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Eigentlich ist der titelgebende Raum ein Ort für Musiker, um runter zu kommen, Adrenalin abzubauen und den Auftritt Revue passieren zu lassen. Autor und Regisseur Jeremy Saulnier funktioniert diesen Ort zu einer Stätte des Terrors um, der mit fesselnder Realitätsnähe um sich greift.

Die Tour der vierköpfigen Punkband „The Ain’t Rights“ läuft alles andere als erfolgreich, so absolvieren sie schließlich einen Gig in den abgelegenen Wälder Oregons, in einem Schuppen voller Neo-Nazis. Den Auftritt überleben sie, doch dann werden sie Zeuge eines Mordes und sitzen mit einem Nazi im Green Room fest. Oberboss Darcy (Patrick Stewart) setzt alles daran, die unliebsamen Zeugen ausschalten zu lassen…

Etwas zu lang ist die Exposition ausgefallen, die teils wie eine dröge Milieustudie daherkommt, jedoch wenig über die Figuren verrät. Als die vier schließlich auf der Bühne stehen und ausgerechnet Nazi punks fuck off“ von den „Dead Kennedys“ spielen, könnte das als kollektiver Suizid betrachtet werden, denn es wundert, dass lediglich Flaschen fliegen.
Jedoch etabliert sich von diesem Zeitpunkt an ein unbehagliches Gefühl der Unberechenbarkeit, welches das darauf folgende Geschehen maßgeblich bestimmt.

Zweifelsohne sitzen die vier Musiker um Pat (Anton Yelchin) in der Falle, Skinheadbraut Amber (Imogen Poots), der Freundin der Getöteten, ist nicht zu trauen und darüber hinaus erweist sich der bullige Aufpasser als unbequemer Verhandlungspartner, welcher auf Befehle von außen wartet, da der Raum abgeschlossen ist.

Saulnier entwirft mit simplen Mitteln einen klaustrophobischen Thriller, der auf handwerklicher Ebene keinerlei Schnörkel benötigt, um effektive Spannungsmomente zu generieren. Förderlich hierbei ist das überwiegend rationale Herangehen der Überlebenskämpfer, welche sich einige Tricks zur Gegenwehr einfallen lassen, während die Nazis Kampfhunde loslassen, um nicht selbst in die Schusslinie zu geraten.

Überraschend sind diesbezüglich einige ungeahnt harte Gewalteinlagen, welche nicht nur komplett handgemacht sind, sondern ebenfalls zur Glaubwürdigkeit der Szenerie beitragen, da einige Effekte verdammt realistisch aussehen und nichts übertrieben dargestellt wird.
Hinzu gesellen sich glaubhafte Mimen, allen voran Patrick Stewart als finsterer Bösewicht und der leider viel zu früh verstorbene Anton Yelchin, der im Gegensatz zu Imogen Poots nicht auf den Sitz der Perücke achten muss.

Das prinzipiell simple Treiben benötigt keinen doppelten Boden, keine Twists und Turns und auch keine politische Aussage. Es zeigt auf eindringliche Art und Weise einen hart geführten Überlebenskampf, der keine Gefangenen macht und innerhalb der garstigen Auseinandersetzung sogar noch Raum für zynische Einlagen findet.
7,5 von 10

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