Evil“ ganz deutlich, dafür liegt der Balken bei Hathaways Film zu flach. Auch ist Cooper, der hier schon zum sechsten Mal mit Hathaway drehte, deutlich zu alt für eine mitreißende Präsentation.
Aber manchmal reicht ja schon Reiten, Schießen, Panorama. (6/10)